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02.10.2019

11:38

Elektromobilität

Firmen finden nicht genug E-Autos für Dienstwagenflotten

Von: Andreas Schulte

Das Interesse von Dienstwagenfahrern an E-Autos wächst. Doch lange Lieferzeiten und geringe Modellauswahl stehen dem Ausbau der E-Konzernflotten im Weg.

Gerade Hersteller von E-Autos der Oberklasse hängen mit den Stückzahlen ihrer Modelle zurück. dpa

Elektroauto

Gerade Hersteller von E-Autos der Oberklasse hängen mit den Stückzahlen ihrer Modelle zurück.

Köln Smart EQ Fortwo, Mercedes B-Klasse Electric Drive, BMW i3: Im Fuhrpark des Stuttgarter Bauunternehmens Wolff & Müller fahren gleich mehrere der elektrisch angetriebenen Modelle, die deutsche Hersteller derzeit zu bieten haben. Insgesamt sind es zehn Fahrzeuge - und es sollen bald mehr werden. „Wir sind bereit, unseren Fuhrpark sukzessive weiter auf elektrische Modelle umzustellen“, sagt der zuständige Flottenmanager Patrick Heidrich.

Wolff & Müller setzt generell auf Nachhaltigkeit: Gebaut wird etwa nur mit Ökostrom. Da soll auch die Flotte möglichst emissionsarm fahren. Doch es gibt ein Problem: „Flaschenhals bei der Elektrifizierung des Fuhrparks sind fehlende attraktive Angebote am Markt“, sagt Heidrich.

Die lange vorherrschende Skepsis gegenüber E-Mobilität lässt bei Fuhrparkchefs und Dienstwagenfahrern nach. Doch der Schwenk hin zu den alternativen Antrieben gelingt vielerorts nicht so schnell wie erhofft - die Hersteller bremsen. „Der E-Mobility-Markt bietet noch eine zu geringe Modellvielfalt“, sagt Christoph Stürmer, Automobilexperte der Beratung PricewaterhouseCoopers (PwC). „Nicht jeder, der grundsätzlich gerne aufs E-Auto umsteigen würde, findet ein geeignetes Modell.“

Das gewachsene Interesse an E-Autos belegt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Dataforce. Danach sind zwar derzeit erst zwei Prozent der Dienstwagenfahrer in Deutschland elektrisch unterwegs. Doch fast zwölf Prozent wünschen sich als nächsten Firmenwagen ein E-Auto. Das Wachstumspotenzial für die Autokonzerne ist enorm: 4,5 Millionen Flottenfahrzeuge hat der Verband markenunabhängiger Fuhrparkmanagementgesellschaften in Deutschland gezählt.

Ein Grund für die neue Offenheit gegenüber elektrischen Antrieben: „Das Statusdenken unter den Fahrern lässt nach“, sagt Heiko Luft, Fuhrparkleiter bei EnBW. Der Versorger ist dabei, die Dienstwagenflotte so weit wie möglich auf E-Autos umzustellen. 300 Ladepunkte hat das Unternehmen bereits installiert. Weitere 350 an etwa 80 Standorten sollen noch in diesem Jahr folgen. Mehr als 300 Fahrzeuge rollen elektrisch.

Bei EnBW gebe es mehr Dienstwagenfahrer, die sich ein E-Auto wünschen, als Wagen zur Verfügung stehen, so Luft. „Es fehlt noch die Modellvielfalt“, sagt der Fuhrparkleiter. So werde es etwa in absehbarer Zeit keine allradgetriebenen E-Autos geben. Und bei Kleinwagen im Liefereinsatz mangele es noch an Reichweite.

Basis für den Wechsel zur E-Mobilität ist laut Luft eine Nutzeranalyse. Das Auto müsse zum Bedarf des Fahrers passen. Dazu hat EnBW die Nutzungsprofile von Dienstwagen ausgewertet und ermittelt, wo nur kurze Distanzen gefahren werden. „Somit können wir garantieren, dass niemand liegen bleibt oder sich tagsüber ums Nachladen kümmern muss.“

Umweltbonus lockt

EnBW erwägt, bis zu 14 000 Mitarbeitern vollelektrische Autos zur privaten Nutzung zur Verfügung zu stellen. So will man auch die Unternehmensstrategie beflügeln, die auf einen geringeren CO2-Aussstoß zielt. In den kommenden Wochen werde EnBW prüfen, ob es möglich sein wird, ein attraktives Angebot für die Mitarbeiter zu schnüren. „Anschließend können wir entscheiden, ob wir in die nächste Phase der Ausschreibung gehen“, sagt Luft.

