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09.06.2022

17:14

+++ EZB-Newsblog +++

EZB-Chefin Lagarde: „Nicht nur ein Schritt, sondern der Beginn einer Reise“

Von: Jan Mallien, Lisa Oenning

Die Notenbank strafft ihre Geldpolitik. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat die Beschlüsse in Amsterdam erläutert. Die Pressekonferenz zum Nachlesen.

In einer Pressekonferenz hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde  die Beschlüsse der Notenbank erläutert. Hier können Sie sich das Statement erneut ansehen: 
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Jan Mallien

Unter dem Strich geht die EZB-Entscheidung heute weiter als erwartet. Das Ende der Anleihezukäufe und die Zinserhöhung im Juli hatten die meisten Experten so prognostiziert. Etwas überraschend ist, dass die Notenbank für September eine stärkere Zinserhöhung in Aussicht stellt. Dabei kehrt sie die Beweislast um: Wenn ihre Inflationsprognosen im September so bleiben wie bisher oder noch höher ausfallen, gibt es eine stärkere Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt oder sogar 0,75 Prozentpunkte. Nur wenn die Inflationsprognosen geringer ausfallen, kommt es anders. 

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Lisa Oenning
Die Pressekonferenz ist beendet. 
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Jan Mallien
Lagarde wird zum sogenannten neutralen Zins gefragt. Gemeint ist das Niveau, wo die Geldpolitik die Wirtschaft weder stützt noch bremst. Der neutrale Zins kann nur geschätzt werden, daher ist sehr umstritten, wo er liegt. Ihre Antwort: „Wir haben ganz bewusst entschieden, darüber heute nicht zu diskutieren." Es werde dazu aber noch eine lange Debatte geben.
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Jan Mallien
Lagarde sagt, dass in Zeiten hoher Unsicherheit weiter ein vorsichtiges Vorgehen angebracht sei. 
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Lisa Oenning
Lagarde betont, dass sich die geplante Zinserhöhung im Juli nicht sofort auf die Inflation auswirken wird. Ziel sei es aber, die Erwartungen der Menschen zu beeinflussen. Die EZB will also zeigen, dass sie entschlossen ist, die Inflation zu drücken. Das könnte zum Beispiel Einfluss auf Lohnverhandlungen haben, wo die Erwartungen über die künftige Inflation eine wichtige Rolle spielt.

Erwarten wir, dass die Zinserhöhung im Juli unmittelbare Auswirkungen auf die Inflation haben wird? Die Antwort lautet: Nein.

EZB-Chefin Christine Lagarde

Bild: AP
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Jan Mallien
Lagarde wird zu den Spekulationen über ein neues Hilfsinstrument für hochverschuldete Euro-Länder gefragt. Sie betont, dass die EZB ein starkes Auseinanderlaufen der Renditen (Fragmentation) im Euro-Raum verhindern will, wenn es die Übertragung der Geldpolitik auf die Wirtschaft behindert. „Wenn nötig, werden wir bestehende Instrumente dafür nutzen oder neue entwickeln." 

Sprich: Die EZB hat keine Entscheidungen zu einem neuen Hilfsinstrument getroffen. Wenn es aus ihrer Sicht nötig ist, hält sie sich aber die Option offen. 
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Jan Mallien
Warum keine Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt schon im Juli? Lagardes Antwort: Eine erste Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt sei „gute Praxis". Es gehe darum, einen Pfad zu signalisieren. Die Entscheidungen, die man getroffen habe, würden nicht nur den Juli betreffen.

Es ist nicht nur ein Schritt, den wir gehen, es ist eine Reise, die wir antreten.

EZB-Chefin Christine Lagarde

Bild: AP
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Lisa Oenning
Die EZB hat auch ihre Wachstumsprognosen für den Euro-Raum angepasst. Sie erwartet, dass die Folgen des Ukrainekrieges das Wachstum in diesem und im nächsten Jahr zunächst beeinträchtigen werden. Die Notenbank sieht aber auch Bedingungen für weiteres Wachstum, etwa die Wiedereröffnung der Wirtschaft nach Corona oder die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt. Für 2024 hebt die EZB ihre Prognose an. 

