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10.07.2019

00:00

Analysten-Award

Das sind die besten Broker für deutsche Aktien

Von: Robert Landgraf

Die Analysten der Commerzbank gaben im vergangenen Jahr die besten Empfehlungen ab, dicht gefolgt von Kepler Cheuvreux und Warburg Research.

Die Bären stehen symbolisch für sinkende Kurse, die Bullen befördern sie nach oben. mauritius images / Ikon Images

Bulle und Bär

Die Bären stehen symbolisch für sinkende Kurse, die Bullen befördern sie nach oben.

Frankfurt Ende Juni war es so weit. An zwei Tagen präsentierten sich im Hamburger Luxushotel The Fontenay bei den „Warburg Highlights“ 35 deutsche Unternehmen Investoren aus aller Welt. Während etwa Finanzchef André Driesen von 1 & 1 Drillisch und der Vorstandschef der Indus Holding, Johannes Schmidt, Einzelgespräche mit Fondsmanagern bevorzugten, präsentierten sich Vorstände von Hypoport und Fielmann dem breiten Profi-Anlegerpublikum.

Die Bank M. M. Warburg profitiert vom guten Ruf ihrer Analysten und schafft es, Firmen und Investoren zusammenzubringen. „Research ist für die Firmen wichtig, um mit dem Kapitalmarkt zu kommunizieren und ihn bei Bedarf etwa über eine Kapitalerhöhung nutzen zu können“, sagt Matthias Rode, der das Aktiengeschäft bei M. M. Warburg leitet.

Durch die Qualität ihrer Empfehlungen gehören die Analysten des Hamburger Bankhauses zu den besten Aktienspezialisten bei den renommierten „Refinitiv Starmine Awards 2019“ für deutsche Aktien, die jedes Jahr vergeben werden. Das Haus mit den meisten Trophäen ist zugleich der „beste Broker“. Während Warburg als letztjähriger Gewinner der Trophäe in diesem Jahr zusammen mit Kepler Cheuvreux mit jeweils acht Auszeichnungen für ihre Analysten auf Platz zwei liegt, steht das Commerzbank Research an der Spitze.

Die Commerzbank war zwar in den vergangenen Jahren regelmäßig in der Spitzengruppe der besten Brokerhäuser zu finden, doch diesmal hat die Bank es mit insgesamt neun Auszeichnungen für ihre Analysten ganz nach oben geschafft. Vergangenes Jahr teilte sich die Commerzbank Platz zwei mit drei Konkurrenten. Im laufenden Jahr wird es nicht einfach, den Titel als Broker des Jahres zu halten.

Als Qualitätsbeweis gilt es, regelmäßig in der Spitzengruppe aufzutauchen. Starmine, eine Tochter des Informationsdienstes Refinitiv, vormals Thomson Reuters, beurteilt die Qualität der Analysten, indem sie die Güte der Aktienempfehlungen und die Genauigkeit der Gewinnschätzungen misst. Für den Analysten Award 2019 wurde die Leistung von insgesamt 229 Analysten aus 41 Wertpapierhäusern bewertet, die insgesamt 631 deutsche Aktien beobachten.

Die Börse selbst bleibt für die Analysten schwierig: „Die Märkte bleiben volatil und werden sich seitwärts bewegen“, sagt Christoph Dolleschal, stellvertretender Leiter Research bei der Commerzbank. Politische Börsen seien von fundamentaler Seite her schlechter berechenbar. Umso wichtiger ist die Hilfestellung, die die Researchhäuser auch Privatanlegern bieten können.

Allerdings ist zu beachten: „Gerade die langfristige Erfolgsquote und Zielsicherheit der Analysten ist zentral für die Bewertung, ob man überhaupt einer Meinung folgen sollte oder nicht“, betont Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Anlegerschützer bei der DSW. Für besonders wichtig hält der Experte es, die „tieferen Zwiebelschichten“ abzuschälen und zu schauen, warum ein Analyst so treffsicher agiert. Je mehr die Anleger das System eines Analysten verstehen, desto besser könnten sie die Entscheidungen selbst nachvollziehen und im besten Fall sogar vorwegnehmen.

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Als Namen, die immer wieder unter den Siegern auftauchen, nennt David Austin, der weltweit die Analystenarbeit bei Refinitiv verantwortet, etwa Heike Pauls vom Commerzbank Research und Christian Cohrs vom Warburg Research. Sie sind sogenannte Stockpicker, geben also Einzelempfehlungen ab.

Anlegerschützer Tüngler rät, die Tipp-Qualität über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ gelte eben auch für Analysten. Entscheidend sei, dass das Analysesystem gut funktioniere und dies auch langfristig unter Beweis gestellt werde.

Dass es sich lohnen kann, dem Rat der besten Aktienanalysten zu folgen, zeigte sich im vergangenen Jahr aufs Neue. Ellis Acklin von First Berlin als Sieger lag bei den Aktienempfehlungen mit seinen Tipps um 24 Prozent besser als das Vergleichsportfolio. Unter einzelnen Werten empfahl er etwa das Papier des Immobilienunternehmens CR Capital Real Estate und erzielte damit einen Gewinn von fast 70 Prozent.

