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02.05.2022

15:52

Dax-Sentiment

Anlegerstimmung ist dramatisch schlecht – Nimmt die Ölpreisrally bald wieder Fahrt auf?

Von: Jürgen Röder

Seit Beginn der Umfrage herrschte noch nie über so einen langen Zeitraum eine so schlechte Stimmung. Was das für die kommenden Handelstage bedeuten dürfte.

Dax-Umfrage: Anleger sehen Kursniveau als Kaufchance dpa

Bulle und Bär vor der Börse Frankfurt

Eine von hoher Unsicherheit geprägte Marktphase.

Düsseldorf Die Anlegerstimmung erreicht eine in dieser Umfrage nie da gewesene schlechte Dimension. Seit der zweiten Januarwoche dieses Jahres herrscht laut der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment kontinuierlich negative Stimmung. Noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2014 war das Sentiment 17 Wochen in Folge negativ.

Eine ähnliche Situation herrscht bei den US-Privatanlegern vor. Vor zwei Wochen gab es so wenig Optimisten wie noch nie seit Beginn der Umfrage im Jahr 1987. Nun weist die aktuelle Umfrage einen der pessimistischsten Stände der vergangenen 34 Jahre auf. „Es fällt schwer, sich neue Ereignisse vorzustellen, die weiterhin für so extrem negative Werte sorgen können“. erläutert Sentimentexperte Stephan Heibel.

Laut Sentimenttheorie müssen die Aktienmärkte schon bald ansteigen, sofern keine nennenswerten Ereignisse eine andere Richtung bestimmen. Es gilt der Grundsatz: Wenn die Anlegerinnen und Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Heibel, der die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage auswertet, warnt jedoch: „Niemand weiß, welche Schritte Russland als Nächstes unternehmen wird. Und niemand weiß, wie lange China mit der Null-Covid-Strategie noch durchhalten kann.“

Das sind wohl die wichtigsten Einflussfaktoren für die künftige Entwicklung an den Aktienmärkten. Viele Anleger sehen das auch so. Die Investitionsbereitschaft ist beispielsweise auf moderate 1,6 Punkte angestiegen. Offenbar warten die Anleger auf ein Signal, aus dem eine Lösung für den Ukrainekrieg und Chinas drakonischer Corona-Politik abzulesen ist, um Aktien zu kaufen.

Bären dominieren den Ölmarkt

Interessant ist die Anlegerstimmung am Ölmarkt: Dort dominieren die Bären den Daten des Analysehauses AnimusX zufolge, nachdem der Preis die Marke von 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) überwunden hat. Die meisten Anleger erwarten offensichtlich eine Entspannung am Ölmarkt und damit fallende Ölpreise.

Grafik

„Ich wäre da vorsichtig“, meint Heibel und stellt sich gegen die Erwartungen der Anleger. Derzeit löst US-Präsident Joe Biden täglich eine Million Liter der strategischen US-Ölreserven auf, die dann am Markt verkauft wird. Der aktuelle Ölpreis bleibt trotz des zusätzlichen Angebots über dieser Marke.

Doch für den Sentimentexperten bleiben einige Fragen offen: Was, wenn die Ölreserven gegen Herbst auf ein extrem niedriges Niveau sinken? Welchen Einfluss nimmt die strikte Covidpolitik in China auf die Nachfrageseite? Inwiefern wirken sich gegenwärtige Rezessionsängste noch in Zukunft aus?

Das Sentiment für den Ölmarkt mahnt davor, fallende Ölpreise als gegeben hinzunehmen. „Es gibt durchaus mögliche Entwicklungen, die für eine Fortsetzung der Ölpreisrally sorgen könnten“, meint der Sentimentexperte.

Aktuelle Umfragedaten

Die Anlegerstimmung bleibt mit einem Wert von minus 2,8 weiterhin niedergeschlagen. Gleiches gilt für die Selbstgefälligkeit: Negative Umfragewerte unterstreichen, dass Anleger verunsichert sind. Mit einem Wert von minus 3,2 herrscht zum 17. Mal in Folge Unsicherheit.

Nach einer so langen Phase der Enttäuschungen, der Rückschläge und negativen Erfahrungen traut sich kaum ein Anleger noch eine Meinung über die künftige Entwicklung zu: Darauf deutet die Zukunftserwartung mit minus 0,2 hin.

Aufschlussreicher ist die Verteilung: 20 Prozent der Befragten erwarten steigende Kurse, 21 Prozent fallende Notierungen. Aber 42 Prozent glauben an eine Seitwärtsbewegung, also mehr Anleger als Bullen und Bären zusammenaddiert. Parallel dazu ist die Investitionsbereitschaft auf 1,6 angestiegen. Damit ist die Investitionsquote moderat.

Anleger lösen Absicherungen auf

Auch das Euwax-Sentiment hat zugelegt, auf zuletzt minus 3,5. Minuswerte zeigen einen Überhang an Put- gegenüber Call-Produkten auf den Dax in den Depots der Privatanleger an und umgekehrt.

Zum Jahresbeginn hatten Privatanleger sich mit dem Kauf von Put-Produkten gegen Kursverluste abgesichert. Die wurden mit Kriegsbeginn verkauft und im Vorfeld der nächsten Offensive Russlands im Südosten der Ukraine wieder gekauft. Nun werden diese Put-Käufe erneut aufgelöst.

Ganz ähnlich sieht es bei den institutionellen Anlegern aus, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern: Die Absicherungsgeschäfte der Vorwoche reichen vorerst aus – der Kauf von Put-Optionen ist zurückgegangen.

In den USA hingegen sind die Absicherungsgeschäfte in der abgelaufenen Woche kräftig gestiegen. Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse ist deutlich angesprungen, es wurden also neue Absicherungen gekauft. Auch US-Fondsmanager haben erneut verkauft. Die Investitionsquote ist binnen einer Woche um fast drei Viertel auf 46 Prozent gefallen und zeigt damit eine defensive Positionierung der Profis an.

Auf minus 43 Prozent ist das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger gefallen, ein historisch niedriger Wert. 59 Prozent der Anleger sind bearish eingestellt, erwarten also fallende Notierungen. Nur 16 Prozent sind bullish gestimmt, erwarten also steigende Kurse. So ausgeprägt war der Pessimismus in den vergangenen Jahren selten.

Der anhand technischer Marktdaten berechnete Angst-&-Gier-Indikator der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 34 Prozent nur moderate Angst an. Andere kurzfristige technische Indikatoren deuten auf eine überverkaufte Marktsituation hin. „Überverkauft“ heißt, es wurde so viel verkauft, dass eine Gegenbewegung an den Aktienmärkten bereits erfolgen sollte, wenn nur weitere Hiobsbotschaften ausbleiben.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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