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06.02.2018

12:09 Uhr

Stillstand auf den Straßen

München bleibt Deutschlands Stauhauptstadt

VonChristoph Hensen

Stau ist in deutschen Großstädten ein ständiges Problem. Der Stillstand im Stadtverkehr kostete die deutschen Autofahrer 2017 durschnittlich 30 Stunden im Jahr. Dadurch entsteht ein Milliardenschaden.

Die bayerische Landeshauptstadt führt das deutsche Stau-Ranking an. dpa

Stau in München

Die bayerische Landeshauptstadt führt das deutsche Stau-Ranking an.

DüsseldorfAuf Deutschlands Straßen ist Geduld gefragt. In Großstädten und Ballungsräumen stehen Autofahrer durchschnittlich 30 Stunden pro Jahr im Stau. Das ergibt eine umfangreiche Analyse des Navigationsdaten-Unternehmens Inrix. Die stärksten Nerven brauchen Autofahrer in München.

Zum zweiten Mal in Folge war die bayerische Landeshauptstadt 2017 die staureichste Stadt in Deutschland. 51 Stunden verbrachte dort jeder Autofahrer im Schnitt im Stau. Die beiden größten deutschen Städte, Berlin und München, verzeichnen mit durchschnittlich jeweils 44 Stunden Stau pro Fahrer aktuell den deutlichsten Anstieg im Ranking.

Die hohe Anzahl an Staustunden ist aber nicht nur für die betroffenen Fahrer ärgerlich. Der Stillstand auf den Straßen kostet in Deutschland nach Inrix-Berechnungen jährlich 80 Milliarden Euro. Michael Schreckenberg, Professor an der Universität Duisburg-Essen, hat dazu in der Vergangenheit erklärt, dass beispielsweise Logistikunternehmen pro Staustunde rund 35 Euro verlieren. Allein in Berlin summierten sich die durch Stau entstandenen Kosten 2017 auf 6,9 Milliarden Euro.

Staubedingte Wartezeiten im Jahr 2017

Platz 1

In München verbrachten Autofahrer 2017 im Schnitt 51 Stunden im Stau. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von fünf Prozent.

Platz 2

Die Autofahrer in Hamburg mussten hinsichtlich der Stauzeit im vergangenen Jahr ein Plus von acht Prozent hinnehmen. 44 Stunden pro Fahrer sind das im Ergebnis.

Platz 3

Die Bundeshauptstadt Berlin belegt mit 44 Stunden Stau pro Fahrer Platz drei im Ranking. Satte zehn Prozent mehr im Vergleich zum Jahr 2016.

Platz 4

In Stuttgart scheinen sich Investitionen in das Straßennetz auszuzahlen. Die Zeit, die Autofahrer durchschnittlich im Stau verbringen, ist 2017 um fünf Prozent zurückgegangen. Trotzdem bleiben absolut 44 Stunden Stillstand pro Fahrer.

Platz 5:

Im Ruhrgebiet standen die Reifen staubedingt im Schnitt 40 Stunden pro Jahr still. Im Vergleich zu 2016 ein Plus von elf Prozent.

Platz 6

In der rheinischen Metropole hat sich die Stausituation 2017 verbessert. Statt 45 Stunden im Vorjahr mussten die Kölner „nur noch” 40 Stunden im Stau verbringen – ein Rückgang um 13 Prozent.

Platz 7

In Heilbronn ist Besserung in Sicht: Während 2016 noch Platz zwei im Stau-Ranking (45 Stunden) belegt wurde, verbesserte sich die Stadt in Baden-Württemberg 2017 deutlich um 19 Prozent (38 Stunden).

Platz 8

In Frankfurt am Main kosten Staus die Autofahrer jährlich jeweils 36 Stunden. Im Vergleich zu 2016 eine Verbesserung um neun Prozent.

Platz 9

In Würzburg war ein leichter Anstieg der Staustunden zu verzeichnen. Nach 33 Stunden in 2016 waren es im Folgejahr 35 Stunden.

Platz 10

Ein Stau-Plus von 14 Prozent mussten Autofahrer in Karlsruhe hinnehmen. 2017 stand man dort durchschnittlich 34 Stunden still.

Graham Cookson, Chef-Volkswirt bei Inrix, hält deshalb Investitionen in das Straßennetz für dringend notwendig. In Baden-Württemberg hätte das bereits erste Erfolge gezeigt. In den vergangenen sechs Jahren wurden dort über 1000 Kilometer Bundes- und Landstraßen ausgebaut. In Heilbronn verringerte sich die im Stau verbrachte Zeit von 2016 auf 2017 um sieben Stunden pro Jahr und Fahrer.

Am langsamsten geht es in Mönchengladbach voran. In der Innenstadt fällt die Durchschnittsgeschwindigkeit zu Stauzeiten auf neun Kilometer pro Stunde. Als schlimmste Staustrecke führt die Inrix-Studie die A6 im Raum Mannheim an.

Auf einem 6,5 Kilometer langen Teilstück verliert dort jeder Autofahrer durchschnittlich 69 Stunden pro Jahr. Umgerechnet sind das fast drei Tage. Die Ironie dabei: Gerade Baumaßnahmen, die für Entspannung sorgen sollen, verschlechtern die Situation teilweise für mehrere Jahre.

Im internationalen Vergleich landet Deutschland hinsichtlich der höchsten staubedingten Wartezeiten auf Platz elf. Nur in einem westeuropäischen Land gibt es mehr Staus: In Großbritannien muss man jährlich eine Stunde länger warten. Mit durchschnittlich 56 Staustunden pro Jahr wird den Autofahrern in Thailand weltweit am meisten Geduld abverlangt.

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