  • 2022: 2,8 Prozent (März: 3,7 Prozent)
  • 2023: 2,1 Prozent (2,8 Prozent)
  • 2024: 2,1 Prozent (1,6 Prozent)
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Jan Mallien
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen steigt auf ein Acht-Jahres-Hoch von 1,47 Prozent, die italienischen Pendants rentieren zum ersten Mal seit 2018 über 3,5 Prozent. Die spanischen Papiere ziehen um vierzehn Basispunkte auf 2,62 Prozent an und liegen damit auf dem höchsten Stand seit 2014. 

Die Entscheidung der EZB geht offenbar weiter als Investoren erwartet hatten.
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Jan Mallien
Markant an den neuen Inflationsprognosen ist, dass die EZB inzwischen über den gesamten Horizont Inflationsraten über ihrem Zielwert von zwei Prozent erwartet. Wenn sich daran im September nichts ändert, wird sie dort einen stärkeren Zinsschritt beschließen. 
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Lisa Oenning
Die Pressekonferenz ist eröffnet. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bedankt sich zunächst beim niederländischen Notenbankchef Klaas Knot für dessen Gastfreundschaft. Das erste Mal seit 20 Jahren trifft sich der Rat in den Niederlanden.

Zu Beginn ihrer Rede bekräftigt die Notenbankchefin, dass die EZB weiterhin mittelfristig das Ziel der Preisstabilität verfolge. Preisstabilität sieht die Notenbank bei einer Inflationsrate von etwa zwei Prozent. 
Bild: AP
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Lisa Oenning
Neben ihrem weiteren geldpolitischen Kurs hat die EZB ihre Inflationsprognosen veröffentlicht. Sie geht nun in diesem und in den kommenden Jahren von einer höheren Teuerung als im März aus: 

  • 2022: 6,8 Prozent (5,1 Prozent)
  • 2023: 3,5 Prozent (2,1 Prozent)
  • 2024: 2,1 Prozent (1,9 Prozent)
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Lisa Oenning
Die im Juli geplante Zinserhöhung zeigt Wirkung am deutschen Aktienmarkt: Der Dax notiert am Nachmittag bei 14.303 Punkten – das entspricht einem Minus von einem Prozent. 
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Jan Mallien

Christine Lagardes Amtsvorgänger Mario Draghi schickt Grüße an seine früheren Kollegen. In Paris erklärt der italienische Ministerpräsident, dass die steigende Inflation in der EU „nicht unbedingt ein Zeichen der Überhitzung, sondern vor allem das Ergebnis einer Reihe von Angebotsschocks” sei. 


Der ehemalige EZB-Chef verweist auch darauf, dass die Arbeitslosenquote bei knapp unter sieben Prozent liege und der Konsum niedriger sei als vor der Pandemie. „Dies alles sind Zeichen, dass es in der Volkswirtschaft noch immer freie Kapazitäten gibt.“

Bild: dpa
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Lisa Oenning
Die Europäische Zentralbank hat nun ihre geldpolitischen Beschlüsse bekanntgegeben. Im Juni wird die Notenbank ihre Anleihezukäufe beenden. Dies gilt als Voraussetzung für eine erste Zinserhöhung. Den für die Geldpolitik entscheidenden Einlagenzins wollen die Währungshüter im Juli um 0,25 Prozentpunkte anheben. Für September stellen sie einen noch größeren Zinsschritt in Aussicht. 
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Lisa Oenning
EZB-Vertreter haben zuletzt ein Ende der Anleihezukäufe im Juni sowie eine Zinserhöhung im Juli signalisiert. Denn die hohe Inflation setzt die Währungshüter unter Druck. Im Mai stiegen die Verbraucherpreise im Euro-Raum um 8,1 Prozent
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