Auch der Kauf-Tipp von Alexander Hauenstein von der DZ Bank lohnte sich: Wer der Empfehlung im Frühjahr vergangenen Jahres folgte, lag zum Jahresende mit gut 45 Prozent im Plus mit MTU Aero Engines, einem Triebwerkshersteller. Mit dem Tipp des Analysten Guido Hoymann von Metzler Capital Markets, Aktien des Energieunternehmens Innogy zu erwerben, konnten Investoren einen satten Kursgewinn von fast 26 Prozent machen.

Bei den Anlage-Urteilen der Analysten fällt auf, dass es häufig die Einschätzung „hold“ oder „neutral“ gibt, wie David Austin von Refinitiv feststellt. Matthias Rode von Warburg sieht dieses Analyseurteil in den Researcharbeiten der vergangenen zehn Jahre ebenfalls häufiger. Er wertet das aber nicht als Versuch, sich vor einer Meinung zu drücken und deshalb nicht festzulegen. Investoren wüssten sehr wohl, wie sie das Urteil anhand der Analyse einschätzen müssten.

„Nur drei bis fünf Häuser werden überleben“

Doch nicht nur die häufig neutrale Haltung sorgt für Diskussionsstoff. Für bestimmte Branchen wie Unterhaltung, Versicherungen und IT-Ausrüstung konnte gar kein Analyst als Gewinner festgestellt werden. Refinitiv-Mann Austin begründet das mit der geringen Zahl von Experten, die diese Branchen bearbeiten, und den zu schlechten Ergebnissen.

Hier spiegelt sich nach der Einschätzung von Experten die als „Mifid II“ bekannte schärfere Regulierung seit Anfang vergangenen Jahres wider. Sie sorgt dafür, dass Research einzeln bezahlt werden muss und keine Vergütung mehr über die Umsatzprovisionen möglich ist. „Die neuen Regeln sind eine Herausforderung für die gesamte Industrie, weil sich die Bezahlungsstruktur ändert und Budgets reduziert werden.

Zudem setzt der verstärkte Einsatz von börsennotierten Indexfonds die Branche unter Druck“, erklärt Oliver Reinberg, der das Deutschland-Research bei Kepler Cheuvreux leitet. Er geht wie die Konkurrenz von einer verschärften Konsolidierung in der Branche aus.

Einzelne Häuser werden ausscheiden. Von den derzeit über zehn Deutschland-Brokern werden „auf Sicht von drei Jahren nur drei bis fünf überleben“, glaubt Dolleschal von der Commerzbank. So mancher Analyst werde sich in Richtung Investor-Relations oder in einen anderen Bereich verändern müssen, sagt er.

Seit dem Start der Aufsichtsregeln bis Ende des Jahres werden nach seiner Ansicht die Budgets der Investoren etwa 30 Prozent eingebüßt haben. Durch die Konsolidierung bestünden gute Chancen, dass auf Dauer Research besser als heute bezahlt werde, hofft Rode von Warburg. Noch aber ist es nicht so weit.

Die Commerzbank als der Sieger von 2019 will als einer der Gewinner aus der Konsolidierung hervorgehen und „das erste Haus für deutsche Aktien sein“, wie Dolleschal betont. 25 Analysten decken bei den Frankfurtern auch kleine und mittelgroße Unternehmen ab. Bei Warburg sind es 22 Analysten, und bei Kepler Cheuvreux arbeiten 16.

Im Durchschnitt beobachten die Analysten der Commerzbank nach den Worten von Dolleschal acht bis zehn Werte. Um dem Kostendruck auszuweichen, bieten immer mehr Häuser Mandate für Analysen an, die von den Unternehmen selbst bezahlt werden müssen. Bei Warburg sind es rund 60 Analysemandate für Aktien. Bei Kepler wurde die Zahl der Analysten erhöht, „um der verstärkten Nachfrage nach Paid Research Rechnung zu tragen“.

Gutes Research bleibt wichtig

Gerade kleine Unternehmen versuchen über bezahlte Analysen auszugleichen, dass sich „so manches Haus zurückziehen wird“, wie Thorsten Müller, Vorstandsmitglied in der Standesvereinigung der Investmentprofis DVFA. Die Gründe liegen in der Regulierung und dem damit verbundenen Kostendruck. Bislang werden nach seinem Eindruck die Small Caps mit einer Marktkapitalisierung von bis zu 200 Millionen Euro in der Regel noch von einem bis drei Brokern abgedeckt.

Doch das kann schon bald der Vergangenheit angehören. Am Ende ist für Müller durch den Rückgang des Research-Angebots bei kleinen Firmen „ein starker Verlust an Transparenz für Anleger zu befürchten“. Das sei schlecht für Investoren und verringere zusätzlich die Möglichkeiten, in der Altersvorsorge zu diversifizieren, warnt er. Grundsätzlich geht er von einem Verlust an Qualität bei Aktienanalysen aus.

Um auf Dauer im Research in Deutschland mitspielen zu können, hält es Reinberg von Kepler für wichtig, „über Jahre hinweg eine gute Leistung zu bringen und Kontinuität zu beweisen“. Kleine Unternehmen bremst die schärfere Finanzmarktregulierung, obwohl das Wachstum gerade von ihnen kommt, wie DVFA-Vorstand Müller erklärt. Am Ende trauen sie sich gar nicht an die Börse, und das für den Erfolg nötige Eigenkapital fehlt. Gutes Research bleibt auch künftig wichtig für Unternehmen und Anleger.

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