MenüZurück
Wird geladen.

14.06.2019

09:25

Nutzfahrzeugtochter

VW strebt bei Börsengang von Traton eine Bewertung von bis zu 16,5 Milliarden Euro an

Von: Stefan Menzel

Ende Juni will VW mit Traton an die Börse. Dieser Schritt dient als Beispiel für den neuen Weg. Nun gab der Konzern weitere Details zum IPO bekannt.

Am 28. Juni will VW die Nutzfahrzeugtochter an die Börse bringen. Reuters

Traton

Am 28. Juni will VW die Nutzfahrzeugtochter an die Börse bringen.

Wolfsburg, München Der Volkswagen-Konzern (VW) will die Tochtergesellschaft Traton am 28. Juni an die Börse bringen. Bei dem Börsengang peilt VW für die Lkw-Sparte eine Gesamtbewertung von 13,5 Milliarden Euro bis 16,5 Milliarden Euro an, teilte der Konzern in der Nacht zum Freitag mit.

Zunächst sollen 10 bis 11,5 Prozent von Traton in den Streubesitz wandern. So würde VW zwischen 1,55 und 1,9 Milliarden Euro mit dem IPO einspielen. Pro Aktie wurde die Preisspanne mit 27 bis 33 Euro festgelegt. Die Angebotsfrist soll am 27. Juni enden. Als erster Handelstag ist der 28. Juni vorgesehen.

„Der Börsengang hat das klare Ziel, Mehrwert für unsere Stakeholder zu schaffen“, erklärte Volkswagen-Finanzvorstand Frank Witter. Für Traton bedeutet der Börsengang nach den Worten von Konzernchef Herbert Diess größere unternehmerische Flexibilität und einen eigenen Zugang zu den Kapitalmärkten auf dem Weg zum „Global Champion“.

Für den Konzern sei der Börsengang ein erster, sichtbarer Schritt hin zur Fokussierung auf das automobile Kerngeschäft. Gleichzeitig schaffe man die Möglichkeit, die ressourcenintensive Wachstumsstrategie der Nutzfahrzeuge zu finanzieren. Diess zielte damit auf die mögliche komplette Übernahme des US-Konkurrenten Navistar ab. Traton hatte 2018 einen operativen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro und einen Umsatz von 25,9 Milliarden Euro ausgewiesen.

Nun erklärte Volkswagen, bei dem Börsengang würden zunächst 50 Millionen Aktien angeboten. Möglich sei zudem eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von weiteren 7,5 Millionen Papieren. Mit dem Greenshoe würde Volkswagen das maximale Volumen von 1,9 Milliarden Euro einnehmen.

IPO fällt kleiner aus als gedacht

Eigentlich hatte Volkswagen die Sparte schon vor Ostern an die Börse bringen wollen. Das Vorhaben wurde aber mit Verweis auf ein schwaches Marktumfeld aufgeschoben. Ursprünglich war angedacht, bis zu 25 Prozent der Anteile zu platziert, beim Erlös hatte Traton auf bis zu sechs Milliarden Euro gehofft.

Investmentbanker hatten dieses Ziel aber als zu ehrgeizig bezeichnet. Der Lkw- und Bus-Hersteller hat nach früheren Angaben keinen akuten Kapitalbedarf, will sich mit dem Börsengang aber die Möglichkeit schaffen, Übernahmen ohne den Wolfsburger Mutterkonzern zu finanzieren.

Der jetzt verkündete Börsengang von Traton dürfte nicht das letzte Mal sein, dass der Wolfsburger Autokonzern Anteile an seiner Lkw-Sparte zum Verkauf über die Börse anbietet. In Zukunft dürften noch in weiteren Schritten Traton-Aktien abgegeben werden, hieß es dazu aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen.

