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22.09.2019

11:53

Kompaktklasse

So fordert der Skoda Scala den Golf heraus

Von: Holger Holzer
Quelle:Spotpress

Skoda hat sich in Deutschland als stärkste Importmarke etabliert. Qualitativ müssen sich die Tschechen nicht hinter der Schwestermarke VW verstecken.

Test: Skoda Scala - Ziemlich golfig Skoda

Herausforderer mit Ambitionen

Der Skoda Scala soll besser abschneiden als der Rapid.

Köln Der Skoda Rapid Spaceback schlug sich als günstige Golf-Alternative in Deutschland eher mäßig. Sein indirekter Nachfolger Scala macht fast alles besser – verlangt dafür aber auch einen höheren Preis. Mit 4,36 Metern ist er dem Wolfsburger Kompaktklassenprimus in der Länge 10 Zentimeter voraus.

Vor dem braucht er sich optisch übrigens nicht verstecken: Das sauber geschneiderte Blechkleid mit scharfen Kanten und intensivem Scheinwerferblick hat die leichte Biederkeit des Rapid abgelegt und schafft nun sichtbar mehr Präsenz. Das gilt auch für das Heck mit der verlängerten Scheibe (Option); beim Vorgänger wirkte das noch wie ein hilfloser Versuch, die Optik etwas aufzuwerten.

Beim Scala unterstreicht es den höheren formalen Anspruch der ganzen Karosserie. Doch nicht nur die Äußerlichkeiten stimmen, auch die inneren Werte wissen zu überzeugen. Vor allem im hinteren Teil des Wagens. Der Knieraum im Fond sprengt die Klassenstandards, während das Dach allerdings für ausgesprochene Sitzriesen etwas zu tief hängt.

Vorne sitzt es sich ebenfalls recht luftig, ohne dass man mehr als das in diesem Segment übliche erwarten dürfte. Der Kofferraum fällt mit 467 Litern eine gute Ecke üppiger aus als im Golf und wächst bei umgeklappter Fondbank auf den Klassenbestwert von 1.410 Liter. Allerdings stört dann eine leichte Schräge beim Beladen. Den kleine Malus gleichen eine umklappbare Beifahrerlehne und ein doppelter Ladeboden jedoch mehr als aus.

Hinwegsehen kann man auch über die eher mittelmäßige Materialqualität im Innenraum, wo hartes Plastik dominiert, allerdings in ergonomisch günstiger und nüchtern-eleganter Form. Die Bedienung dürfte jedem leichtfallen, der auch nur einmal in einem VW, Skoda oder Seat gesessen hat.

Und das gilt auch, wenn das neue Infotainment-System an Bord ist, das mit leicht geänderter Menüführung und vor allem standardmäßiger 3G-Vernetzung aufwartet.

Die verlängerte Heckscheibe ist Option Skoda

Individuell

Die verlängerte Heckscheibe ist Option.

Keine Schwächen zeigt der Skoda auf der Straße. Das Fahrwerk ist eher straff abgestimmt, was für Verbindlichkeit auf kurvigen Etappen sorgt. Gleichzeitig kommt der Komfort nicht zu kurz; auch aufgrund des langen Radstands passiert der Tscheche Verwerfungen und Unebenheiten durchaus lässig.

Diese Ausgewogenheit macht ihn zum guten Allrounder: Lange Reisen auf der Autobahn sind ebenso möglich wie flottere Landstraßenetappen, zu denen auch die recht direkte Lenkung gut passt. Positiv fällt in jedem Fall die gute Geräuschdämmung auf; weder Fahrt- noch Motorlärm dringen über Gebühr in den Innenraum – der Skoda wirkt in dieser Beziehung hochwertig wie ein Golf.

Die angenehme Akustik ist umso bemerkenswerter als dass im Testwagen ein Dreizylinderbenziner montiert war. Zwar sind die kleinen Motoren heutzutage nicht mehr die unruhigen Gesellen früherer Jahre, doch so zurückhaltend wie im Scala sind sie nur selten ausgeprägt.

Der 1,0-Liter-Turbobenziner ist aber alles andere als eine Trantüten und überzeugt mit quirligem Temperament. Trotz des geringen Hubraums lässt sich der gekoppelte Motor auch schaltfaul fahren. Der Praxisverbrauch liegt dabei knapp oberhalb von sechs Litern – ein ordentlicher Wert.

Der Scala ist der Nachfolger des Rapid Spaceback Skoda

Gewohnter Innenraum

Die Bedienung orientiert sich an den Konzerngeschwistern.

Die Reife und Ausgewogenheit gibt es allerdings nicht zum Nulltarif. Die günstigste Scala-Variante (70 kW/95 PS) kostet in der Basis-Ausführung „Active“ 17.350 Euro, kommt dann aber sehr mager ausgestattet daher.

Wer auf Kompaktklassen-Standards wie Klimaanlage, Fensterheber rundum und Co. nicht verzichten will, zahlt schon 20.200 Euro für das „Ambition“-Modell. Wählt man dann auch den starken Benziner, werden bereits 21.400 Euro fällig. Für das gleiche Geld gibt es auch schon einen identisch motorisierten Basis-Golf VII mit ein bisschen weniger Ausstattung und etwas weniger Platz.

Spürbarer wird die Hierarchie im Volkswagen-Konzern erst bei den luxuriöser ausgestatteten Varianten – in der vergleichsweise üppig bestückten „Style“-Ausführung (ab 23.400 Euro für den 115-PS-Benziner) kann der Scala den Golf schon deutlicher distanzieren. Wenn man den Skoda wählt, sollte man sich also durchaus ein wenig Luxus gönnen.

Technische Daten

Fünftüriger Kompaktwagen, Länge: 4,36 Meter, Breite: 1,79 Meter (ohne Spiegel), Höhe: 1,50 Meter, Radstand: 2,65 Meter, Leergewicht: ab 1.240 kg, Kofferraumvolumen: 467-1.410 Liter.

1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner: 85 kW/115 PS, maximales Drehmoment: 200 Nm bei 2.000-3.500 U/min, Sechsgang-Handschaltung, 0-100 km/h: 9,8 s, Vmax: 201 km/h, Verbrauch: 5,0-4,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 113-111 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-Temp, Effizienzklasse: B, Testverbrauch: 6,1 l/100 km; Preis: ab 18.550 Euro.

Der Kofferraum ist groß, aber nicht komplett eben Skoda

Leider mit Ladekante

Der Kofferraum ist groß, aber nicht komplett eben.

Technisch ist der Scala dem Polo etwas näher als dem Golf Skoda

Enge Verwandtschaft

Technisch ist der Scala dem Polo etwas näher als dem Golf.

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