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22.11.2021

14:07

Dax-Umfrage

Trotz einiger Warnsignale: Die Aktienrally tritt in die nächste Phase ein

Von: Jürgen Röder

Auch wenn europäische Anleger derzeit skeptischer in die Zukunft schauen als amerikanische: Bisher spricht viel dafür, dass die Dax-Kurse weiter steigen werden.

Dax-Umfrage: Wie Anleger über steigende Kurse am Markt denken dpa

Bulle und Bär vor der Börse Frankfurt

Der Rücksetzer vom vergangenen Freitag dürfte keine weiteren Folgen haben.

Düsseldorf Die Börsenwelt ist zweigeteilt: In den USA setzen die Anleger unvermindert auf steigende Kurse, während hierzulande sowohl die Investitionsbereitschaft als auch die Zukunftserwartungen der Investoren deutlich eingebrochen sind. Das zeigen die Daten der aktuellen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment auf der einen und diverse US-Indikatoren auf der anderen Seite.

Diese Divergenz lässt sich mit der Corona-Pandemie erklären. Jenseits des Atlantiks ist die vierte Coronawelle bereits gebrochen, die Zahlen dort sind stark rückläufig. In Europa ist das Thema dagegen in den letzten Tagen wieder deutlich in den Vordergrund gerückt.

Mittelfristig dürften die negativen Auswirkungen auf die Börsen aber auch in Europa begrenzt sein. Deswegen bleibt Sentimentexperte Stephan Heibel nach Auswertung der aktuellen Erhebung bei seiner Einschätzung der vergangenen Woche: Rücksetzer im Dax, wie der am vergangenen Freitag, sind eine Kaufgelegenheit und kein Anlass zu Sorge.

Am Freitag rutschte der Dax nach sechs Rekordhochs in Folge zwischenzeitlich um rund 200 Punkte ab. Offenbar war der verkündete Lockdown in Österreich, gepaart mit den üblichen Kursschwankungen des Verfallstages, die Ursache. Am Freitag liefen Optionen auf Indizes und einzelne Aktien aus und wurden abgerechnet. Investoren versuchen an solchen Tagen, die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu bewegen.

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    Warum dürfte aber dieser Rücksetzer keine weiteren Folgen haben? Seit einigen Wochen gibt es bei der Handelsblattumfrage keine sogenannten Schiefstände, also sich widersprechenden Extremwerte, die durch eine heftige Korrektur aufgelöst werden müssten. Im Gegenteil: Heibel hatte aus den Daten eine gesunde, wenn auch an Dynamik verlierende Fortsetzung der steigenden Kurse abgeleitet.

    Nun tritt der Aktienmarkt nach Meinung des Sentimentexperten in die nächste Rallyphase ein. Denn ein wichtiger Indikator hat sich verändert: Die Zukunftserwartungen, die bis vor wenigen Wochen noch rosig waren, schwinden.

    Das führt nach Ansicht von Heibel bald zu folgendem Ergebnis: „Ungläubig schauen dann viele Anleger den meiner Ansicht nach bald schon wieder steigenden Kursen hinterher.“ Gut möglich, dass einige von ihnen zu einem späteren Zeitpunkt einsteigen und dadurch für eine Rally-Fortsetzung sorgen.

    Grafik

    Doch es gibt es auch Warnhinweise. Das Fünf-Wochen-Sentiment (siehe Grafik), das stets eine gute mittelfristige Einschätzung der Börsenverfassung erlaubt, hat einen Extremwert erreicht. In der Vergangenheit haben solche Werte häufig das Ende der Börsenparty eingeläutet. Auf einem ähnlich hohen Niveau lag dieser Indikator beispielsweise Ende Januar des vergangenen Jahres, wenige Wochen vor dem Corona-Crash.

    Nach Ansicht von Heibel steht dem Rekordtief bei diesem Indikator als Folge des Corona-Crashs im März 2020 noch kein entsprechendes Rekordhoch gegenüber. Deswegen habe dieser fünfwöchige Durchschnittswert der Anlegerstimmung noch etwas Luft nach oben.

