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02.07.2019

19:05

Kapitalmarkt

Der Bier-Börsengang von Anheuser-Busch könnte Startschuss für weitere IPOs sein

Von: Robert Landgraf

Der US-Brauereikonzern will zehn Milliarden Dollar für die Aktienemission der Asientochter Budweiser APAC kassieren. Es wäre der größte Börsengang 2019.

Die Asiensparte geht erstmal nicht an die Börse. STEPHEN SHAVER/BLOOMBERG NEWS

Tsingtao-Bier

Die Asiensparte geht erstmal nicht an die Börse.

Frankfurt Der US-Brauereikonzern Anheuser-Busch treibt den Börsengang seines Asiengeschäfts voran. Der hochverschuldete Konzern mit Marken wie Budweiser, Corona oder Stella Artois könnte über die Notiz an der Hongkonger Börse bis zu 9,8 Milliarden US-Dollar einnehmen, berichten Medien, die die Börsenunterlagen einsehen konnten.

Das wäre der bisher größte Börsengang, auch IPO genannt, eines Nahrungsmittel- und Getränkeunternehmens weltweit. Vom Handelsstreit zwischen den USA und China lässt sich das Unternehmen bei seinen Plänen offenbar nicht ausbremsen. Die Aktienneuemission der Budweiser Brewing Company APAC wäre die größte in diesem Jahr.

Der Börsengang überträfe damit den des Fahrdienstvermittlers Uber im Mai mit einem Volumen von 8,1 Milliarden Dollar. Andere große IPOs schafften der US-Laborzulieferer Avantor mit 3,3 Milliarden Dollar und der Uber-Konkurrent Lyft mit 2,6 Milliarden Dollar.

In Deutschland ragte die Lkw-Tochter von Volkswagen, Traton, heraus, die mit 1,55 Milliarden Euro laut dem Berater EY den bislang fünftgrößten Börsengang des Jahres weltweit erreicht. Insgesamt kam es global im ersten Halbjahr zu 507 Emissionen über insgesamt 71,9 Milliarden Dollar, wie EY errechnet.

Alles durcheinanderwirbeln könnte der neue Anlauf für eine Börsennotiz durch den Ölgiganten Aramco. Saudi-Arabien starte erneut Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Im vergangenen Jahr waren die Pläne des Wüstenstaats nach zweijähriger Zusammenarbeit mit den begleitenden Banken auf Eis gelegt worden.

Nun hat Aramco als profitabelstes Unternehmen der Welt kürzlich erneut Gespräche mit den Instituten wieder aufgenommen. Allerdings gibt es Hindernisse wie die angestrebte Bewertung von zwei Billionen Dollar für das Unternehmen, die als schwer zu erreichen gilt.

Von der Anheuser-Asientochter werden in Hongkong insgesamt 1,63 Milliarden Aktien in einer Preisspanne von 40 bis 47 Hongkong-Dollar (umgerechnet zwischen 4,52 und 5,32 Euro) angeboten. Der Marktwert beträgt damit in der Spitze umgerechnet rund 64 Milliarden US-Dollar, von denen rund 15 Prozent an der Börse platziert werden sollen.

Die Marktkapitalisierung könnte sogar noch um 11,2 Milliarden Dollar steigen. Budweiser APAC hat sich die Option einräumen lassen, bei hoher Nachfrage weitere 15 Prozent der Aktien bei Anlegern zu platzieren, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Erster Handelstag soll der 19. Juli sein.

Die Marktbewertung liegt innerhalb der Erwartungen von Analysten, die mit 40 bis 70 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Lars Lusebrink von der Bayerischen Landesbank (BayernLB) hält eine Bewertung von rund 45 Milliarden Dollar für gerechtfertigt. „Das geplante Listing eines Minderheitsanteils der Asien-Pazifik-Tochter und den dadurch erzielbaren Emissionserlös werten wir insbesondere mit Blick auf die Reduzierung der hohen Verschuldung von Anheuser-Busch positiv“, betont Lusebrink.

Ende 2018 betrug die Verschuldung 102,7 Milliarden Dollar. Der Schuldenberg des Konzerns geht auf die über 100 Milliarden Dollar schwere Übernahme des größten Rivalen SAB Miller aus dem Jahr 2016 zurück.

Kursplus für Konzernaktie

Die in Brüssel notierten Aktien von Anheuser-Busch reagierten auf die Nachricht und legten bis zum Nachmittag um 1,1 Prozent auf gut 79 Euro zu. Seit Jahresbeginn ist die Aktie des Konzerns um satte 35,7 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex verbesserte sich im gleichen Zeitraum um 18,6 Prozent.

Anheuser-Busch hatte bereits Anfang Mai Überlegungen über einen bevorstehenden Börsengang der Asien-Pazifik-Tochter bestätigt. Eine Börsennotiz könnte dazu beitragen, in der Wachstumsregion Asien-Pazifik einen Champion zu schaffen, sagte Finanzchef Felipe Dutra.

Betuchte Konsumenten greifen etwa in China verstärkt zu Bierprodukten, die höhere Gewinnmargen liefern. Die Region wird immer wichtiger, da das Biergeschäft insgesamt stagniert. Analyst Nico von Stackelberg von der Investmentbank Liberum meint, das Unternehmen schaffe durch die Emission die Grundlage für die Übernahme asiatischer Brauereien wie Thai Bev.

Die Privatbank Berenberg hat das Kursziel für Anheuser-Busch Inbev Mitte Juni von 90 auf 103 Euro angehoben und die Einstufung auf „buy“ belassen. Die Aktien litten weiter unter der Verschuldung des Brauereikonzerns, was sich aber durch die angekündigte Dividendenkürzung und den Börsengang des Asien-Pazifik-Geschäfts ändern dürfte, meint Analyst Javier Gonzalez Lastra.

Ebenfalls positiv bewertet er die Kooperation mit der Handelskette Oxxo in Mexiko. Die Aktie dürfte ihre Bewertungslücke zu anderen Wettbewerbern nach und nach schließen. Zu den stärksten Wettbewerbern in der Region zählt Heineken. Der Konzern arbeitet in einem Gemeinschaftsunternehmen mit China Resources zusammen.

Grafik

Budweiser APAC erzielte laut BayernLB 2018 einen Umsatz von 8,48 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von 8,5 Prozent gegenüber 2017 entspricht. Der Anteil am Konzernumsatz betrug 15,5 Prozent. Der bereinigte operative Gewinn legte 2018 um 14,4 Prozent auf 3,08 Milliarden Dollar zu.

Aus China dürften im laufenden Jahr weitere Börsenimpulse kommen. Nach Ansicht von Klaus Steinbach, Partner bei EY, „warten derzeit an den chinesischen Festlandbörsen mehr als 330 Unternehmen auf eine Zulassung zum Börsengang, in Hongkong haben sich mehr als 180 Unternehmen für ein IPO registriert“.

Für Deutschland ist der Berater allerdings nur vorsichtig optimistisch. Die Börsengänge zum Quartalsende mit Traton und dem Modehändler Global Fashion Group (GFG) wertet er als positives Signal für die Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes in einem schwierigen Kapitalmarktumfeld. Doch die Erstnotiz des Onlinehändlers GFG am Dienstag verlief enttäuschend. Die Aktie fiel zeitweise um bis zu zehn Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis von 4,50 Euro. Im Ausland scheint mehr drin zu sein.

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