Doch Tausende E-Autos wird auf die Schnelle kein Hersteller liefern können. Viele Autobauer können die Nachfrage schon jetzt nicht bedienen. „Wer heute versucht, E-Autos anzuschaffen, muss feststellen, dass die Lieferfähigkeit extrem eingeschränkt bis nicht vorhanden ist“, klagte Marc-Oliver Prinzing, Vorstandschef des Bundesverbands Fuhrparkmanagement, schon im Frühjahr. Nur schwer kommen etwa die Hersteller von Oberklassefahrzeugen mit ihren Elektrovarianten vom Fleck. Der Produktionsstart von Audis erstem E-SUV, dem E-Tron, war von Problemen begleitet: Im April meldete der Autobauer, dass im Gesamtjahr wegen eines Batterieengpasses rund 10 000 Stück weniger vom Band rollen würden als geplant. Die Folge: längere Lieferzeiten. Im Juni dämpfte ein Rückruf wegen Brandgefahr die Euphorie abermals.

Geduldsspiel für die Nutzer

Generell ist Geduld gefragt: „Wenn wir E-Autos ordern, rechnen wir mit einer Lieferzeit von vier bis fünf Monaten“, sagt Gabriel Hackel. Der Manager Compensation and Benefits ist bei Faurecia auch für die Dienstwagenregelungen verantwortlich. Der Autozulieferer lockt potenzielle E-Dienstwagen-Fahrer auch mit finanziellen Anreizen. „Für die Nutzung eines Autos mit einem besonders niedrigen CO2-Ausstoß gibt es einen Bonus von 150 Euro auf die monatliche Leasingrate. Hinzu kommen noch einmal 100 Euro für die Verwendung eines alternativen Antriebs“, erklärt Hackel. Das Geld kann der Nutzer etwa für eine bessere Ausstattung seines Fahrzeugs verwenden.

Die Regelung gilt seit Jahresbeginn und kommt laut Hackel gut an: „Das Interesse unserer Dienstwagenfahrer am E-Auto ist durch sie deutlich gestiegen. Aber natürlich würde ich mir eine noch größere Bereitschaft wünschen“, sagt er. Etwa 30 Fahrer, deren dreijähriger Leasingvertrag in den nächsten Monaten ausläuft, interessierten sich für den Umstieg auf die betriebliche E-Mobilität. Insgesamt haben 400 Faurecia-Mitarbeiter einen Dienstwagen.

Hackel hat aber auch einen Hemmschuh beim Umstieg auf die E-Autos ausgemacht: Die Leasingrate für E-Autos soll auch die Kosten für die Installation und den Betrieb einer Ladebox zu Hause abdecken. Doch der finanzielle Einsatz kann ins Leere laufen: Die Installation sei vor allem bei Mitarbeitern, die in Mietwohnungen leben, kompliziert. „Dort müssen unsere Fahrer zunächst die Hauseigentümer und die Mietergemeinschaft um die Erlaubnis zur Installation einer Lademöglichkeit bitten. Doch die wird längst nicht immer erteilt.“

Längst nicht alle Fuhrparkmanager sind schon auf E-Auto-Kurs. Laut einer Studie von Geotab, einem Anbieter von Telematiklösungen, sehen sie in der geringen Reichweite von E-Fahrzeugen noch immer ein beträchtliches Hindernis für den Einsatz in der Flotte. Auch eine fehlende öffentliche Ladeinfrastruktur, lange Ladezeiten, hohe Fahrzeugkosten und damit verbundene Investitionen werden in der Erhebung genannt.

Die bestehenden Bedenken sowie die mangelnde Verfügbarkeit der E-Autos könnten einer anderen Antriebstechnik zum Erfolg in der Flotte verhelfen - der Kombination aus E-Antrieb und herkömmlichem Verbrennungsmotor: „Bald kommen mit Verspätung einige attraktive Plug-in-Hybride auf den hiesigen Markt“, sagt PwC-Experte Stürmer. „Da wird alles weggekauft werden.“

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