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29.03.2019

23:31

Kommentar

Die wahre Probe für Lyft steht noch bevor

Von: Astrid Dörner, Britta Weddeling

Der Börsengang des Uber-Konkurrenten ist solide verlaufen. Dafür gebührt den Gründern Respekt. Nun jedoch beginnt die eigentliche Arbeit.

Ein Lyft-Fahrzeug vor der Servicezentrale für Lyft-Fahrer in Los Angeles. Die Kosten des Unternehmens sind hoch, die Verluste auch. Der Weg in die Gewinnzone ist unklar. AFP

Lyft

Ein Lyft-Fahrzeug vor der Servicezentrale für Lyft-Fahrer in Los Angeles. Die Kosten des Unternehmens sind hoch, die Verluste auch. Der Weg in die Gewinnzone ist unklar.

Das Konfetti, das am Freitag zum Handelsstart von der Decke rieselte, war pink, genauso wie das Firmenlogo von Lyft. Die Gründer, Logan Green und John Zimmer haben allen Grund zu feiern. Ihr 2012 gegründeter Fahrdienstvermittler hat einen soliden Börsenstart an der US-Technologiebörse Nasdaq hingelegt. Die Lyft-Aktie schoss zum Handelsstart gut 20 Prozent in die Höhe. Mit einem Preis von 87,23 Dollar war das Unternehmen aus dem Silicon Valley 25 Milliarden Dollar an der Börse wert und sammelte 2,3 Milliarden Dollar an – Mittel, die das defizitäre Start-up gut gebrauchen kann.

Dafür verdienen die Gründer Respekt. Sie haben damit eine gute Vorlage für die anderen milliardenschweren Unternehmen aus dem Silicon Valley geliefert, die Lyft in den kommenden Monaten an die Börse folgen werden. Allen voran der große Konkurrent Uber, für den es schon im April so weit sein könnte.

Es war ein steiniger Weg bis hier hin. Und schon zum Börsenschluss am Freitag musste Lyft gut die Hälfte des Kurssprungs wieder abgeben. Die Aktie kostete noch gut 78,09 Dollar, ein Plus von knapp zehn Prozent gegenüber dem Ausgabepreis.

Die Arbeit wird ab jetzt jedoch nur noch schwieriger werden. Green und Zimmer müssen zeigen, dass ihr Unternehmen auch ohne regelmäßige Geldspritzen von gut betuchten Investoren auskommen kann, die bereit sind, für schnelles Wachstum auf Profitabilität zu verzichten. Lyft hat, genauso wie Uber, nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass das Unternehmen auf absehbare Zeit keine Gewinne erzielen wird. Das Unternehmen will „das Portfolio an Produkten ausweiten, das über Lyft zur Verfügung steht“, stellte Green am Freitag klar.

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Ob die Aktionäre damit leben können, wird sich zeigen. Bei Amazon haben sich die Anleger nicht daran gestört, dass das Internet-Kaufhaus lange Zeit keine oder nur magere Profite abwarf. Die Aktie gehört dennoch zu den großen Überfliegern der vergangenen Jahre. Bei dem sozialen Netzwerk Snap dagegen waren sie deutlich kritischer. Die Aktie, die vor zwei Jahren an die Börse ging, stieg am ersten Handelstag zwar um 44 Prozent, doch danach ging es vor allem abwärts. In diesem Jahr hat sie sich zwar etwas erholt, liegt jedoch immer noch deutlich unter dem Ausgabepreis von 17 Dollar. Auch Facebook hatte nach dem Börsengang 2012 zunächst eine schwierige Zeit, bis das neue Geschäftsmodell Wirkung zeigte.

Der New Yorker Marketingprofessor Scott Galloway erwartet, dass der Hype um Lyft zwölf Monate nach dem Börsengang abebbt. Die Plattform besitze zwar hohe Wachstumsmöglichkeiten, aber nicht die Netzwerke-Effekte der Milliardenfirmen Netflix, Facebook, Microsoft, Wechat oder Instagram, wo jeder neue Nutzer mehrere weitere Freunde auf die Plattform ziehe.

Zudem wird sich Lyft weiter mit Uber einen Kampf um Preise und Marktanteile liefern. Wie hoch die Nachfrage nach den Fahrdiensten wäre, wenn nicht jede Fahrt subventioniert würde, ist unklar. Lyfts durchschnittliche Kosten pro Fahrt beliefen sich im vierten Quartal auf 5,27 Dollar. Der Umsatz jedoch nur auf 3,75 Dollar. Investoren vertrauen darauf, dass die hohen Versicherungskosten für Lyft sinken werden, wenn das Unternehmen weiter wächst.

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Die Fahrer, die als Freiberufler für Lyft arbeiten und sich selbst um Krankenversicherung und Altersvorsorge kümmern müssen, drängen jedoch schon lange auf eine bessere Bezahlung. In einer Email an seine Nutzer bedankte sich Lyft zwar ausdrücklich bei den Fahrern. Jedoch nur mit Worten, nicht mit Aktien. Logan und Greene sind am Freitag dagegen zu Multimillionären geworden. Greens Anteil war nach Börsenschluss 656 Millionen Dollar wert, Zimmers 452 Millionen Dollar.

All das sind Probleme, die lösbar sind und die Unternehmen vor ihnen auch schon überwunden haben. Jetzt, wo der Trubel um den Börsengang vorbei ist, muss sich das Unternehmen schleunigst darum kümmern.

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