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28.11.2022

15:23

Dax-Sentiment

„Die Rally bleibt intakt“ – Privatanleger sichern ihre Gewinne ab, Profis setzen auf steigende Kurse

Von: Jürgen Röder

Das Verhalten beider Anlegergruppen – von professionellen und den privaten Anlegern – signalisiert eher steigende als fallende Kurse.

Dax-Umfrage: Anleger sehen Kursniveau als Kaufchance dpa

Bulle und Bär vor der Börse Frankfurt

Es ist eine von hoher Unsicherheit geprägte Marktphase.

Düsseldorf Die Börsenwelt ist zweigeteilt. Diesmal jedoch verläuft die Trennlinie nicht zwischen der Frankfurter und der New Yorker Börse, sondern zwischen den Profi- und den Privatanlegern.

Sowohl in den USA als auch hierzulande können Privatanleger die Kursgewinne der vergangenen Wochen kaum fassen und sichern ihre erzielten Gewinne ab. Die Profis hingegen gehen von einer nachhaltigen Trendwende aus und positionieren sich zunehmend für weiter steigende Kurse bullisch. So lautet das Ergebnis der Auswertung der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren.

Sentimentexperte Stephan Heibel, der die wöchentliche Erhebung auswertet, zieht daraus den Schluss: „Die Rally bleibt weiterhin intakt.“ Denn das Verhalten beider Anlegergruppen signalisiert eher steigende als fallende Kurse. Während institutionelle Anleger versuchen, ihre Investitionsquoten zu erhöhen, nutzen private Anleger jeden Rückschlag, um ihre Absicherungspositionen einzudecken.

Diese Skepsis der Privatanleger wirkt für die Märkte wie ein Sicherungsnetz. Sollte das Börsenbarometer fallen, dürften die professionellen Shortseller ihre Absicherungspositionen schließen und damit den Dax-Index wieder kaufen.

Denn wer auf fallende Kurse setzt, leiht sich zunächst Aktien und verkauft sie sofort in der Hoffnung, sie vor dem Rückgabetermin günstiger zurückkaufen zu können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufspreis ist der Gewinn eines Shortsellers.

Grafik

Seit acht Wochen befindet sich der Dax im Rallymodus und ist seitdem um 2700 Punkte in der Spitze gestiegen. In dieser Phase bot das Dax-Sentiment eine gute Orientierung. Vor einer Woche sagte Heibel, das Risiko bestehe auf der Oberseite, der Dax stieg seitdem um ein weiteres Prozent.

Eine ähnliche Einschätzung gab der Sentimentexperte am Montag vor drei Wochen. Danach kletterte der Leitindex bis zum darauffolgenden Freitag um 5,7 Prozent. Auch mit der Prognose einer Seitwärtsbewegung vor zwei Wochen war er treffsicher.

Aktuelle Umfragedaten

Das Anlegersentiment ist von 2,7 in der Vorwoche auf 3,8 Punkte angestiegen und nähert sich damit dem Bereich der Euphorie, der ab vier Punkten beginnt. Die Selbstzufriedenheit ist auf 1,5 Punkte gestiegen. Nach Monaten der Verunsicherung etabliert sich nun langsam so etwas wie Vertrauen unter den Anlegern.

Doch die Erwartungshaltung bleibt gedämpft. Der Zukunftserwartung an den Dax in drei Monaten notiert bei minus 0,3 Punkte. Anleger erwarten dann also eher fallende Notierungen, Skepsis dominiert weiterhin. Auch die Investitionsbereitschaft ist von 2,2 Punkten in der Vorwoche auf 1,4 Punkte zurückgegangen – Anleger werden vorsichtiger.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, bleibt mit einem Wert von minus 14 extrem negativ. Eine solche Zahl im Minusbereich zeigt einen hohen Anteil von Put-Produkten in den Depots an, mit denen die Kursgewinne der vergangenen Wochen intensiv abgesichert werden. Gegen einen Rückschlag sind Privatanleger folglich gut gewappnet.

Ganz anders verhalten sich die Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern. Dort ist das Put-Call-Verhältnis auf 0,9 Prozent gefallen. Die Profianleger haben deutlich mehr Call-Optionen gekauft, was für eine optimistische Haltung der institutionellen Anleger spricht.

Auch in den USA ist das Put-Call-Verhältnis rückläufig und zeigt den zunehmenden Optimismus. US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote auf 65 Prozent angehoben, noch vor sieben Wochen stand dieser Wert bei schwachen 13 Prozent.

Die Bulle-Bär-Differenz der US-Privatanleger steht bei minus sieben Prozent, was eine negative Einstellung für die US-Börsen anzeigt. 40 Prozent der Anleger sind pessimistisch für die weitere Entwicklung, während nur noch 29 Prozent bullish sind.

In der Vorwoche gehörten noch 34 Prozent dem Lager der Bullen an. Bei den US-Privatanlegern dominiert also ebenfalls die Skepsis, während bei den Profis die Zuversicht steigt. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit 64 Prozent eine moderate Gier an.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 7500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anlegerinnen und Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anlegerinnen und Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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