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22.06.2022

15:11

Neue EU-Richtlinie

Mehr Transparenz für Kunden: Empfehlungen von Finanzberatern müssen nun überprüfbar sein

Von: Dirk Wohleb

Ein neues Gesetz will die Qualität von Bewertungen im Internet verbessern. Finanzberater müssen angeben, ob sie diese kontrollieren und wie sie das tun.

Bewertungen sind oft Fake, Finanzberater müssen sie nun prüfen. Getty Images

Finanzen im Internet

Bewertungen sind oft Fake, Finanzberater müssen sie nun prüfen.

Köln Die Coronapandemie hat den Wandel der Finanzbranche beschleunigt. Die Beratung per Video oder App hat sich durchgesetzt. Ohne Digitalisierung ist ein Finanzberater heute nicht wettbewerbsfähig. Das zeigt sich auch daran, dass 92 Prozent der Anleger online nach Finanzdienstleistungen suchen. Um den passenden Anbieter zu finden, achten dabei viele auf die Meinung anderer Kunden. So wie das auch bei Restaurants oder Hotels der Fall ist.

Doch bei digitalen Bewertungen von Finanzdienstleistern war bislang Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Gefakte Bewertungen, die sich von spezialisierten Anbietern im Paket kaufen lassen, sind die Regel. Das war der Europäischen Union schon länger ein Dorn im Auge. Sie hat eine Richtlinie verabschiedet, die gefälschte Bewertungen verhindern oder zumindest stark reduzieren soll. Sie will damit die Position von Verbrauchern stärken und die Zahl gefälschter Bewertungen deutlich reduzieren.

Deutschland hat die Richtlinie umgesetzt. Am 28. Mai 2022 trat das „Gesetz zur Stärkung des Verbraucherschutzes im Wettbewerbs- und Gewerberecht“ in Kraft. Geändert wird dadurch auch Paragraf 5b des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Das hat für Finanzberater Folgen, die sie beachten müssen.

Seit 28. Mai müssen Finanzdienstleister wie andere Unternehmen darüber informieren, ob sie die Echtheit von Kundenurteilen im Internet kontrollieren und welche Kriterien sie dabei anwenden.

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    „Wer die Bewertungen nicht prüft, muss Farbe bekennen. Ich rechne damit, dass sich in Zukunft die Prüfung von Bewertungen auf breiter Front durchsetzen wird“, sagt Axel von Walter, Experte für Wettbewerbsrecht und Partner bei der Wirtschaftskanzlei GvW Graf von Westphalen in München. Kein Anbieter könne es sich in Zukunft erlauben, Bewertungen ohne Prüfung zu verwenden. Sonst steht er im Verdacht, gefälschte Empfehlungen zu veröffentlichen.

    „Wenn die Angabe fehlt, ob die Bewertung überprüft wurde oder nicht, droht eine Abmahnung durch Konkurrenten, Verbraucherschützer oder andere Verbände“, sagt von Walter. Dabei können schnell Abmahnkosten in vierstelliger Höhe anfallen. Stimmt der Abgemahnte zu oder kommt es zu einem gerichtlichen Verbot, darf ein Anbieter nicht mehr mit den Bewertungen werben, ohne auf die fehlende Prüfung der Echtheit hinzuweisen.

    Zudem müssen Unternehmen offenlegen, nach welchen Kriterien sie die Bewertungen kontrolliert haben. Sie müssen letztlich wirksame Maßnahmen ergreifen, um gefälschte Bewertungen zu verhindern. Verbindliche Standards, was das konkret im Arbeitsalltag bedeutet, fehlen aber noch. Erst in den kommenden Jahren wird es dazu entsprechende Urteile von Gerichten geben.

    Unabhängige Kontrolle von Kundenbewertungen

    Insbesondere wenn ein Berater Bewertungen direkt auf der eigenen Seite verwendet, muss er angeben, ob er sie kontrolliert hat. Wenn ein Berater auf einer Plattform bewertet wird, steht er nicht in der Pflicht. Das ist dann die Aufgabe der Plattform. So wie das bei der Berater- und Bewertungsplattform Whofinance der Fall ist: „Wir haben seit unserer Gründung jede einzelne Bewertung überprüft, bevor sie veröffentlicht wird“, sagt Gründer und Geschäftsführer Mustafa Behan.

    Der bewertete Berater bekomme die Bewertung nicht zu sehen und könne daher auch keinen Einfluss nehmen. „Bei Zweifeln an einer Bewertung veröffentlichen wir sie nicht. Das ist bei 20 bis 30 Prozent der Bewertungen der Fall“, erklärt Behan. Zu den Details der Prüfung will sich Behan nicht äußern, schließlich sei das Teil seines Geschäftsgeheimnisses, sagt aber, dass sich Fake-Bewertungen durch Algorithmen erkennen ließen. Insgesamt hat das Portal bisher zwei Millionen Kundenbewertungen von rund 100.000 Beratern auf ihre Richtigkeit überprüft. „Wenn eine Bewertung gleich auf dem Portal ohne Zeitverzögerung veröffentlicht wird, ist das ein Hinweis, dass die Bewertung nicht geprüft wurde“, betont Behan.

    Die Qualität der Bewertungen wird mit dem neuen Gesetz zunehmen, davon ist Wettbewerbsexperte von Walter überzeugt: „Die Zahl der Fake-Bewertungen, die früher bei spezialisierten Anbietern bestellt werden konnten, wird stark zurückgehen.“ Er rechnet auch damit, dass sich die Methoden zur Überprüfung von digitalen Bewertungen in Zukunft stark verbessern werden und sich Fälschungen leichter erkennen lassen.

    Kundenurteile werden mit der Digitalisierung wichtiger

    Das ist wichtig angesichts der steigenden Bedeutung von Kundenbewertungen im Internet auch für Finanzfragen. „Unsere Kunden werden zunehmend digitaler. Die Sichtbarkeit der Finanzberaterinnen und Finanzberater auf Bewertungsplattformen haben eine herausragende Bedeutung gewonnen“, sagt Renato Favro, Sprecher des Vorstands der Postbank Finanzberatung.

    Bei der Deutschen Bank Finanzberatung sind selbstständige Finanzberater tätig. „Die Umsetzung der Regelungen obliegt jeder Finanzberaterin und jedem Finanzberater selbst. Wir haben die selbstständigen Finanzberater ausführlich zu diesem Thema informiert und die Neuregelungen sowie daraus resultierende Handlungsempfehlungen kommuniziert“, sagt Mathias Lüdtke-Handjery, Geschäftsführer der Deutschen Bank Finanzberatungsgesellschaft.

    Er verspricht sich einen positiven Effekt der neuen Regelung für die gesamte Branche: „Gerade im Bereich der Finanzdienstleistungen sollten Onlinebewertungen geprüft sein, um dem Kunden eine echte Entscheidungshilfe zu bieten.“

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