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10.08.2018

00:49 Uhr

Planspiele für Börsen-Aus

Nach den Tweets drohen Elon Musk die Klagen – Tesla-Aktie büßt kräftig ein

VonAndrea Cünnen, Astrid Dörner, Katharina Kort

Elon Musks Ankündigung, Tesla von der Börse zu nehmen, hat für viel Verwirrung gesorgt. Jetzt positionieren sich kritische Investoren. Und der Kurseffekt ist nahezu verpufft.

Tesla-Chef Elon Musk: Nach den Tweets drohen die Klagen AFP

Elon Musk

Wenn der Tesla-Chef nicht bald Details liefert, wie er den Elektroautohersteller von der Börse nehmen will, drohen ihm Klagen von Aktionären und Regulierern.

Frankfurt, New YorkDie wichtigste Information bleibt Elon Musk weiter schuldig. Nach seinen überraschenden Tweets vom Dienstag ist immer noch nicht klar, wie der Tesla-Chef das angekündigte Delisting des Elektroautobauers finanziell stemmen will. „Finanzierung gesichert“, hatte Musk am Dienstag über Twitter bekanntgegeben und damit heftige Diskussionen an der Wall Street ausgelöst.

Nach der Euphorie steigen nun die Zweifel an Musks Plan und die Sorgen vor rechtlichen Konsequenzen durch dessen Tweets. Die Aktie verlor am Donnerstag im US-Handel zeitweise an die sechs Prozent und schloss 4,8 Prozent schwächer bei gut 352 Dollar. Der Kurssprung, den Musk vor zwei Tagen mit seiner Erwägung auslöste, Tesla zum Kurs von 420 Dollar zu privatisieren, ist damit weitgehend verpufft.

Die Zeit drängt. Wenn Musk nicht bald Details liefert, wie er den Elektroautohersteller von der Börse nehmen will, drohen ihm Klagen von Aktionären und Regulierern. Die US-Börsenaufsicht SEC hat laut dem „Wall Street Journal“ bereits Informationen eingefordert, um sicherzugehen, dass Musk keine Marktmanipulation betrieben hat. Ob eine offizielle Ermittlung eingeleitet wird, sei derzeit noch unklar, hieß es.

Investoren loten derzeit ihre Optionen aus. So prüfen Aktionäre, egal, ob sie auf steigende oder fallende Tesla-Kurse setzen, ob die Basis für eine Klage besteht. Musk hatte mit seinen Tweets den Kurs von Tesla um bis zu elf Prozent nach oben schnellen lassen und damit bei vielen Investoren, die auf einen weiter abrutschenden Kurs gewettet hatten, für Verluste gesorgt.

Allein am Dienstag sollen diese sogenannten Shortseller 1,3 Milliarden Dollar verloren haben, wie aus Schätzungen des Analysehauses S3 Partners hervorgeht. Musk hat eine starke Aversion gegen diese Art von Investoren, die die Tesla-Aktie in der Vergangenheit immer wieder unter Druck gebracht haben. „Tesla ist die am meisten geshortete Aktie in der Geschichte der US-Börsen“, monierte er in einem Brief an seine Mitarbeiter.

Musk will die Tesla-Anteile zum Preis von 420 Dollar zurückkaufen und das Unternehmen von der Börse nehmen, so sein Plan. Das wäre ein Aufschlag von rund 25 Prozent auf den Kurs vom Wochenanfang.

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„Ich rechne mit sehr vielen Klagen, wenn das Unternehmen nicht bald mit Information herauskommt, wie die Finanzierung aussehen soll“, meint James Rosener, Anwalt bei der New Yorker Kanzlei Pepper Hamilton. „Ich bin überrascht, dass das noch nicht geschehen ist“, sagte er.

Entscheidend für die Erfolgsaussichten möglicher Kläger ist die Motivation hinter den Tweets. Sollte Musk die waghalsige Ankündigung nur gemacht haben, um den Kurs in die Höhe zu treiben und Shortsellern Verluste zu bescheren, könnte das den Tatbestand von Kursmanipulation oder Wertpapierbetrug erfüllen.