Auf absehbare Zeit dürfte es aber dabei bleiben, dass Volkswagen klarer Mehrheitsgesellschafter von Traton ist. VW werde nicht mehr als 25 Prozent abgeben, verlautete ergänzend dazu. Der erwartete Erlös aus dem ersten Börsengang von jetzt gut 1,5 Milliarden Euro solle zunächst an den Volkswagen-Konzern und nicht an Traton gehen. Das Unternehmen äußerte sich nicht dazu.

Für Traton ist es nach Angaben aus den informierten Kreisen am wichtigsten, künftig als eigenständiges Unternehmen mit Investment-Grad agieren zu können. „Die Traton-Aktien werden damit zu einer Währung, zu einem Türöffner für mehr“, hieß es in den Kreisen.

Mit den Traton-Papieren könnte beispielsweise auch die Übernahme eines anderen Lkw-Herstellers finanziert werden. Über eine Navistar-Übernahme wird schon länger spekuliert. Schon jetzt hält die Lkw-Sparte von Volkswagen 17 Prozent der Anteile des amerikanischen Konkurrenten. Volkswagen und Traton gestehen selbst ein, dass die eigene Marktposition bei Lkw in den USA ausgebaut werden müsse.

Traton ist aus Investorensicht interessant, weil die beiden eigenen Lkw-Marken Scania und MAN ihre Zusammenarbeit künftig erst noch intensivieren werden. In drei bis vier Jahren versprechen sich Volkswagen und Traton jährliche Synergien von etwa 700 Millionen Euro, weil beide Lkw-Marken dann gleiche Antriebsstränge verwenden können.

VW feilt weiter an der Strategie

Volkswagen sieht Traton auch als Beispiel dafür, dass der Wolfsburger Autohersteller künftig noch weitere Randbereiche in die Selbstständigkeit entlässt. Der Dieselskandal und die gewaltigen Milliardeninvestitionen in die Digitalisierung und die Elektromobilität hätten den Verantwortlichen in Wolfsburg klargemacht, dass der Konzern nicht für alle Töchter die nötigen Investitionsmittel aufbringen könne, hieß es in den Kreisen. Traton werde dazu nach dem Börsengang alleine in der Lage sein.

Die Maschinenbautochter Renk und der Turbinen- und Motorenhersteller MAN Energy Solutions gehören zu den Randbereichen, für die Volkswagen ein größeres Maß an Selbstständigkeit signalisiert hatte. Dabei geht es allerdings weniger um einen Börsengang, sondern möglicherweise um komplette Verkäufe.

Entscheidungen dazu will Volkswagen nicht unter Zeitdruck treffen, „aber auf die lange Bank soll das auch nicht geschoben werden“, wie zu hören war. Vor zwei Jahren wollte Volkswagen schon einmal die Motorradtochter Ducati verkaufen, hatte aber später von dem Plan Abstand genommen.

Der Verkaufsprozess für Renk soll nach den Sommerferien mit Hilfe der Investmentbank Citi gestartet werden, hieß es dazu in der vergangen Woche aus Branchenkreisen. Renk gehört zu 76 Prozent dem VW-Mehrheitseigentümer Porsche SE, die restlichen Anteile sind im Streubesitz. An der Börse ist Renk etwa 700 Millionen Euro wert.

Beim Verkauf könnte das Unternehmen inklusive Schulden mit rund 800 Millionen Euro bewertet werden. 2018 erwirtschaftete Renk mit seinen weltweit mehr als 2200 Mitarbeitern bei einen Umsatz von 502 Millionen Euro einen Vorsteuergewinn von 62 Millionen Euro.

VW-Konzernchef Herbert Diess hatte erst am Donnerstag wieder betont, dass sich Volkswagen von Randaktivitäten trennen könne. „Wir überprüfen systematisch, ob wir wirklich noch der beste Eigentümer für die verschiedenen Geschäfte sind“, sagte er bei einer VW-internen Managementveranstaltung.

Mit Agenturmaterial von dpa und Reuters.

Mehr: VW ringt sich zur Aktien-Neuemission seiner Lastwagentochter Traton durch. Das IPO könnte das größte in diesem Jahr in Deutschland werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×