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01.11.2021

18:30

Impact Investing

Nixdorf-Erben wollen Unternehmer für nachhaltige Geldanlage begeistern

Von: Peter Brors, Axel Höpner

PremiumDagmar Nixdorf will über eine neue Investmentgesellschaft zwei Milliarden Euro einsammeln. Mit dabei sind weitere prominente Namen aus der deutschen Wirtschaft. 

Die Nichte von Heinz Nixdorf setzt auf das ESG-Geschäft. Viele renommierte Unternehmerfamilien und Investoren dürften sich beteiligen. NIXDORF Kapital AG

Dagmar Nixdorf

Die Nichte von Heinz Nixdorf setzt auf das ESG-Geschäft. Viele renommierte Unternehmerfamilien und Investoren dürften sich beteiligen.

Auch immer mehr bekannte Unternehmerfamilien haben das Thema entdeckt und setzen eigene Investmentvehikel auf. Jüngstes Beispiel: Dagmar Nixdorf, Nichte des Computerpioniers Heinz Nixdorf. Pünktlich zur UN-Klimakonferenz in Glasgow startet sie mit einer Schar von Mitstreitern das sogenannte Impact-Investment-Geschäft.

Mit der Nixdorf Kapital AG will sie nur in solche Firmen investieren, die eine nachhaltig positive gesellschaftliche Wirkung entfalten. „Wir sind angetreten, die Welt ein bisschen besser zu machen“, sagt die Unternehmerin im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es gehe nicht nur darum, das Vermögen der Investoren zu vermehren, sondern auch um eine „soziale Rendite – insbesondere mit Blick auf die globale Klimakrise“.

Ein halbes Dutzend renommierter Unternehmerfamilien und Investoren, darunter unter anderem Teile der Familien Piëch (VW) und Hopp (SAP), sind über eine Beteiligung an der neuen Investment-Holding Nixdorf Impact Movement KG im Gespräch. Bislang wurden insgesamt rund 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Und das soll erst der Anfang sein. „In einem Jahr wollen wir ein Kapitalvolumen von zwei Milliarden Euro erreichen“, sagt der Co-CEO von Nixdorf Kapital, Volker Weber. Dann werde man auch für die großen institutionellen Investoren interessant. „Unser Ziel ist es, die führende Impact-Investment-Plattform in Deutschland zu etablieren.“

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    Dafür will die Nixdorf Kapital AG nach Informationen des Handelsblatts spätestens 2022 eine Privatbank übernehmen. Die Verhandlungen über ein erstes Zielobjekt kamen indes nicht zum Abschluss. Nun hat die Gruppe einen zweiten Anlauf gestartet und ein süddeutsches Institut im Blick. Eine eigene Bank soll im Vertrieb, aber auch bei Verbriefungs- und Finanzierungsthemen helfen. Zudem soll die wohlhabende Kundschaft umfassend mit allen denkbaren Private-Banking-Angeboten bedient werden.

    Ein breites Netzwerk soll helfen

    Dagmar Nixdorf und ihre Mitstreiter setzen bei alldem auf ein erfahrenes Netzwerk. Da ist zum Beispiel der bekannte Münchener Wirtschaftsanwalt Wolf-Rüdiger Bub. Als junger Jurist hatte er einst Heinz Nixdorf und einen Schreibmaschinen-Erfinder zusammengebracht. In den vergangenen Jahrzehnten vertrat Bub – der lange mit Peter Gauweiler in einer Kanzlei zusammenarbeitete und für Leo Kirch in seiner Fehde mit der Deutschen Bank in einem Vergleich 920 Millionen Euro erstritt – mehr als 200 Unternehmen.

    Seine Kontakte will er nun auch für Nixdorf Kapital gewinnbringend nutzen. „Etliche von diesen Familien habe ich inzwischen auf unterschiedliche Optionen für nachhaltige Geldanlagen hingewiesen“, berichtet Bub im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dahinter stehe immer auch die Frage der Bereitschaft zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Bub selbst beteiligte sich ebenfalls an der Nixdorf Kapital AG.

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    Auch der zweite Co-CEO der Nixdorf Kapital AG, Andreas Rickert, verfügt über zahlreiche Kontakte. Der Molekularbiologe arbeitete schon für McKinsey, die Weltbank und die Bertelsmann Stiftung. Mit Phineo hat er zuletzt eine Beratungs- und Analyseagentur für den gemeinnützigen Sektor aufgebaut, die in der Coronakrise einen Hilfsfonds auflegte. Die Agentur hilft nun auch Nixdorf bei der Bewertung möglicher Investments nach ESG-Kriterien. „Wir sind keine gemeinnützige Gesellschaft, aber wir wollen einen Beitrag leisten für die Gesellschaft.“ Er sei überzeugt, dass positive Wirkung und wirtschaftlicher Erfolg einhergehen können. 

