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08.11.2019

17:12

Aktie unter der Lupe

Warum die Tesla-Aktie trotz steigendem Gewinn eine riskante Wette bleibt

Von: Katharina Kort

Seit dem Absturz vor mehr als einem Jahr hat sich der Kurs des E-Auto-Pioniers deutlich erholt. Doch die Aktie ist weiter nichts für schwache Nerven.

Der Tesla-Gründer hat zuletzt gute Ergebnisse geliefert und den Zweiflern gezeigt, dass das Unternehmen auch profitabel produzieren kann. AP

Elon Musk

Der Tesla-Gründer hat zuletzt gute Ergebnisse geliefert und den Zweiflern gezeigt, dass das Unternehmen auch profitabel produzieren kann.

New York Es war das jüngste Quartalsergebnis, das der Tesla-Aktie einen neuen Auftrieb verliehen hat. Der überraschend hohe Quartalsgewinn von 143 Millionen Dollar hat den Elektroautohersteller von Elon Musk vor zwei Wochen zum wertvollsten amerikanischen Autobauer gemacht. Mit einem Börsenwert von mehr als 57 Milliarden Dollar überholte Tesla auch den Traditionskonzern General Motors (GM), der in diesen Zeiten auf 53 Milliarden Dollar kommt.

Der Aktienkurs von Tesla ist nach den guten Zahlen von 255 Dollar auf knapp 300 hochgeschossen und pendelt seit einigen Tagen oberhalb der 310-Dollar-Marke. Damit liegt der Kurs zwar noch unter dem bisherigen Rekord von 385 Dollar im September 2017. Aber die Aktie ist weit von dem Tiefpunkt im vergangenen August entfernt, als Tesla deutlich unter 200 Dollar gefallen war.

Damit bleibt die Aktie weiterhin ein extrem volatiler Wert und ist nichts für schwache Nerven. Investoren fragen sich nun zu Recht, wie viel Luft nach oben noch besteht.

Bereits 2018 war Tesla zeitweise der am höchsten gehandelte US-Autohersteller gewesen, damals sogar mit einer noch höheren Bewertung. Danach gab es jedoch einige Rückschläge, und 2019 überwog lange die Skepsis der Anleger. Trotz des jüngsten Erfolgs liegen Teslas Aktien im bisherigen Jahresverlauf immer noch im Minus, während der Gesamtmarkt deutlich zugelegt hat.

Zu den Tesla-Fans gehört Mike Volpi von Index Ventures: „Sie haben sich von einem Nischenspieler zu einem echten Anbieter für den Massenmarkt gewandelt“ lobt Volpi, „das ist ein echtes Autounternehmen.“

Tatsächlich hat Tesla in den vergangenen Jahren eine beachtliche Wandlung hingelegt: Vom einstigen Hersteller von E-Sportautos für Millionäre hat sich das Unternehmen aus Kalifornien zum Hersteller von normalen Mittelklassewagen und zuletzt auch SUVs gemausert.

Daher fragen sich die Analysten allerdings, ob sie Tesla weiterhin als Wachstumswert behandeln sollen, bei dem Zukunftsvisionen mehr zählen als die tatsächlichen Verkaufszahlen oder ob das Unternehmen nicht bereits angekommen ist, unter den normalen Autokonzernen.

Bewertung von Tesla entzweit die Investoren

Der Analyst John Murphy von der Bank of America gibt zu bedenken, dass der Umsatz im dritten Quartal sogar leicht zurückgegangen und die Zahl der ausgelieferten Autos nur um zwei Prozent gestiegen sind. Das sei der „erste Rückgang in sieben Jahren für ein ‚Wachstumsunternehmen‘“. Murphy bewertet die Tesla-Aktie mit „underperform“ und nennt ein Kursziel von 235 Dollar.

„Man muss sich fragen, ob die Premiumbewertung als ‚Wachstums-‘ oder ‚Technologie‘-Einhorn wirklich gerechtfertigt ist“, schreibt Murphy.

Wie man Tesla bewerten soll, das hat die Investoren schon lange entzweit. Für viele Investoren ist die Tesla-Aktie eine Glaubensfrage. Tesla-Jünger haben den Zweiflern lange vorgeworfen, das Genie von Musk und das Potenzial des Unternehmens zu verkennen.

