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24.05.2022

10:10

Rethink Work

Gründungscoach für Manager: „Wer bei der Headhunter-Frage durchfällt, ist nicht reif“

Von: Kirsten Ludowig

Sabine Votteler berät gestandene Führungskräfte, die unzufrieden im Job sind und ihr eigenes Business aufbauen wollen. Sie weiß, wie es ist, aus „großer Fallhöhe“ auszusteigen.

Die Expertin für den Weg in die Selbstständigkeit hat 25 Jahre als Managerin in verschiedenen Unternehmen gearbeitet – und dann selbst hingeschmissen. Christian Kasper

Sabine Votteler

Die Expertin für den Weg in die Selbstständigkeit hat 25 Jahre als Managerin in verschiedenen Unternehmen gearbeitet – und dann selbst hingeschmissen.

Düsseldorf Sabine Votteler hat 25 Jahre als Managerin in verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Ihr Ziel: „hocharbeiten“ und „Karriere machen“, so wie zu ihrer Zeit üblich. Mit Ende vierzig stellte sie sich die Sinnfrage, für die sie früher „null empfänglich“ war.

Sie wollte nicht noch mehr Geld, einen noch größeren Firmenwagen und einen noch tolleren Titel auf der Visitenkarte. Sie wollte über ihre Aufgaben und über ihre Zeit selbst bestimmen. Schließlich hatte sie schon mehr als die Hälfte ihres Lebens um, erzählt die Betriebswirtschaftlerin im Handelsblatt-Podcast „Rethink Work“.

2014 stieg Votteler aus, kündigte ihren Job und machte sich selbstständig. Heute berät sie gestandene Managerinnen und Manager 45 plus, die wie sie ihr eigenes Business aufbauen wollen. Es kämen aber auch immer mehr Jüngere zu ihr, sagt sie.

Selbstständigkeit wieder auf Vor-Corona-Niveau

Im vergangenen Jahr haben laut der staatlichen Förderbank KfW wieder mehr Menschen in Deutschland den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Die Zahl der sogenannten Vollerwerbsgründungen stieg um 35.000 auf 236.000. Damit lag sie nach einem deutlichen Corona-Einbruch im Jahr 2020 wieder auf dem Niveau vor der Pandemie.

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    Votteler glaubt, dass die Unzufriedenheit im Job schon vor Corona hoch war. Aber auch hier habe die Pandemie wie in so vielen anderen Bereichen als Beschleuniger gewirkt.


    Sie selbst hat sich damals auch von den Rahmenbedingungen und Strukturen im Unternehmen eingeschränkt gefühlt, denn sie hat über die Jahre eins gelernt: „In einer großen Firma ist man, egal in welcher Position, ein Teil des Getriebes.“

    Um herauszufinden, wer wirklich reif ist für die Selbstständigkeit und wer nicht, stellt Votteler allen Coaching-Interessenten die „Headhunter-Frage“, wie sie es nennt. Darauf gebracht hat sie eine Kundin, die hat nach ein paar Wochen das Coaching mit ihr abgebrochen und einen neuen Job angenommen.

    Bereit für die Selbstständigkeit? Die Headhunter-Frage

    Das war ihr damals eine Lehre. „Seitdem frage ich am Anfang alle: ‚Stell dir vor, morgen ruft ein Headhunter an mit dem genialen Jobangebot schlechthin. Was würdest du machen?‘“ Wer sagt, dass er es annehmen würde, den schicke sie wieder zurück in den Job.

    „Selbstständigkeit darf niemals eine Flucht sein, niemals ein Plan B, dann wird es nix“, sagt Votteler. Schließlich hat sie selbst erfahren, wie es ist, aus „großer Fallhöhe“ auszusteigen. Man hat sich an einen gewissen Lebensstandard gewöhnt, diverse Verpflichtungen und oft ein Umfeld, das nicht versteht, was einen treibt, den augenscheinlich tollen Job zu kündigen.

    Oft ist es aber auch Einstellungssache, weiß Votteler. Denkt man eher in Risiken oder eher in Chancen und Möglichkeiten? „Ich habe gerade eine Kundin, die ist alleinerziehend mit zwei schulpflichtigen Kindern – und hat es gepackt.“

    Auf dem Weg in die Selbstständigkeit tun sich allerdings fast alle Führungskräfte mit einer Sache schwer – so auch Votteler damals: „Ich habe gedacht, ich wüsste alles am besten. Ich habe lang allein gekämpft, anstatt mal den Rat anderer anzuhören.“

    Dieser Artikel erschien zuerst am 23.05.2022 um 06:00 Uhr.

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