    Beiratsvorsitzender von Nixdorf Kapital ist Thomas Rüschen, der lange Vorstandschef der Deutsche Oppenheim Family Office AG war. „Vor fünf oder sechs Jahren, als das Thema Nachhaltigkeit immer größer wurde, haben zwar viele darüber gesprochen, aber es hat noch kaum jemand investiert“, sagt er. Das habe sich grundlegend geändert. „Die Unternehmerfamilien hören inzwischen sehr genau zu – oft angetrieben von ihren Kindern.“ Die Nachfrage wachse. „Das Angebot ist allerdings furchtbar intransparent.“ 

    Ein Wachstumsmarkt auf Drängen der Jugend

    Den Markt haben längst auch andere wie der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock als Wachstumsfeld entdeckt. Nach aktuellen Zahlen des Forums Nachhaltige Geldanlagen, das unter anderem von den deutschen Fondshäusern Union Investment und Deka unterstützt wird, liegt der Marktanteil nachhaltiger Fonds und Mandate hierzulande inzwischen bei 6,4 Prozent. Und die Kurve zeigt stark nach oben. Die nachhaltigen Anlagen privater Investoren haben sich demnach 2020 auf 39,8 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Bei institutionellen Investoren zeigte sich ein Plus von 19 Prozent auf 184,3 Milliarden Euro.

    Anlageziele gibt es viele, denn auch bei den aktuellen Gründer- und Erbengenerationen liegt das Thema Nachhaltigkeit im Trend. Laut Deutschem Startup Monitor 2020 rechnen sich mehr als 43 Prozent der jungen deutschen Unternehmen der „Green Economy“ zu, etwa ebenso viele sehen sich in einer besonderen Verantwortung als Social Entrepreneur – ebenfalls mit stark steigender Tendenz. „Neben den ökonomischen Motiven werden umweltspezifische sowie soziale Ziele im Start-up-Ökosystem immer wichtiger“, heißt es in der Studie.

    Dass die meisten ESG-Anleger gleichwohl keine puren Sozialromantiker sind, weiß Rüschen und sagt: „Es wird meistens eine Rendite mindestens auf dem Niveau sonstiger Investments erwartet. Glücklicherweise lehrt die Erfahrung aber, dass bei nachhaltig geführten Unternehmen eher sogar höhere Renditen zu erwarten sind als in klassischen Anlageklassen.“ Rechtsanwalt Bub sagt, Nixdorf werde zeigen, dass „es mit klugen Ideen gelingt, angemessene Renditen zu erzielen und einen Beitrag zu Nachhaltigkeit zu leisten“.

    Vytal hat ein Mehrweg-Kreislaufsystem für die Gastronomie entwickelt. Der Nixdorf Kapital Impact Fund unterstützt das Start-up. imago images/photothek

    Logo der App Vytal

    Vytal hat ein Mehrweg-Kreislaufsystem für die Gastronomie entwickelt. Der Nixdorf Kapital Impact Fund unterstützt das Start-up.

    Erste Investments hat Nixdorf bereits getätigt: So stieg der Nixdorf Kapital Impact Fund indirekt beim Start-up Vytal ein, das ein per App gesteuertes Mehrweg-Kreislaufsystem für die Gastronomie entwickelt hat. Auch einen ersten Fonds zum Thema altersgerechtes Wohnen gibt es nach der Zertifizierung durch die Bafin bereits. Ein anderer Fonds ist in Planung, der in die Aufforstung von Wäldern in Afrika investieren wird.

    Dagmar Nixdorf sieht sich mit ihrem Engagement ganz in der Tradition ihres Onkels Heinz. Der hatte einst einen der größten europäischen Computerbauer erschaffen, der 1988 zu den Gründungsmitgliedern des Dax gehörte und zwischenzeitlich Milliardenumsätze erzielte. Von dem einstigen Firmenimperium sind nur noch Teile geblieben. Siemens übernahm die Firma, ehe die Computersparte an Fujitsu weitergereicht wurde. Der Firmenname Nixdorf besteht indes bis heute fort, unter anderem beim ausgegliederten Geldautomaten-Spezialisten Wincor Nixdorf.

    Das moralische Vermächtnis ihres Onkels, sagt Dagmar Nixdorf, lebe mit der Nixdorf Kapital AG weiter. „Ich fühle mich einem der Leitsätze meines Onkels verpflichtet, der lautet: ,Vor dem Himmel kommt das Leben auf Erden, und da gilt es, eine soziale Gesellschaft aufzubauen.‘“

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