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05.12.2018

12:47

Saxobank-Ausblick 2019

Zehn Horror-Prognosen für die Weltwirtschaft – und was davon zu halten ist

Von: Frank Wiebe

Die dänische Saxobank befeuert die miese Stimmung an den Märkten mit bewusst verrückten und gruseligen Vorhersagen für 2019. Doch komplett abwegig sind sie nicht.

Die Zombies im Freizeitpark Orlando sind harmlos im Vergleich zu den Szenarien der Saxobank. dapd

Wohliges Gruseln

Die Zombies im Freizeitpark Orlando sind harmlos im Vergleich zu den Szenarien der Saxobank.

FrankfurtEs gibt doch nichts Schöneres, als zu Hause im Warmen zu sitzen, das düstere Herbst-Wetter vor der Fensterscheibe zu genießen und sich ein bisschen zu gruseln. Deutsche Anleger, das ist belegt, gruseln sich besonders gerne. Wer nicht davon ausgeht, dass der Crash vor der Tür steht und sich das Finanzsystem unweigerlich in heiße Luft auflösen muss, gilt als unverbesserlich naiver Optimist.

Vor diesem Hintergrund kommt die Saxo-Bank, ein in Dänemark ansässiger Broker, zur rechten Zeit mit zehn unwahrscheinlichen, aber dafür umso schlimmeren Prognosen.

Einige beschäftigen sich eher mit den Rändern des globalen Finanzmarkts. So zum Beispiel die Vorhersage, Australien könnte einen Immobiliencrash mit einem geldpolitischen „QE“-Programm, also massiven Anleihekäufen, auffangen. Who cares, fragt sich da der internationale Anleger. Die Kängurus sollen doch Geld drucken, so viel sie wollen.

Die Prognose hat allerdings einen ernsten Hintergrund: Australien ist nach mehr als 20 Jahren Boom so verwöhnt, dass die wirtschaftlichen Maßstäbe buchstäblich verrückt sind. So ähnlich, wenn auch etwas anders formuliert, begründen die Dänen ihr Szenario.

Eher gewagt ist auch die Prognose, Apple könnte dem notorischen Geldverbrenner Tesla eine massive Finanzspritze verpassen. Doch auch dahinter verbirgt sich eine gewisse Logik: Apple hat zu viel Geld und zu wenig neue Ideen. Tesla ist eine coole Idee, die eine Menge Geld kostet. Laut Saxo könnte ein Bündnis der beiden US-Konzerne massiven Druck auf die Autoindustrie weltweit ausüben – wodurch die zunächst abseitige Prognose schnell ins Zentrum rücken könnte.

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Und damit wären wir bei der Vorhersage, dass Deutschland 2019 in die Rezession rutscht. Man muss das positiv sehen: Die Pessimisten könnten aufatmen, sich bestätigt fühlen, nach dem Motto: „Haben wir doch schon seit zehn Jahren vorhergesagt!“

Saxo schafft es auch hier, das Gruseln mit Argumenten zu untermauern. Die deutsche Autoindustrie sei hoffnungslos veraltet, heißt es. Nun, das hieß es auch schon mal, als die Japaner anfingen, funktionsfähige Autos zu bauen. Aber vielleicht stimmt es diesmal ja wirklich?

Und damit die Pessimisten, die schon immer alles vorab gewusst haben, vollends zu ihrem Recht kommen, verkündet Saxo für 2019, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit deutscher politischer Unterstützung alle Staatsschulden der Euro-Zone aufkauft, die über 50 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandprodukts hinausgehen.

Voilà – war das nicht eh schon klar? Wahrscheinlich wird die EZB dann Professor Hans-Werner Sinn und seinen Fans den Gefallen tun und auch noch den berüchtigten Target-2-Saldo streichen, den die Bundesbank ihr gegenüber als Forderung über fast eine Billion Euro verbucht hat. Aber nein – so weit gehen selbst die Dänen in ihrer kleinen Horror-Show nicht.

Die Saxobank hat noch mehr Gruselprognosen im Angebot. Demnach geht GE pleite, was zu dramatisch steigenden Zinsen für US-Unternehmen führt, die Netflix die Luft abschnüren. Eine linke Regierung ruiniert Großbritannien (das, was noch davon übrig ist). Sonnenflecken legen weltweit technische Systeme lahm. US-Präsident Donald Trump feuert Jay Powell, den Chef der US-Notenbank Fed.

Zwei Szenarien kann man vielleicht sogar positive Seiten abgewinnen: Der IWF hört auf, sich auf das Bruttoinlandsprodukt als wichtigste Kennziffer zu stützen; und weltweit wird eine Klimasteuer eingeführt.

Dass die Skandinavier gute Krimis schreiben, wissen wir ja schon lange. Die Saxobank-Analysten übertragen dieses Talent erfolgreich ins Sujet der Wirtschaftsprognose. Dass sie überhaupt so gut im Gruseln sind, hängt vielleicht damit zusammen, dass der skandinavische Winter noch dunkler ist als der unsrige.

Kommentare (1)

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Herr Frank Krebs

05.12.2018, 16:55 Uhr

Was kann schon Schlimmes passieren? Bisschen Rezession. Normal!

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