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15.04.2019

07:08

Uber und Lyft

Die Skepsis bei Tech-Börsengängen wächst

Von: Britta Weddeling

Fahrdienst Uber peilt eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar an der Wall Street an. Doch das schwache Debüt des Konkurrenten Lyft dämpft die Euphorie.

Uber, Lyft: Die Skepsis bei Tech-Börsengängen wächst dpa

Schriftzüge von Uber und Lyft

Das Potenzial der beiden Fahrdienstvermittler ist groß, die Absturzgefahr an der Börse auch.

San Francisco Den Bewohnern von 1455 Market Street steht ein großer Wandel bevor. Das gilt für die Mitarbeiter in der Uber-Zentrale in Downtown San Francisco ebenso wie für die Menschen in direkter Umgebung. Das große Bürogebäude des Fahrdienst-Vermittlers grenzt an die Arme-Leute-Gegend Tenderloin.

Wenn die Uber-Mitarbeiter nach dem IPO der Plattform vermutlich im November erstmals Firmenanteile verkaufen können, werden zig Neu-Millionäre Leben und Wohnen noch teurer machen, als es ohnehin schon ist.

Uber will alles in den Schatten stellen. Der aktuell mit etwa 74 Milliarden Dollar bewertete Mobilitätsanbieter peilt laut S-1-Filing eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden an. Damit könnte das Start-up selbst das bombastische Wall-Street-Debüt der Alibaba Group von 2014 übertreffen. Die Erfolgsaussichten sind gut, analysiert Holger Mueller von Constellation Research. „Die Zinsen sind niedrig, die Wirtschaft stabil“, sagt der Industriebeobachter. „Tech-Start-ups sind eine gute Anlage.“

Run auf Einhörner geht vorerst weiter

Der Run der Einhörner, wie Experten Technologiefirmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar nennen, Richtung Wall Street geht vorerst weiter – doch die große Euphorie ist vorbei. Lyft kehrte das rosa Konfetti vom Börsenstart schnell auf. Nach einem kurzen Hoch beim Start vor zwei Wochen sank der Kurs des Fahrtenvermittlers um bis zu 20 Prozent unter den Ausgabewert von 72 Dollar, obwohl der Börsengang mehrfach überzeichnet war.

Das schwache Debüt von Lyft werde sowohl den IPO von Uber als auch den des Bildernetzwerks Pinterest beeinflussen, schätzt Brian Hamilton, Gründer der Datenfirma Sageworks. Uber warnte im Schreiben an die Börsenaufsicht, angesichts steigender Kosten werde es „womöglich“ nie dazu reichen, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Anleger müssten eben auf die „langfristige Fähigkeit“ der Firma wetten, irgendwann profitabel zu sein, sagt Hamilton.

Grafik

Der Erfolg von Uber ist unbestreitbar. Der Mitfahr-Pionier revolutionierte, wie sich Menschen fortbewegen. Uber transportiert heute 91 Millionen Kunden monatlich, Lyft gerade einmal 18,6 Millionen. Doch nach wie vor betreiben beide Plattformen kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Beim Jahresergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fiel bei Uber ein Minus von 1,85 Milliarden Dollar an. Lyft verlor 950 Millionen Dollar.

Der Druck auf Uber-CEO Dara Khosrowshahi, seine Firma profitabel zu machen, werde zunehmen, wenn Uber erst einmal öffentlich gehandelt wird, prophezeit Portfolio-Manager Jordan Stuart von Federated Kaufmann. Immerhin: Das Minus verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent. Zugleich wuchs das Buchungsvolumen im Kerngeschäft mit Fahrten 2018 um 22 Prozent, jedoch schwächer als das von Lyft mit 26 Prozent.

Greg Becker, der CEO der Silicon Valley Bank, wertet die Milliardenverluste nicht zwangsläufig als negatives Zeichen. „Die Firmen können heute nur so viel Geld verlieren, weil sie so viel Geld bekommen“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Noch nie wurde so viel Geld auf privaten Märkten eingesammelt wie heute.“

Das Marktpotenzial der Tech-Firmen sei „zehn- bis 20-mal größer“ als zur Dotcom-Zeit. „Heutige Firmen wollen die komplette Industrie disrupten, Uber zum Beispiel die Mobilitätsindustrie“, sagt Becker. „Und es braucht eine Menge Geld, um das hinzubekommen.“

Unklarheiten zum Börsenstart von Uber

Wie viel Kapital Uber bei den Anlegern einsammeln will, blieb bisher ebenso unklar wie das genaue Datum des Börsengangs. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg strebt Uber-Chef Khosrowshahi einen Erlös von rund zehn Milliarden Dollar an. Den Antrag für den Start an der New Yorker Börse unter dem Symbol „UBER“ stellte der Konzern im Dezember bei der US-Börsenaufsicht SEC, zur gleichen Zeit wie Lyft.

Das Problem beider Firmen: Anleger können die Konkurrenten im neuen Ridesharing-Geschäft kaum aneinander messen, sagt Daniel Ives, Analyst bei Wedbush Securities. „Investoren haben noch nicht genug Klarheit über die wichtigsten Vergleichswerte.“ Uber gibt im Börsenantrag zum Beispiel nicht an, wie der US-Markt im Gegensatz zum Rest der Welt abschneidet, obwohl 52 Prozent der Buchungen außerhalb des Heimatmarkts stattfinden.

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Das einst skandalgeplagte Start-up steuert Richtung Börsengang. Zu verdanken hat das Unternehmen den Erfolg vor allem seinem Chef.

Der Konzern verdient an den Vermittlungsgebühren, die fällig werden, wenn ein Fahrer einen neuen Auftrag über die Onlineplattform annimmt. Doch die Plattform stellt ihr Geschäft nach und nach immer breiter auf. Uber investiert in neue Felder wie die Auslieferung von Essen (Uber Eats), Elektrofahrräder und -scooter (Jump) sowie Lkw-Frachtangebote (Uber Freight). Und übernahm Careem, einen Fahrservice aus dem Mittleren Osten, für 3,1 Milliarden Dollar.

Trotz hoher Investitionen entschleunigt sich Ubers Wachstum. Der Nettoumsatz stieg um 42 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. 2017 hatte es noch zu einem Plus von 106 Prozent gereicht. Ubers Etat wuchs 2018 um 149 Prozent auf 1,46 Milliarden Dollar, im Jahr zuvor betrug die Rate noch 470 Prozent.

Und nach wie vor völlig unklar ist, wie es mit der Entwicklung selbstfahrender Autos weitergeht. Die Uber-Einheit verlor zwischenzeitlich 20 Millionen Dollar im Monat und musste die Testfahrten auf öffentlichen Straßen nach einem tödlichen Unfall im März 2018 stoppen.

Der Börsengang soll Uber neue finanzielle Ressourcen sichern. Doch über den langfristigen Erfolg eines Geschäftsmodells sagt der Börsenstart wenig aus. Laut einer Studie von Jay R. Ritter, Cordell Professor of Finance an der Universität Florida, explodieren die Kurse von Börsen-Newcomern am ersten Handelstag, um in den folgenden drei Jahren deutlich unter Marktniveau zu performen. So war es bei Snap.

Der Facebook-Rivale startete 2017 mit Rekordwerten in den Handel, stürzte danach von Krise zu Krise und kämpft um ein Comeback. Bislang vergeblich: Laut eMarketer könnte Snapchat erstmals Nutzer verlieren. Streamingdienst Spotify startete im April 2018 mit „Direct Listing“ an der Wall Street und leidet seither auch unter großen Kursschwankungen.

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