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19.07.2013

16:01

Folgen der Energiewende

Deutschlands verzweifelter Kampf ums Windrad

Von: Konrad Fischer
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Die Energiewende wird vom verbindenden Generationenprojekt zur Unfrieden stiftenden Renditehoffnung. Bürger sind heillos zerstritten und Kommunen gehen hohe Risiken ein, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

Streitfall Windrad: Die Anlagen stoßen in vielen Gemeinden auf Widerstand. dpa

Streitfall Windrad: Die Anlagen stoßen in vielen Gemeinden auf Widerstand.

Als der erste Baum fällt, haben die Polizisten eine taktische Aufstellung eingenommen. Zwei Dutzend Beamte bewachen die Baustelle im lichten Buchenwald auf dem Hilsberg, einer Gegend im hügeligen Mittelhessen zwischen Siegen und Marburg, die den treffenden Namen Hinterland trägt. Der Rest der Hundertschaft ist auf die benachbarten Dörfer verteilt. Sie stehen in dauerndem Kontakt mit der Einsatzleitung; wenn es brenzlig wird, können sie in wenigen Minuten an der Baustelle im Wald sein. Es wird nicht lange dauern, bis dieses Kommando sie über Funk erreicht.

Das war im Frühling 2012. Jetzt ist ein Jahr vergangen, und im Hinterland ist der eine oder andere Baum gefällt. Aber es steht kein einziges Windrad. Der Grund dafür trägt den Namen Reinhold Leinweber und ist ein 63-jähriger Rentner.

Leinweber geht mit seinen unorganisierten grauen Haaren, dem gleichfarbigen Wollpullover optisch als Ökoaktivist durch, doch solche Motive liegen ihm fern. Leinweber hat vier Jahrzehnte Beamtenleben hinter sich, in der Hochbauabteilung der Stadt Bad Laasphe war er für Energiemanagement zuständig. „Ich kann einfach nicht mit ansehen, wenn gute Dinge schlecht organisiert werden“, sagt er, Aktenordner in der Hand, ganz der gewissenhafte Beamte.

Was er damit meint, zeigt sich, als er in seinen Garten tritt. „Wir werden umzingelt“, sagt er, und seine Stimme bebt. Er weist auf die umliegenden Bergkuppen, die das Örtchen Holzhausen wie die Bühne eines Amphitheaters umschließen – und auf denen künftig Windkraftanlagen stehen sollen. „Wir in Holzhausen haben den Schaden, und den Nutzen haben die anderen“, schimpft Leinweber. Denn die Berge liegen wenige Meter hinter der Grenze zum Nachbarort Bad Endbach. Da der aber zwei Täler entfernt ist, werden die Windmasten von dort nicht zu sehen sein. „Und wir sollen nichts dagegen tun können?“, fragt Leinweber rhetorisch. „Das kann doch nicht sein!“

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    Menschliche Folgen der Energiewende

    Es ist ein kleiner Konflikt, der im Garten eines Rentners seinen Ausgangspunkt nimmt. Doch in der Radikalität, mit der er ausgetragen wird, ist er beispielhaft. Streitfälle wie dieser bahnen sich gerade 100-fach an in Deutschland. Nicht alle werden die Polizei in dreistelliger Mannstärke auf den Plan rufen, die wenigsten werden Bürger erleben, die wie in Holzhausen mit Eisenstangen aufeinander losgehen und lokalen Politikern Drohbriefe schicken. Doch nach und nach dürften sie die menschlichen und finanziellen Folgen der Energiewende offenlegen. Wenn Kritiker das katastrophale politische Management des Umstiegs auf erneuerbare Energien anprangern, dann zeigt sich in Dörfern wie Holzhausen, was das aus der Froschperspektive bedeutet: Aus einem verbindenden Generationenprojekt ist ein neiderfüllter Kampf um Profite geworden, der die Energiewende zu einem teuren Teufelskreis werden lässt.

    Schuld an diesem Dilemma ist ausgerechnet die Windkraft, die wichtigste und in unseren Breiten effizienteste erneuerbare Energiequelle. Im Vergleich zu anderen Erneuerbaren verursacht sie die größten Kollateralschäden. Solaranlagen sorgen zwar für ärgerliche Ausschläge auf der Stromrechnung, doch den ästhetischen Schaden trägt vor allem der Solardachbauer selbst. Biogasanlagen mögen unangenehm riechen, doch das tat Gülle schon immer. Windkraftanlagen hingegen sind über viele Kilometer sichtbar, ein gutes Stück weit zu hören, sie werfen einen langen Schatten und erfordern immense bauliche Eingriffe in die Natur.

    Kommentare (7)

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    Account gelöscht!

    19.07.2013, 17:26 Uhr

    In Deutschland werden normalerweise etwa 65 GW Leistung gebraucht. An Solarstrom und Windstrom, also an unkalkulierbarem Zufallsstrom, sind jeweils etwa 30 GW installiert.

    Wenn noch viel Zufallsstrom hinzukommt, wird das Netzgleichgewicht zu einem Roulettespiel werden, zumal immer mehr der zuverlässigen Wärmekraftwerke vom Netz verschwinden werden.

    (Selbst wenn der Staat die Stilllegung funktionierender Wärmekraftwerke untersagen sollte, werden einige einfach aus Altersgründen ausscheiden, und potentielle Investoren, werden sich hüten, Ersatzinvestitionen vorzunehmen, weil Wärmekraftwerke strukturell unwirtschaftlich sind,solange der Einspeisevorrang der Zufallskraftwerke Bestand hat.)

    Allein diese kurze Betrachtung zeigt, dass nach der Wahl ein weiterer Zubau von Zufallskraftwerken verhindert werden muss und werden wird.

    Der Wahnsinn der Energiewende wird schon bald an den Gesetzen der Physik scheitern, von den kontinuierlich steigenden Kosten, die sich wie Mehltau über die Wirtschaftskraft Deutschlands legen, ganz zu schweigen.

    Die Altparteien, die uns in diesen Wahnsinn geführt haben, haben keine einzige Stimme bei der kommenden Wahl verdient. Es sind Schildbürger, wie sie im Buche stehen.

    Account gelöscht!

    19.07.2013, 17:45 Uhr

    Wenn nach der Wahl er irrsinnige Ausbau der Windkraft im Landesinnern nicht aufhört, wird es eine Revolution geben und zu Recht. Jeder Gemeindevertreter, der den weiteren Ausbau unterstützt, sollte wegen Untreue angezeigt und vor Gericht gestellt werden.

    Account gelöscht!

    20.07.2013, 01:05 Uhr

    "Der Wahnsinn der Energiewende wird schon bald an den Gesetzen der Physik scheitern"


    Nicht nur daran! Ähhhm... was hat die NOCH-Regierungschefin gleich studiert...?

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