Grafik

Tatsächlich hat Musk zuletzt geliefert und den Zweiflern gezeigt, dass er auch profitabel produzieren kann. Dennoch fragen sich Beobachter nun, ob das allein reicht, um den extrem hohen Börsenwert zu rechtfertigen. Hinzu kommt, dass in der Zwischenzeit auch viele klassische Autokonzerne wie etwa Volkswagen auf E-Autos setzen. Damit könnte der Markt für Tesla in Zukunft schwieriger werden.

Der RBC-Analyst Joseph Spark hat das Kursziel für Tesla nach den Zahlen von 190 auf 220 US-Dollar angehoben, die Einstufung aber auf „underperform“ belassen. Kein Wachstum, aber Kostenkontrolle – das klinge ganz nach einem normalen Autobauer, gibt Spark zu bedenken. Das dritte Quartal sei zwar besser als erwartet gewesen, die positive Kursreaktion hält er aber für überzogen. „Die langfristigen Wachstumserwartungen, die in den Aktienkurs eingepreist sind, sind zu aggressiv“, schreibt er.

Der Faktor Musk

Der Analyst Ryan Brinkman von JP Morgan hat sein Kursziel wegen der Gewinne ebenfalls angehoben, rät aber dazu, die Aktie unterzugewichten. Mit 220 Dollar liegt sein Kursziel rund ein Drittel unter dem aktuellen Aktienkurs. Der US-Elektroautobauer habe positiv überrascht, schreibt der Analyst. Er sei sich aber nicht sicher, „ob dies bereits der vom Unternehmen angekündigte Durchbruch“ ist. So sei unklar, welche nicht-wiederkehrenden Erträge genau zu dem Ergebnis beigetragen hätten.

Toni Sacconaghi vom Investmenthaus Bernstein sprach ebenfalls von einem “guten Quartal”. Aber er sieht „beunruhigende Ähnlichkeiten“ zum gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Auch 2018 hatte Tesla sensationelle Ergebnisse im dritten Quartal vorgelegt. Aber dann gab es Gegenwind von vielen Seiten und der Kurs sauste wieder nach unten. Sacconaghi warnt vor einer neuen Nachfrageflaute im ersten Quartal. Außerdem könnten die Kosten für die neue Batteriefabrik in Schanghai und für die Produktion des SUV Model Y die Ergebnisse schmälern, mahnt er. Dennoch gehört er mit einem Kursziel von 325 mit Abstand zu den Optimisten.

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Auch Emmanuel Rosner, Analyst bei der Deutschen Bank, mahnt, dass die Fabrik in China und die Produktion der SUVs zwar großes Potenzial haben, aber zunächst auch die Risiken bei der Umsetzung mit sich bringen. Er hat das Kursziel von Tesla um 15 Dollar auf 260 Dollar erhöht.

Einer der wichtigsten Faktoren, die den Aktienkurs beeinflussen, ist Elon Musk selbst. Das hat der umtriebige Unternehmenschef immer wieder bewiesen. Mal beleidigt er Analysten als Dummköpfe oder legt sich mit kritischen Journalisten an. Mal bewegt er mit seinen Tweets über die Produktion oder seinen Marihuanakonsum die Kurse. Im August 2018 hatte er auf Twitter sogar seinen Abschied von der Börse angekündigt und gleich auch noch einen Rückkaufpreis für die Aktien von 420 Dollar genannt. Musk behauptete damals, dass die Finanzierung dafür stünde und ließ den Aktienkurs steil nach oben schnellen. Später kam heraus, dass die angebliche Finanzierung der Saudis noch gar nicht stand, und die US-Börsenaufsicht ermittelte wegen Marktmanipulation.

Einigung mit Walmart

Auch beim Twittern soll sich Musk stärker zurückhalten. Das hat er bisher nicht immer befolgt. Aber Anfang November setzte er einen Tweet ab, den man als möglichen Abschied von dem Kurznachrichtendienst werten könnte: „Not sure about good of twitter“, twitterte er am 1. November. Seitdem ist es auf dem Kanal ruhig.

Auch an einer anderen, autofernen Front ist nun wieder Ruhe eingekehrt: Der US-Einzelhandelsriese Walmart und Tesla haben ihren Rechtsstreit wegen brennender Solaranlagen beigelegt.

Tesla hatte 2016 den Solaranlagenhersteller Solarcity übernommen. Solarcity hat unter anderem 240 Supermärkte von Walmart mit Solardächern ausgerüstet und war für deren Wartung zuständig. Einige dieser Dächer hatten jedoch nach Jahren der Vernachlässigung Feuer gefangen und daraufhin hat Walmart Tesla verklagt. Wie teuer die Beilegung des Rechtsstreit war, wurde nicht bekannt.

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