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14.01.2022

09:06

Anastassia Lauterbach

Wirecards Ex-Aufsichtsrätin berät in Zukunft Topmanager

Von: Felix Holtermann

Ihre Erfahrungen beim Skandalunternehmen sollen helfen: Anastassia Lauterbach will für die US-Managementberatung Exco den europäischen Markt erschließen.

Die KI-Expertin gilt als begnadete Netzwerkerin. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Anastassia Lauterbach

Die KI-Expertin gilt als begnadete Netzwerkerin.

New York Die frühere Wirecard-Kontrolleurin Anastassia Lauterbach wird Europachefin der New Yorker Managementberatung Exco. In den kommenden Jahren soll Lauterbach für die bisher vor allem in den USA aktive Beratung europäische Kunden gewinnen, insbesondere in Deutschland und Großbritannien, wie das Handelsblatt vorab erfahren hat.

Einen Hehl macht Lauterbach aus ihrer ehemaligen Position nicht: „Ich spreche das sehr aktiv an, dass ich bei Wirecard im Aufsichtsrat war“, sagt sie. „Wirecard war eine traumatische Erfahrung, aber es ist eine Erfahrung.“

Lauterbach gilt als Technologieexpertin, die 49-jährige Multiaufsichtsrätin hat schon zahlreiche Unternehmen beraten. Bekannt ist sie heute vor allem für ihr Mandat beim Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München. Lauterbach sollte bei Wirecard die Compliance, also die Einhaltung von Regeln und Gesetzen, ausbauen. 2020 kollabierte der Konzern im Zuge eines milliardenschweren Bilanzskandals.

Zu Details ihres Mandats in Aschheim will sich Lauterbach mit Verweis auf Verschwiegenheitspflichten nicht äußern. Nur so viel: „Wirecard erlaubt mir viele fachliche Rückschlüsse. Wünsche ich jemand anderem diese Erfahrung? Auf keinen Fall. Aber meinen Erfahrungsschatz kann ich anonymisiert weitergeben.“

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    Wie könnten Manager auch in schwierigen Phasen ihre Werte schützen, wie zum Beispiel die persönliche Gesundheit? Wie müsse eine professionelle Aufsicht innerhalb eines Unternehmens gestaltet sein? Alles Fragen, bei denen die Wirecard-Erfahrung helfe, betont Lauterbach.

    Digitale Transformation im Fokus

    Exco wurde 2010 unter dem Namen Merryck & Co gegründet und berät bevorzugt Topmanager, darunter Vorstände und Aufsichtsräte, in Gruppen- und Einzelcoachings bei der Entwicklung ihrer persönlichen Fähigkeiten. Exco-Berater müssen mindestens 15 Jahre Berufserfahrung an der Spitze von Unternehmen aufweisen können.

    Rund 60 aktive Berater, „Mentoren“ genannt, darunter bisher sechs aus Europa, beraten derzeit nach eigenen Angaben rund 700 Kunden. Zum Beraterkreis gehören der Ex-Vorstandschef von Northrop Grumman, Ron Sugar, die Ex-Finanzchefin von Coca-Cola, Kathy Waller, und weitere Topmanager von Industriegrößen wie BP, Novartis oder McDonald’s. Zu den Kunden gehören Microsoft, IBM oder Pfizer.

    Lauterbach will Excos europäische Kunden vor allem in der Digitalisierung unterstützen. „Es fehlen in Europa die digitalen Wachstumsgeschichten. Daher schmerzt ein Skandal wie Wirecard besonders“, sagt sie. „Die digitale Transformation, die Positionierung zwischen den USA und China sind grundlegende Leadership-Themen. Diese werden wir vorantreiben.“

    Die IT-Expertin wurde in Russland geboren und arbeitete unter anderem bei der Münchner Rück, der Deutschen Telekom und Qualcomm. Ihr Aufsichtsratsmandat bei der britischen Fluglinie Easyjet legte sie Ende 2020 nach Kritik des Stimmrechtsberaters ISS wegen ihrer Rolle bei Wirecard nieder.

    Lauterbach war im Mai 2018 in den Aufsichtsrat des von Vorstandschef Markus Braun dominierten Konzerns eingezogen. Durch kritische Nachfragen war sie rasch mit dem langjährigen Chefkontrolleur und Braun-Intimus Wulf Matthias aneinandergeraten, gegen den heute wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue ermittelt wird. Ihr Verhältnis zum letzten Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann, der die Sonderprüfung mitinitiierte, die letztlich zur Aufdeckung des Milliardenbetrugs führte, galt als belastet.

    Bereits kurz nach ihrem Einzug in den Aufsichtsrat setzte sich Lauterbach für die Gründung eines Risk- und Compliance-Komitees ein. Den Milliardenbetrug und den Untergang im Juni 2020 konnte das jedoch nicht verhindern.

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