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17.02.2019

13:50

Insiderbarometer

Wirecard-Vorstände kaufen nach Kurssturz – Auch Daimler-Aufseher greifen zu

Von: Andrea Cünnen

Kurseinbrüche beim Zahlungsdienstleister halten Vorstände nicht von Insiderkäufen ab. Bei Daimler investieren Aufsichtsräte trotz verhaltener Bilanz.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard wehrt sich gegen den Verdacht, in seiner Niederlassung in Singapur habe es Scheingeschäfte gegeben. Reuters

Wirecard

Der Zahlungsdienstleister Wirecard wehrt sich gegen den Verdacht, in seiner Niederlassung in Singapur habe es Scheingeschäfte gegeben.

FrankfurtUm die 35 Käufe von Vorständen und Aufsichtsräten melden Deutschlands Unternehmen im Schnitt jede Woche an die Finanzaufsicht Bafin. Zwei Transaktionen zogen dabei zuletzt auffallend große Aufmerksamkeit auf sich: Bei Wirecard kauften Vorstände Aktien nach dem dramatischen Kurssturz.

Jan Marsalek, Vorstand für die Organisation, und Finanzvorstand Alexander von Knoop kauften am 7. Februar Wirecard-Aktien für zusammen gut 220.000 Euro. Damals war der Aktienkurs des Zahlungsdienstleisters im Vergleich zu Ende Januar schon um ein Drittel eingebrochen. Die Vorstände zahlten für die Aktien zwischen 110 und 111,80 Euro.

Kurze Zeit später stürzte die Aktie des erst im vergangenen September in den Dax aufgestiegenen Konzerns sogar auf bis zu 86 Euro ab. Zum Börsenschluss am Freitag kostete sie 99,90 Euro.

Auslöser für die beispiellosen Verluste bei einem Dax-Wert in so kurzer Zeit waren drei Berichte der britischen Zeitung „Financial Times“ über angebliche Scheingeschäfte mit gefälschten Dokumenten und Konten, Betrug und Geldwäsche einer Wirecard-Dependance in Singapur in den Jahren 2015 bis 2018. Wirecard dementierte heftig und lässt das Ganze von einer Wirtschaftskanzlei erneut prüfen.

Marsalek und von Knoop gehören nicht zu den häufigen Käufern von Wirecard-Aktien. Ganz anders Wirecard-Chef Markus Braun. Er hat über seine MB Beteiligungsgesellschaft so viele Wirecard-Aktien gekauft, dass er mit 7,05 Prozent der größte Aktionär des Unternehmens ist. Über die Käufe ist er zum Milliardär geworden.

Selbst jetzt noch liegt der Kurs der Wirecard-Aktie dreimal höher als vor fünf Jahren. Zwischenzeitlich war die Aktie aber immer wieder einmal wegen – niemals bestätigter – Vorwürfe der Bilanzmanipulation und Kontenfälschung eingebrochen. Selbst jetzt noch liegt der Kurs der Wirecard-Aktie dreimal höher als vor fünf Jahren. Zwischenzeitlich war die Aktie aber immer wieder einmal wegen – niemals bestätigter – Vorwürfe der Bilanzmanipulation und Kontenfälschung eingebrochen.

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Interessant in dem Zusammenhang: Der Verursacher des Kursbebens vor rund drei Jahren, Fraser Perring vom Researchdienst Zatarra Research, der damals in einer Studie für die Wirecard-Aktie ein Kursziel von Null angesetzt hatte, äußerte sich zu den aktuellen Vorfällen gegenüber dem Magazin „Spiegel“: Er stecke nicht hinter den aktuellen Berichten der „Financial Times“ und profitiere nicht finanziell von deren Berichterstattung oder deren Folgen, erklärte Perring. Zudem werde er gern die Behörden in Singapur unterstützen, wenn er zur Aufklärung beitragen könne.

Gegen Perring beantragte die Staatsanwaltschaft München einen Strafbefehl wegen Marktmanipulation, der in diesem Jahr mündlich verhandelt werden soll.

Zuletzt erwarb Braun im November Wirecard-Aktien für über eine Million Euro. Davor hatte er im Februar Aktien für knapp 4,6 Millionen Euro gekauft und damit bis Ende 2018 einen Gewinn von fast 2,3 Millionen Euro gemacht. Die Analysten bei Banken haben ihre Urteile zu Wirecard nicht geändert. Immer noch rät der überwiegende Teil der Banken zum Kauf.

Auch die Experten von Commerzbank Wealth Management, die wohlhabende Privatkunden betreuen, sind überzeugt von den „hohen Wachstumschancen“ des Unternehmens. Dennoch bleibt man vorsichtig: Bis zu einer endgültigen Klärung des Sachverhalts sei unvermindert von starken Schwankungen der Aktie auszugehen. Beim Kauf der Aktie sei von daher „ein sehr hohes Risiko mit einzukalkulieren“.

RWE an dritter Stelle

Einen im Vergleich zu Wirecard kaum wahrnehmbaren Rücksetzer gab es am 6. Februar bei Daimler. Die Aktie fiel um bis zu 3,4 Prozent, nachdem der Autobauer für 2019 ein um 30 Prozent gesunkenes Konzernergebnis von 7,6 Milliarden Euro ausgewiesen hatte. Einen Tag später kauften zehn der 20 Aufsichtsräte bei Daimler Aktien für zusammen gut 340.000 Euro.

Die Aufseher haben sich 2017 dazu verpflichtet, 20 Prozent ihrer Brutto-Jahresvergütung in Daimler-Aktien zu investieren. Im vergangenen Jahr gab es Mitte Februar Käufe von vielen Daimler-Aufsichtsräten in ähnlichem Umfang.

Bei RWE, wo die drittgrößten Insiderkäufe der vergangenen drei Wochen zu beobachten waren, haben die Aufsichtsräte schon lange vereinbart, sogar ein Viertel ihrer Vergütung in RWE-Aktien anzulegen. Seit Jahresbeginn haben inzwischen acht RWE-Aufsichtsräte Aktien des Versorgers gekauft. Noch auffälliger als die Insiderkäufe der vergangenen beiden Wochen ist für Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management, indes die Tatsache, dass es kaum Verkäufe gab.

Auffällig ist, dass es zuletzt kaum Verkäufe bei Führungskräften deutscher Unternehmen gab. Olaf Stotz, Frankfurt School of Finance & Management

„Das passt nicht in das Bild der allgemeinen Verunsicherung“, sagt Stotz, der aus den Transaktionen der Führungskräfte gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management alle zwei Wochen das Insiderbarometer für das Handelsblatt berechnet.
Mehr als die Hälfte der institutionellen Investoren, die zuletzt der Vermögensverwalter Blackrock befragt hat, wollen den Anteil an Aktien in ihren Portfolios nach dem guten Jahresstart an den Börsen reduzieren und begründen das mit Zweifeln am weiteren Wirtschaftsaufschwung. Die Insider dagegen sind laut Stotz „in gewisser Weise gutgläubig“.

Vorstände und Aufsichtsräte bei deutschen börsennotierten Unternehmen gingen wohl davon aus, dass Risiken, die die Wirtschaft bedrohen, wie zum Beispiel der Handelsstreit und der Brexit sich eher noch zum Positiven wenden. Das Insiderbarometer notiert entsprechend weiter auf dem hohen Niveau von 157 Punkten.

Auf rasch weiter steigende Aktienkurse deutet das laut Stotz aber nicht hin. Dafür sieht er bei den Käufen zu wenig Überzeugung in der Breite.

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