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22.08.2022

16:08

Dax-Sentiment

Dax sucht nach neuer Richtung – „Anleger sollten ihre Cashposition nicht zu groß machen“

Von: Jürgen Röder

Es ist kaum abzusehen, wohin der Aktienmarkt als Nächstes steuert. Wie sich Anleger in dieser eher passiven Marktphase positionieren sollten.

Dax-Umfrage: Anleger sehen Kursniveau als Kaufchance dpa

Bulle und Bär vor der Börse Frankfurt

Es ist eine von hoher Unsicherheit geprägte Marktphase.

Düsseldorf Knapp 300 Punkte hat der deutsche Leitindex im Montagshandel nachgegeben. Doch nach Einschätzung des Sentimentexperten Stephan Heibel sollten Anlegerinnen und Anleger nicht in Panik verfallen. „Ich würde die Cashposition nicht zu groß machen, sondern weiterhin nennenswert investiert bleiben“, meint der Inhaber des Analysehauses AnimusX.

Denn nach acht Monaten mit durchgängig negativer Anlegerstimmung könnte schon eine moderat positive Entwicklung dafür sorgen, dass die Kurse wieder steigen. „Die bislang gesehene Erholung im Dax ist in meinen Augen nicht ausreichend, um die mehrere Monate andauernde Baisse stimmungstechnisch auszugleichen“, sagt Heibel nach der jüngsten Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment.

Der Rückgang am Montag ist die Fortsetzung der Schwächephase aus der Vorwoche. Seit Dienstagabend ist der Dax um 3,2 Prozent eingebrochen – ohne klar ersichtlichen Grund. Es gibt einfach keine Käufer mehr für die wenigen Aktien, die zum Verkauf gestellt werden. Das Handelsvolumen ist anhaltend niedrig.

Entsprechend war es nach der Prognose vor einer Woche für Anlegerinnen und Anleger ratsam, das eigene Portfolio ein wenig zu lichten. Diese klare Interpretation gilt nun nicht mehr: Das Ungleichgewicht wurde mit den fallenden Kursen abgebaut, eine neue Richtung ist noch ungewiss.

Wer jetzt noch verkauft, der kann im Zweifel schon in wenigen Tagen wehmütig steigenden Kursen hinterherschauen. Auch andersherum gibt es Überraschungspotenzial: Wer jetzt schon einkauft, könnte in wenigen Tagen noch deutlich günstigere Kurse sehen.

Grafik

Wirklich neue Entwicklungen fundamentaler Natur gibt es nicht – daher ist auch noch nicht abzusehen, welche Richtung der Aktienmarkt als Nächstes einschlagen wird. „Ein bisschen Cash, um an schwachen Tagen nachzukaufen, kann nicht schaden“, meint Sentimentexperte Heibel. Gleichzeitig sollten Anleger allerdings auch die Nachrichtenlage im Auge behalten, um im Falle negativer Entwicklungen nochmals Positionen zu verkaufen.

Die bekannten geopolitischen Krisenherde der Gegenwart sind derzeit in den Kursen eingepreist, die aktuellen Schwankungen lediglich technischer Natur. Tagesmeldungen wie eine sehr hohe Inflationsrate bis hin zur Notwendigkeit des Energiesparens dürften die Kurse kurzfristig belasten, den Dax allerdings nicht in eine neue Richtung bewegen. In den vergangenen Wochen haben noch nicht einmal die chinesischen Militärübungen vor Taiwan die Rally gestoppt.

Ölpreis steht vor einer Bodenbildung

Der Ausverkauf am Ölmarkt war heftig. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent ist von 124 Dollar Anfang Juni auf zwischenzeitlich 92 Dollar gefallen. Doch laut den Stimmungsindikatoren der umfangreicheren Erhebung von AnimusX dürfte dieser Abwärtstrend auslaufen.

„Kurzfristig liegt der maximale Verkaufsdruck hinter uns, eine moderate Erholung ist in den kommenden Tagen wahrscheinlich“, meint Analyst Heibel. Denn sowohl der Fünf-Wochen-Durchschnitt als auch die aktuelle kurzfristige Stimmung zeigen Tendenzen von Panik am Ölmarkt an. Das gilt der Sentimenttheorie zufolge als Kontraindikator – ein Boden dürfte also kurzfristig erreicht werden.

Aktuelle Umfragedaten

Der Kurseinbruch am Aktienmarkt hat bislang kaum an der Stimmung gekratzt. Das Anlegersentiment ist auf minus 1,4 gefallen, was nur moderat schlechte Laune bedeutet, aber eher als neutral zu bezeichnen ist.

Verunsicherung ist ebenfalls kaum festzustellen, der Wert notiert bei minus 0,9. In den Monaten Juni und Juli herrschte mit Werten von minus sechs bis sogar minus zehn extreme Verunsicherung. Davon ist nichts mehr zu sehen.

Die Erwartungshaltung hat jedoch einen Rückschlag erhalten: Der Wert von minus 1,0 zeigt wieder ein leichtes Übergewicht der Pessimisten, nachdem die Optimisten in den vergangenen Wochen mühsam die Oberhand zurückerobert hatten.

Auch die Investitionsbereitschaft ist auf dem aktuellen Kursniveau noch nicht sonderlich hoch: Der Wert von plus 0,5 ist so niedrig wie seit Februar nicht mehr. Die Zeit der günstigen Kurse ist nach Meinung der Umfrageteilnehmer vorbei.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, pendelt zwischen minus zehn und minus 15. Derart hohe Minuswerte bei diesem Indikator zeigen einen deutlichen Überhang von Put-Produkten in den Depots an. Die erzielten Kursgewinne der vergangenen Wochen sichern die Privatanleger also stark ab.

Das völlig gegenteilige Bild zeigt das Put/Call-Verhältnis der Frankfurter Terminbörse Eurex, über die sich die institutionellen Anleger absichern. Der Wert von 0,9 zeigt, dass so stark wie selten zuvor Call-Optionen gekauft werden, mit denen auf steigende Kurse spekuliert wird. Auch das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE zeigt ein großes Interesse der US-Anleger an Call-Optionen.

Neutrale Lage beim „Angst-und-Gier-Indikator“

US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf 64 Prozent reduziert und sind damit durchschnittlich, eher vorsichtig investiert. Im Lager der US-Privatanleger herrscht ein Bulle/Bär-Verhältnis von minus vier Prozentpunkten. 33 Prozent der Anleger sind bullish gestimmt, 37 Prozent erwarten fallende Kurse – insgesamt also ein ausgeglichenes Verhältnis. In den vergangenen Wochen hatten die Bären noch klar die Oberhand.

Auch der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt eine neutrale Verfassung an. Andere kurzfristige technische Indikatoren sind gegenüber der Vorwoche gefallen. Somit wurde die überkaufte Marktverfassung abgebaut, aus der Experte Heibel vergangene Woche eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Rücksetzer abgeleitet hatte.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 7000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anlegerinnen und Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anlegerinnen und Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

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