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20.12.2021

15:58

Anlegerumfrage

Nach Dax-Kursrutsch: Konstruktive Anlegerstimmung lässt auf Jahresschlussspurt hoffen

Von: Jürgen Röder

Den aktuellen Daten der Handelsblatt-Umfrage zufolge ist der aktuelle Kursrückgang eine gesunde Verschnaufpause. Die könnte noch ein paar Tage andauern.

Dax-Umfrage: Wie Anleger über steigende Kurse am Markt denken dpa

Bulle und Bär vor der Börse Frankfurt

Die vergangenen Handelstage waren für Anleger extrem nervenaufreibend. Wie wird es weitergehen?

Düsseldorf Trotz des Kursrutsches am heutigen Montag: Die Anlegerstimmung hat sich konstruktiv entwickelt und ermöglicht in den kommenden Tagen noch einen Jahresschlussspurt. Nach den aktuellen Daten der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment handelt es sich bei den fallenden Notierungen nur um eine gesunde Verschnaufpause, die bald von einer Jahresendrally abgelöst werden könnte. So meint Sentimentexperte Stephan Heibel nach Auswertung der Erhebung: „Zumindest ist auf Basis der aktuellen Sentimentdaten kein Crash zu befürchten.“

Denn die gefährliche Euphorie unter den Anlegern, die noch im vergangenen Monat November vorherrschte, ist vollständig abgebaut. Euphorie gilt laut Sentimentanalyse als Kontraindikator, weil vereinfacht formuliert dann sehr viele Anleger bereits investiert sind und weitere Käufer fehlen.

Mittlerweile ist diese Stimmung eingebrochen und liegt auf einem neutralen Niveau. Auch die damalige Selbstüberschätzung, die oft zu falschen Risikoeinschätzungen führt, ist vorbei. Mittlerweile herrscht hohe Verunsicherung.

Das Manko der aktuellen Umfrage: Auch der Zukunftsoptimismus und die Investitionsbereitschaft sind gesunken – sie liegen aber weiter auf einem hohen Niveau. Kurzfristig dürfte es dem Dax eher schwerfallen, mit dem erhofften Jahresschlussspurt loszulegen. „Es kann noch ein paar Tage dauern, bis der Zukunftsoptimismus wieder ansteigt und somit Investitionsbereitschaft für neue Aktienkäufe erzeugt“, erläutert Heibel.

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    Gegenbewegung beim Euro-Kurs steht bevor

    Besonders auffällig ist derzeit das Sentiment auf dem Währungsmarkt. Der Euro ist unbeliebt, die Stimmung ist an der Schwelle zu einem Weltuntergangsszenario. Gleichzeitig ist die Zukunftserwartung für den Euro gegenüber dem Dollar auf einen Extrempunkt gefallen.

    Wenn beide Indikatoren parallel laufen, könnte die dominierende Bewegung, also der Kursverfall gegenüber dem Dollar, noch ein wenig anhalten. Irgendwann könnte der Ausverkauf auslaufen, anschießend würde der Wechselkurs bei geringem Handelsvolumen ansteigen. „Diesem Punkt sind wir bereits sehr nah“, erläutert Heibel.

    Grafik

    Fundamental betrachtet ist der Ausverkauf wenig überraschend: Während die US-Notenbank eine beschleunigte Straffung der Geldpolitik vornimmt, bleibt die EZB bei ihrer lockeren Haltung und ignoriert den Inflationsdruck. Wer eine stabile Währung sucht, der muss derzeit den Dollar dem Euro vorziehen, meint Heibel.

    Aktuelle Umfragedaten

    Der Dax schwankte in der vergangenen Woche stark. Nach der Straffung der Geldpolitik in den USA steig der Index deutlich an. Das Festhalten an der lockeren Geldpolitik durch die EZB hingegen führte sodann zu einem Ausverkauf, der das Börsenbarometer auf das Niveau von vor der US-Zinsentscheidung zurückführt. Wie haben die Anleger auf die Entwicklung reagiert?

    Die Anlegerstimmung hat unter der hohen Volatilität gelitten und ist nach einem Wert von plus 0,8 in der Vorwoche wieder leicht ins Minus gerutscht. Doch die minus 0,5 zeigen eine insgesamt neutrale Stimmung an. Noch Anfang November herrschte mit plus 6,0 extreme Euphorie.

    Stärker als die kurzfristige Stimmung hat die Verunsicherung unter den Anlegern zugenommen. Die Selbstgefälligkeit ist von minus 0,7 in der Vorwoche auf nunmehr minus 3,3 gerutscht. Eine mögliche Erklärung: Diese Verunsicherung spiegelt die widersprüchliche Reaktion der Aktienmärkte auf die Notenbankentscheidungen wider.

    Die Zukunftserwartung ist nach drei starken Wochen nunmehr leicht auf nur noch 2,0 zurückgegangen. Die Verunsicherung wirkt sich also auf die Erwartung an die künftige Entwicklung aus. Es gibt deutlich weniger bullish gestimmte Anleger als noch vor einer Woche. Entsprechend sinkt auch die Investitionsbereitschaft um 1,7 Punkte auf 0,9 ab. „Anleger verabschieden sich in die Weihnachtsferien“, kommentiert Heibel dieses Verhalten.

    Das Euwax-Sentiment der für Privatanleger relevanten Börse Stuttgart ist leicht angestiegen und zeigt einen durchaus angestiegenen Risikoappetit an. Der Wert von sechs zeigt an, dass Anleger verstärkt auf steigende Kurse spekulieren und Absicherungen vernachlässigen. Ein positiver Wert bei diesem Indikator zeigt einen Überhang von Call- im Vergleich zu Put-Hebelprodukten an und umgekehrt.

    Eine überraschende Kehrtwende lässt sich beim Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse beobachten. Nachdem in den vergangenen Monaten stets die Call-Optionen historisch hoch lagen, Anleger also auf steigende Kurse spekulierten, ist der Kauf von Put-Absicherungen in der vergangenen Woche stark angestiegen.

    US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote noch weiter gesenkt. Nach 69 Prozent in der Vorwoche sind nun nur noch 52 Prozent der Mittel investiert. Hohe Cashbestände zum Jahreswechsel sind nicht typisch für die Anlagerprofis. Sollte ein weiterer Rücksetzer nun ausbleiben, geraten sie in Zugzwang.

    Bei den US-Privatanlegern dominieren die Bären mit einem Minus von 14 Prozent, ein eher seltener Wert. Im laufenden Jahr gab es nur Ende September und Ende November kurzzeitig eine Überzahl von pessimistisch eingestellten Anlegern.

    Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ zeigt mit einem Wert von 26 Prozent Angst an, die an der Schwelle zu einem Extremwert (ab 25 Prozent) steht. Andere kurzfristige technische Indikatoren zeigen hingegen eine neutrale Marktverfassung an.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 6000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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