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04.09.2018

18:13

US-Konzern

Amazons Börsenwert knackt die Billionen-Dollar-Marke

Von: Britta Weddeling

Amazon ist an der Börse nun mehr als eine Billion US-Dollar wert. Experten prognostizieren: Bis 2030 könnte Amazon zum größten Unternehmen der Welt aufsteigen.

Der Amazon-Gründer „ist mit dem Handel groß geworden, nun will er nicht davon lassen“. AP

Jeff Bezos

Der Amazon-Gründer „ist mit dem Handel groß geworden, nun will er nicht davon lassen“.

San Francisco Der US-Konzern Amazon hat am Dienstag als zweites Unternehmen nach Apple die Billionen-Dollar-Marke beim Börsenwert geknackt. Um 17.45 Uhr deutscher Zeit überschritt der Kurs des Technologieriesen die dafür notwendige Marke von 2.050 Dollar pro Aktie. Allerdings konnte er die für die Milliardenbewertung relevante Marke nur kurzzeitig behaupten, kurze Zeit später fiel der Kurs wieder unter den notwendigen Wert.

Zuvor hatte die Aktie einen regelrechten Höhenflug an der Börse hingelegt: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate stieg der Kurs des Papiers um mehr als 105 Prozent, allein innerhalb der vergangenen vier Wochen um zehn Prozent.

Amazon ist zu einem globalen Phänomen geworden, einem Imperium mit nie da gewesener Macht im Handel. Gründer Jeff Bezos steigt zum größten Einzelhändler der Welt auf. Den Onlinehandel, mit dem 1994 alles begann, dominiert er bereits. Die Firma nimmt fast 45 Cent von jedem Dollar ein, den US-Amerikaner im Online-Einzelhandel ausgeben, schätzte Slice Intelligence schon 2017, ein führender Datendienstleister aus den USA.

Der wichtigste Treiber für den Aufstieg: das boomende Geschäft mit der Cloud, dem Geschäftsbereich „Amazon Web Services“ (AWS). Er ist die Geldmaschine, die den Siegeszug aus Seattle finanziert: die hohen Investitionen in den margenschwachen Handel, den Vorstoß in die Welt der Sprachassistenten, die Gesundheitsbranche, ja sogar das Finanzgeschäft.

Im Cloud-Geschäft besitzt Amazon nach Angaben der Investmentfirma Synovus Trust einen Marktanteil von 30 Prozent, gefolgt von Microsoft mit 16 Prozent und IBM mit zwölf Prozent. Google folgt weit dahinter mit vier Prozent.

Der Amazon-Investor Dan Morgan von Synovus Trust bezeichnet AWS als das „Kronjuwel für die Investoren“. Vergangenes Quartal stiegen die Umsätze aus dem AWS-Geschäft um 48,1 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar und fielen höher aus als von Analysten erwartet.

Im zehnten Jahr seit der Vorstellung wächst die Zahl der AWS-Nutzer um zwischen 50 und 60 Prozent. Im zweiten Quartal steuerte AWS 55 Prozent von Amazons gesamtem operativem Einkommen bei und 20 Prozent der gesamten Umsätze.

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Mit Margen von 23 Prozent ist das Cloud-Geschäft Amazons einträglichste Einnahmequelle. Der Handel bringt es hingegen nur auf Margen zwischen vier bis fünf Prozent. Doch obwohl sich Bezos eigentlich komplett auf das Softwaregeschäft stürzen könnte, liegt ihm der Einzelhandel am Herzen. „Der Handel ist die DNA der Firma“, erklärt Morgan von Synovus Trust. „Bezos ist mit dem Handel groß geworden, nun will er nicht davon lassen.“

Im Gegenteil: Mit der Übernahme der Bio-Supermarktkette Whole Foods im Juni 2017 für 13,7 Milliarden Dollar dringt der Konzern dorthin vor, wo die Kunden ihre Lebensmittel kaufen. Er entwickelt neue, schicke Einkaufskonzepte wie den autonomen Supermarkt Amazon Go oder Amazon Fresh Pickup – oder erschließt neue Verkaufskanäle mithilfe smarter Lautsprecher und der Sprachassistentin Alexa.

Sie alle sollen den Kunden noch stärker zum Kauf verführen, indem sie Hürden weiter senken, den Akt des Kaufens quasi zu einer Unmerklichkeit werden lassen. Amazons „Kundenbesessenheit“, von der jeder Manager im ganzen Konzern befallen ist, zielt genau darauf ab. Der Kunde ist der König – er soll gar nicht mehr merken, dass er Kunde ist.

Mit Amazon Echo kontrolliert Bezos’ Konzern Studien zufolge zwischen 50 und 70 Prozent des Geschäfts mit smarten Lautsprechern, vor Google und Apple. John Rossman, Autor von „The Amazon Way“, rechnet nicht mit einem Ende des Booms. Ganz im Gegenteil: „Amazon könnte 2030 die größte Firma der Welt sein“, glaubt er.

Amazon wächst mit einer schier unaufhaltsamen Macht. Das Potenzial dieser Firma, die noch keine 25 Jahre alt ist, scheint gewaltig.

Kommentare (1)

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Frau Sabine Schmid

04.09.2018, 20:07 Uhr

Wir sollten nie vergessen: Eines der erfolgreichsten Unternehmen der digitalen Moderne lebt von der ärmlichsten Dienstbotenmentalität, die Charles Dickens für uns beschrieben hat - eine Weile her. Ameisenfleißige Leichtlöhner machen dieses Geschäftsmodell erst möglich. Sie tragen Dinge im Lager in die Auslieferungspakete, sie fahren diese Sendungen direkt zum Kunden. Sonst würde das Geschäftsmodell nicht klappen. Das zeigt uns, dass die coole Disruption unserer Tage nur mit althergebrachtem, physisch fordernden Dienstboteneinsatz ohne adäquate Honorierung und Alterssicherung möglich ist. So buchstabiert sich unternehmerischer Erfolg unserer Tage zu gewichtigen Teilen. Was, links? Ja, nein, das muss man noch nicht sein, um solche Dinge einfach zu erkennen.

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