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01.11.2021

14:41

Dax-Umfrage

Anleger nehmen neuen Rekord ins Visier – Gesunde Ausgangslage für weiter steigende Kurse

Von: Andreas Neuhaus

Die Investitionsbereitschaft zieht an, gleichzeitig gibt es keine Anzeichen von gefährlicher Euphorie. In der Rally könnte es aber zu Rücksetzern können.

Der Dax hat im Oktober einen stabilen Aufwärtstrend entwickelt. dpa

Bulle und Bär vor der Börse Frankfurt

Der Dax hat im Oktober einen stabilen Aufwärtstrend entwickelt.

Düsseldorf Einer Jahresendrally steht am deutschen Aktienmarkt derzeit nichts entgegen. Das ist das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 6000 Privatanlegern.

„Selten habe ich ein so ausgewogen positives Stimmungsbild gemessen“, kommentiert Sentimentexperte Stephan Heibel das Umfrageergebnis. „Ja, Optimismus herrscht vor und Anleger sind gut gelaunt. Doch von Überschwang und einem gefährlichen Missverhältnis des Sentiments zur aktuellen Marktsituation ist nicht die Rede.“

Wären die Anleger zu positiv gestimmt, wäre das ein Kontraindikator: Denn wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert und es bleiben nur wenige Käufer übrig. Deswegen gilt Euphorie am Aktienmarkt als gefährlich und als Signal für fallende Kurse.

Doch von Euphorie sind die Anleger weit entfernt: Das Sentiment verharrt unverändert bei 2,8 – von Euphorie spricht man erst bei Werten jenseits von vier. „Die moderat gute Laune ist bei den steigenden Kursen durchaus angebracht“, sagt Heibel.

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    Auch der Fünf-Wochen-Durchschnitt zeigt anziehende Kurse an: Er steigt von minus 1,7 auf plus 1,4. Entscheidend ist dabei, dass der Fünf-Wochen-Durchschnitt vor zwei Wochen bei minus 9,3 einen Boden erreichte und nun steigt.

    In der Vergangenheit war diese Konstellation häufig ein Indiz für anziehende Kurse. Grundsätzlich gilt dabei: Je tiefer der Wert ins Minus fällt, desto länger kann die Rally dabei anhalten. Der moderate Wert von 1,4 zeigt an, dass die Rally noch nicht beendet ist.

    Grafik

    Im Oktober legte der deutsche Leitindex Dax um 2,8 Prozent zu. Dabei entwickelte er einen stabilen Aufwärtstrend: Vier Mal in Folge gab es im Wochenvergleich höhere Hochs und Tiefs.

    Zwischenzeitliche Rücksetzer sorgten dabei dafür, dass der Markt nicht heiß lief: Anfang Oktober fiel das Frankfurter Börsenbarometer kurzzeitig unter die Marke von 15.000 Punkten, Ende des Monats unter das Niveau von 15.500 Punkten. Ein solches Szenario hatte Heibel zuletzt prognostiziert.

    In der vergangenen Woche haben sich zwar für mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer die Markterwartungen erfüllt, für knapp ein Drittel aber auch nicht. Die Selbstgefälligkeit sinkt dadurch von 2,2 auf 1,2.

    „Durch die immer wieder erfolgenden Rücksetzer werden unsichere Hände aus dem Markt geschüttelt“, erklärt Heibel. „Anleger, die nur spekulieren und nicht von den Aktien in ihrem Portfolio fundamental überzeugt sind, geraten bei fallenden Kursen schnell in Panik und verkaufen ihre Positionen. Das dadurch frei gewordene Kapital kann dann die nächste Rally befeuern.“ Dazu passt, dass die Investitionsquote der Umfrageteilnehmer zwar eine inzwischen optimistische, aber noch nicht exzessive Positionierung anzeigt.

    Die Rücksetzer wirken sich auch auf die Erwartungshaltung der Anleger aus: Der Optimismus fällt auf 3,5 – vor zwei Wochen lag dieser Wert noch bei 5,2. „Die Euphorie, die wir Anfang Oktober zu Beginn der Rally gesehen haben, ist in moderaten Optimismus übergegangen“, schlussfolgert Heibel daraus.