    Dennoch sollten Anleger diesen Extremwert zur Kenntnis nehmen und ihre Positionierung entsprechend anpassen. Wer bisher voll investiert war, der sollte auf dem aktuellen Kursniveau ein paar Gewinne einstreichen. „Ein wenig Cash für Schnäppchenkäufe im Falle einer ausgedehnten Konsolidierung kann nicht schaden“, meint Heibel.

    Stimmung bei anderen Assetklassen

    Der Wechselkurs des Euros gegenüber dem Dollar ist unter seine Langzeit-Unterstützung bei 1,15 Dollar gerutscht und notiert aktuell bei nur noch 1,1280. Entsprechend schlecht sind sowohl Anlegerstimmung als auch Zukunftserwartung am Währungsmarkt. Beide Sentimentindikatoren notieren in extremen Bereichen, zugleich besteht eine große Kaufbereitschaft auf dem aktuellen Niveau. Die Chancen stehen gut, dass der Euro sich kurzfristig wieder seiner Unterstützung nähert, diesmal jedoch von unten nach oben.

    Der Goldpreis zieht an, die Stimmung auch. Doch am Goldmarkt herrscht noch keine Euphorie, auch andere Sentimentwerte notieren beim gelben Edelmetall noch nicht im extremen Bereich. Der Anstieg kann also noch weitergehen.

    Ganz anders sieht es am Ölmarkt aus: Nachdem die Rally nicht fortgesetzt wurde, brach auch die Stimmung ein. Die Zukunftserwartung ist auf dem niedrigsten Niveau der vergangenen zwölf Monate. Die Konsolidierung am Ölmarkt dürfte sich also noch ein wenig fortsetzen.

    Bitcoin-Jünger sind eine eigene Spezies, und der Markt muss noch lernen, mit ihnen umzugehen. Obwohl der Bitcoin in den vergangenen Tagen kräftig eingebrochen ist, bleibt die Zukunftserwartung auf einem hohen Niveau. Klar, die Stimmung trübt sich ein, doch von Panik kann keine Rede sein. Panik ist bei anderen Assetklassen ein Indikator für eine Trendwende am Markt, also für bald wieder steigende Kurse.

    Aktuelle Umfragedaten

    Die Stimmung der Anleger konnte der Rückgang am Freitag nicht trüben: Das Anlegersentiment ist mit einem Wert von 4,2 weiterhin im Bereich der Euphorie. Die Party geht weiter, freuen sich viele Anleger, die ihre Aktien noch immer halten.

    Und Selbstzufriedenheit macht sich breit. Der Wert von 3,5 zeigt, dass viele Anleger die Rekordjagd erwartet hatten und nun ihren Erfolg auskosten.

    Die Zukunftserwartung ist jedoch auf einen Wert von minus eins eingebrochen. Den gesamten Oktober hindurch waren die Bullen in der Überzahl, der Zukunftsoptimismus erreichte Rekordhöhen. Innerhalb von nur drei Wochen ist dieser Optimismus nun vollständig verschwunden. Parallel zum Optimismus hat auch die Investitionsbereitschaft auf einen Wert von nur noch 0,2 nachgegeben.

    Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf minus elf gefallen und zeigt eine starke Absicherungsneigung. Je größer der negative Wert ist, desto mehr Put-Produkte, die bei fallenden Kursen im Wert steigen, liegen im Vergleich zu Call-Derivaten in den Depots der Privatanleger. Dadurch sichern die Investoren ihre Buchgewinne der vergangenen Tage und Wochen ab.

    Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse zeigt hingegen nach wie vor eine stark bullische Ausrichtung der Anleger. Und so überrascht es kaum, dass die US-Fondsmanager ihre Investitionsquote auf 103 Prozent belassen haben. Die Investoren haben Aktien auf Kredit gekauft und halten die Quote so über der Marke von 100 Prozent.

    US-Privatanleger haben ein Bulle/Bär-Verhältnis von zwölf Prozent, die Bullen dominieren in den USA. Zwar ist das Lager der Bären um 15 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche angewachsen, doch anders als in Deutschland haben in den USA die Bullen noch immer klar die Oberhand.

    Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte steht mit einem Wert von 74 Prozent an der Schwelle zu extremer Gier.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 6000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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