Folgen auch für Anleihebesitzer

Auch Aktionäre, die auf steigende Kurse setzten, hätten dann einen Grund zur Klage, sagt Rosener. Schließlich haben sie das Papier gekauft in der Erwartung, dass der Kurs auf 420 Dollar steigen wird. Zu dem Preis wäre der defizitäre Elektroautobauer mit 72 Milliarden Dollar bewertet.

Ein Rückzug von der Börse hätte auch für Anleihebesitzer weitreichende Folgen. Der Kurs der 1,8 Milliarden Dollar schweren Tesla-Anleihe war am Mittwoch nach den Musk-Tweets um bis zu anderthalb Prozent gestiegen. Das ist eigentlich erstaunlich. Schließlich verbrennt der hochverschuldete Konzern jedes Quartal Cash – und müsste bei einem Delisting wohl noch mehr Schulden machen, um zumindest einige Aktionäre auszuzahlen.

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Doch Anleiheinvestoren hoffen darauf, dass sie ihr Geld vorzeitig zurückbekommen. Eigentlich wird die vor einem Jahr platzierte Anleihe mit ihrem Zinskupon von 5,3 Prozent erst in sieben Jahren fällig und zum Kurs von 100 Prozent zurückgezahlt – wenn Tesla dann noch solvent ist.

Doch bei einem Wechsel der Mehrheitseigner bekommen die Bond-Gläubiger den Vertragsbedingungen gemäß ihr Geld vorzeitig zum Kurs von 101 Prozent zurück. Das entspräche aktuell einem Kursgewinn von mehr als zehn Prozent und ist durchaus attraktiv.

Kein gutes Zeugnis von Ratingagenturen

Allerdings müssen dafür bestimmte Bedingungen eingehalten werden: Die vereinbarte „Change of Control“-Klausel greift zum einen nur, wenn die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit von Tesla herabstufen. Schon jetzt bewertet Moody’s den Bond nur mit „Caa1“ und damit als äußerst schwach und nur wenige Stufen vor einem Zahlungsausfall entfernt.

Standard & Poor’s hält die Kreditwürdigkeit mit „B–“ auch nicht für viel besser. Noch haben sich die Ratingagenturen nicht zu den Delisting-Plänen geäußert. Außerdem muss sich die Zusammensetzung der Mehrheitseigner ändern, damit die Klausel wirksam wird. Dass es dazu kommt, ist längst nicht ausgemacht. Musk selbst hofft, dass möglichst viele Aktionäre weiter an Tesla beteiligt bleiben.

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Was mit den Anleihen passiert, ist von daher sehr unsicher. Am Bondmarkt ebbte deshalb die erste Euphorie nach den Musk-Tweets auch schnell wieder ab. Mit 91,6 Prozent notierte die Anleihe am Donnerstag nur noch leicht höher als vor den Tweets.

Durch Musks Vorstoß könnte sich auch für die Investoren einer Wandelanleihe von Tesla einiges ändern. Im März läuft das Papier aus. Wenn die Tesla-Aktie dann bei einem Kurs von knapp 360 Dollar notiert, können die Investoren wählen, ob sie in bar ausbezahlt werden oder das Papier in eine Aktie umwandeln. Für Tesla wäre die Umwandlung in Zeiten eines negativen Cashflows ein großer Vorteil.

Trotz der Kursgewinne nach den Tweets bleiben die Shortseller weiter aktiv. „Ich glaube nicht, dass Musk das Unternehmen tatsächlich von der Börse nehmen kann. Es gibt noch viele Dinge, die schiefgehen können“, meint David Kudla, Leiter des Vermögensverwalters Mainstay Capital, der davon ausgeht, dass der Kurs wieder fallen wird. Zudem drohe Konkurrenz im E-Auto-Markt von etablierten Herstellern wie Audi und BMW, die deutlich mehr Erfahrung mit Massenproduktion haben als Tesla.

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