    Dazu passt die Entwicklung des Euwax-Sentiments der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln. Das Sentiment ist auf einen Wert von minus fünf gefallen. Es gibt also mehr Short-Investitionen, mit denen Anleger ihre Buchgewinne absichern können, als Long-Spekulationen – also Wetten auf steigende Kurse.

    Wichtig ist zudem die vergleichsweise hohe Investitionsbereitschaft der Anleger. Sie stieg von 2,7 in der Vorwoche auf 3,7. Das ist der zweithöchste Wert des Jahres. „In den Augen vieler Anleger ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, Aktien ins Portfolio zu holen“, sagt Heibel.

    Moderat positive Selbstzufriedenheit und Optimismus bei hoher Investitionsbereitschaft: Das spricht für weiter steigende Kurse. „In meinen Augen bildet die aktuelle Stimmungslage eine gesunde Ausgangslage für weiter steigende Kurse“, sagt Heibel. „Als Kursziel haben sich sehr viele Anleger das Allzeithoch im Dax aus dem Monat August notiert.“

    Auf dem Weg zum Dax-Rekord von 16.030 Zählern dürfte es aber wohl weiterhin kleine Rücksetzer geben, in denen der Markt Luft holt für den nächsten Aufwärtssprung. Auf der Unterseite haben die Anleger ihre Nachkaufmarke auf 15.200 Punkte angehoben, nach 14.800 Zählern in der Vorwoche.

    Diese Marke harmoniert gut mit der Anlegerumfrage der Deutschen Börse von Mitte der vergangenen Woche. Dort schloss Sentimentexperte Joachim Goldberg aus dem Ergebnis, dass institutionelle Investoren im Bereich von 15.150 bis 15.200 Zählern ihre Engagements aufstocken könnten.

    Stimmung der US-Anleger

    Die US-Anleger sind derzeit deutlich „bullisher“ als die deutschen Anleger. Während bei deutschen Anlegern die Short-Investments überwiegen, gibt es in den USA verstärktes Interesse an Call-Optionen, mit denen man auf steigende Kurse spekuliert.

    Die Bulle-Bär-Quote der Privatanleger steht bei zehn Prozent. Der Anteil der Optimisten ist also um zehn Prozentpunkte höher als der der Pessimisten. Gegenüber der Vorwoche haben einige Anleger allerdings das Lager verlassen und sind ins Lager der Neutralen oder sogar in das der Pessimisten übergesiedelt.

    Derweil haben die US-Fondsmanager ihre Investitionsquote auf 103 Prozent hochgefahren. Vor zwei Wochen lag dieser Wert noch bei 63 Prozent. Ein Wert von über 100 zeigt an, dass die konservativ positionierten US-Fondsanleger auf Kredit (sprich gehebelt) auf steigende Kurse spekulieren. Der technische „Angst-und-Gier-Indikator“ des Leitindexes S&P 500 zeigt mit einem Wert von bereits 72 Gier an, ab 75 spricht man von extremer Gier.

    Andere Asset-Klassen

    Öl: Der Ölpreis hat in der vergangenen Woche seine Rally nicht mehr fortsetzen können. Die Nordseesorte Brent gab auf Wochensicht um mehr als ein Prozent nach. Dadurch ist auch die zuletzt herrschende Euphorie am Ölmarkt verflogen, der Zukunftsoptimismus ist deutlich gefallen. „Nun dominieren die Bären auf dem Ölfeld. Wenn noch gefeiert wird, während sich für die Zukunft dunkle Wolken am Himmel bilden, steht der Ölpreisrückgang unmittelbar bevor“, prognostiziert Heibel.

    Bitcoin: Die älteste und wichtigste Kryptowährung pendelt derzeit um das Niveau von 60.000 Dollar. Die Rally, die die Digitalwährung Mitte Oktober bis auf 66.930 Dollar getrieben hatte, ist beendet. „Der Bitcoin vollzieht nun eine leichte Konsolidierung“, beobachtet Heibel. „Die Stimmung ist entsprechend moderat zurückgekommen.“

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 6000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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