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04.06.2022

15:00

Zahlreiche Einsatz- und Rettungskräfte sind nach dem schweren Zugunglück nahe Garmisch-Partenkirchen im Einsatz. dpa

Luftaufnahme aus einem Rettungshubschrauber

Zahlreiche Einsatz- und Rettungskräfte sind nach dem schweren Zugunglück nahe Garmisch-Partenkirchen im Einsatz.

Deutsche Bahn

Fünf Tote nach Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen – Weitere Opfer noch nicht auszuschließen

Ein Regionalexpress auf dem Weg nach München ist entgleist, drei Waggons kippten auf die Seite. Luftbilder zeigen das Ausmaß. Die Ursache ist noch völlig unklar.

Garmisch-Partenkirchen Mindestens fünf Menschen sind bei dem Zugunglück in Gamisch-Partenkirchen ums Leben gekommen. Die Menschen sind bei einem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen ums Leben gekommen. Insgesamt wurden nach Polizeiangaben etwa 30 Menschen verletzt, 15 von ihnen kamen ins Krankenhaus.

Die Bergung der Toten war äußerst schwierig, weil zunächst einer der umgestürzten und verkeilten Waggons hatte angehoben werden müssen. Erste Versuche, die Waggons anzuheben, waren gescheitert. Bei dem Unfall am Freitag wurden den Angaben nach mehr als 40 Menschen verletzt, drei von ihnen schwer. Mehrere Menschen galten am Samstag noch als vermisst.

Der Regionalexpress sei gegen Mittag Richtung München unterwegs gewesen. Nach Angaben der Behörden waren etwa 140 Passagiere in den Waggons. Der Zug sei vermutlich entgleist, so ein Sprecher der Bundespolizei – warum, war zunächst unklar.

Das Unglück ereignete sich gegen 12.15 Uhr im Ortsteil Burgrain in den Loisachauen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass zum Ferienbeginn viele Schüler in der Bahn waren.

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    Auch die Deutsche Bahn teilte in Berlin mit, über die Ursache des Unfalls könne noch keine Aussage getroffen werden. Einsatzkräfte und Mitarbeiter der DB seien am Unfallort. Das Bundesunternehmen sprach zugleich den Angehörigen der Opfer ihr tiefes Mitgefühl aus und richtete unter der Rufnummer 0800-3111111 eine Sonder-Hotline ein.

    Auf Luftbildern ist zu erkennen, dass der Zug mit Doppelstockwagen auf einer einspurigen langgezogenen Kurve unterwegs war. Eine Weiche ist nicht zu sehen. Der Streckenabschnitt liegt erhöht auf einem Bahndamm, mehrere Waggons rutschten vom Damm in einen kleinen Bach. Die viel befahrene B2 führt genau vorbei.

    Bayern

    Schweres Zugunglück bei Garmisch – Mehrere Tote

    Bayern: Schweres Zugunglück bei Garmisch – Mehrere Tote

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    Drei Waggons sind nach Angaben der Bundespolizei umgekippt. Unter den Verletzten seien „alle Altersgruppen“, darunter auch Kinder, sagte der Sprecher.

    Drei der voraussichtlich vier Todesopfer müssen noch geborgen werden. Diese Opfer lägen noch unter einem umgestürzten Waggon, berichtete Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitagnachmittag am Unglücksort. „So lange der Eisenbahnwaggon aber nicht angehoben ist, können wir nicht ausschließen, dass darunter weitere Tote liegen“, sagte er. Ein vierter Mensch sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

    Die Eisenbahnerfamilie und ich sind schockiert von dem schrecklichen Zugunglück. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, den Verletzten und ihren Familien. Bahn-Chef Richard Lutz

    Zunächst galten noch ein Dutzend Menschen als vermisst. „Wir sind auch insofern ein bisschen besorgt, dass wir immer noch zwölf Vermisstenmeldungen haben, die noch nicht endgültig abgearbeitet werden konnten“, sagte Herrmann am Abend im BR Fernsehen. Es könne aber sein, dass Vermisste bereits in den Kliniken seien.

    Einige seien so schwer verletzt, dass die Identität der Patienten noch nicht habe geklärt werden können. Er hoffe, dass die Polizei diese Vermisstenfälle in der Nacht abarbeiten könne, sagte der bayrische Innenminister.

    Schweres Gerät im Einsatz. dpa

    Rettungskräfte bei Burgrain

    Schweres Gerät im Einsatz.

    Feuerwehr, Notärzte und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort. „Es wurde Vollalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst“, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle im Oberland. Auch aus München rückten zahlreiche Rettungsmannschaften an.

    Der Grund für das Unglück ist unklar. dpa

    Umgekippte Waggons

    Der Grund für das Unglück ist unklar.

    Bayerns Innenminister Joachim Herrmann machte sich am Freitagnachmittag vor Ort in Oberbayern ein Bild der Lage und sagte dem Bayerischen Rundfunk am Abend, dass noch mehrere Menschen als vermisst gelten. Es könne sich aber auch um die Schwerverletzten in den Kliniken handeln, dies müsse die Polizei noch ermitteln.

    Neben der Bergung der Opfer und Versorgung der Verletzten stehen nun die Untersuchungen zur Unglücksursache im Mittelpunkt. Man stelle sich auf „langwierige Ermittlungen“ ein, sagte ein Polizeisprecher.

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besuchte am Samstag den Unfallort und sprach von einem „unfassbaren Ereignis“. Ein solches Unglück sei immer ein Schock und ein „Stich ins Herz“.

    Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) machte sich nach dem Abschluss der Innenministerkonferenz von Würzburg auf den Weg nach Garmisch. Dort wolle sie angesichts des schrecklichen Zugunglücks die Anteilnahme der Bundesregierung ausdrücken, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit.

    Münchens Kardinal Reinhard Marx sagte am Freitagabend, er sei „schockiert und traurig, dass bei diesem schlimmen Unfall Menschen aus der Mitte des Lebens gerissen, getötet oder teilweise schwer verletzt wurden“. Der Verlust, den die Angehörigen der Verstorbenen zu erleiden hätten, sei „schwer erträglich und mit Worten nicht begreifbar zu machen“.

    Die Strecke ist voll gesperrt. dpa

    Blick auf die Unglücksstelle

    Die Strecke ist voll gesperrt.

    Die Bahn sperrte die Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Oberau. Züge aus Richtung München wenden vorzeitig in Oberau. Aus Richtung Mittenwald wenden die Züge vorzeitig in Garmisch-Partenkirchen, hieß es auf Twitter. Ersatzverkehr sei in Planung.

    Für die Region an der Grenze zu Österreich ist das Unglück kurz vor den Ferien auch verkehrstechnisch eine Katastrophe. Wegen des Rettungseinsatzes blieb auch die parallel zur Zugstrecke verlaufende Bundesstraße 2 gesperrt. „Wir können den Verkehr im Moment nicht in Richtung Garmisch-Partenkirchen laufen lassen, weil die Rettungskräfte auf der Straße sind“, sagte ein Polizeisprecher.

    Auch die B23 und die Autobahn 95 rund 20 Kilometer vor Garmisch waren zeitweise gesperrt. Auf den Straßen in der Region kam es zu langen Staus.

    Die Sperrungen der Gleise und der Bundesstraße könnten „möglicherweise bis ins Wochenende“ dauern, sagte der Polizeisprecher am Freitagnachmittag. Wegen des Beginns der Pfingstferien in Bayern sei in der beliebten oberbayrischen Urlaubsregion mit langen Staus zu rechnen.

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