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15.07.2020

15:11

Tesla

Elon Musk wird zum Schrecken aller Shortseller

Von: Jürgen Röder, Andreas Neuhaus

Die Tesla-Aktie wird durch ihre aktuelle Rally zum Milliardengrab für Shortseller. Elon Musk rechnet aber auf ganze eigene Weise mit den Hedgefonds ab.

An der Börse scheint der Elektroautopionier derzeit nicht zu stoppen. Reuters

Tesla-CEO Elon Musk

An der Börse scheint der Elektroautopionier derzeit nicht zu stoppen.

Düsseldorf Anfang Juli erlaubte sich Tesla-CEO Elon Musk einen kleinen Scherz. Plötzlich gab es im Onlineshop des Elektroautopioniers rote Satin-Hotpants mit einem goldenen Tesla-Logo zu kaufen. Mit diesen „Short Shorts“ rechnete er auf ganz eigene Weise mit Shortsellern ab, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Für sie hatten sich diese Wetten in ein Milliardengrab verwandelt.

In diesem Jahr haben Hedgefonds mit ihren Short-Wetten auf Tesla einen Verlust von mehr als 23 Milliarden Dollar eingefahren, hat der US-Finanzdatenanbieter S3-Partners anhand von Brokerdaten errechnet. Ein nicht näher bestimmter Anteil sind allerdings Buchverluste, wurden also noch nicht realisiert.

Die Verluste könnten bald noch anwachsen. Denn für den Kurs der Aktie scheint es derzeit keine Grenzen zu geben. Der Analyst Alexander Potter von Piper Sandler erhöhte jüngst sein Kursziel auf 2322 Dollar. Aktuell notieren die an der Nasdaq gelisteten Papiere bei rund 1500 Dollar – das wäre ein weiteres Plus von 55 Prozent.

Tesla ist schon lange ein Lieblingsziel von Hedgefonds. Sie zweifeln am Erfolg des Konzerns und setzen konsequent mit Leerverkäufen auf fallende Kurse.

Bei Leerverkäufen leiht sich ein Investor gegen eine Gebühr Aktien, die er für überbewertet hält. Anschließend verkauft er die Titel am Markt. Sinkt der Aktienkurs wie geplant, kann er die Papiere später zu einem günstigeren Kurs zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben. Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem niedrigeren Rückkaufskurs streicht er als Profit ein.

Auf diese Weise hatten Hedgefonds Anfang Januar dieses Jahres laut S3-Partners 26 Millionen Tesla-Aktien leer verkauft, damals rund 20 Prozent aller Firmenanteile im Streubesitz. Nachdem sich die Tesla-Papiere binnen eines halben Jahres auf rund 450 Dollar verdoppelt hatten, rechneten sie mit einem Kursrückgang.

Das Problem: Die Tesla-Aktie stieg entgegen ihren Erwartungen weiter. Ende Februar knackte sie sogar die 900-Dollar-Marke. Das ist das Risiko von Shortsellern: Erfüllen sich ihre Erwartungen nicht, müssen sie das Papier irgendwann zu einem höheren Kurs kaufen und an den Verleiher zurückgeben. Damit machen sie Verluste.

Zwar brach die Tesla-Aktie im Coronacrash tatsächlich ein auf rund 430 Dollar, die Shortseller bauten anschließend aber ihre Positionen auf rund 20 Millionen leer verkaufte Aktien aus, nachdem sie ihre Wetten zwischenzeitlich schon um zehn Millionen Aktien auf 16 Millionen verringert hatten.

Hedgefonds versuchen, Verluste zu begrenzen

Stand heute eine teure Fehlentscheidung: Die Tesla-Aktie fiel nicht weiter, sondern katapultierte sich binnen vier Monaten um 250 Prozent in die Höhe auf aktuell rund 1500 Dollar.

Seitdem versuchen die Shortseller, ihre Wetten zu reduzieren und die Verluste zu begrenzen. Ihr Problem ist, dass sie so viele Tesla-Aktien zurückkaufen müssen, um ihre Wetten zu schließen, dass sie dadurch den Tesla-Kurs immer weiter nach oben treiben und den Verlust für die noch offenen Wetten vergrößern. Fachleute nennen das einen Short-Squeeze, einen plötzlichen rasanten Kursanstieg, ohne dass sich fundamentale Werte geändert haben.

So gelang es den Shortsellern seit Anfang April, ihre Position von 20 Millionen auf 14 Millionen leer verkauften Aktien zu reduzieren. Allerdings mussten sie dafür sechs Millionen Aktien bei steigenden Kursen zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben – sehr wahrscheinlich mit horrenden Verlusten.

Shortseller halten noch 14 Millionen Aktien

Wollen die Hedgefonds ihre Wetten endgültig schließen, würden sich diese Verluste nach aktuellem Stand weiter vergrößern. Denn sie müssten noch weitere 14 Millionen Tesla-Aktien kaufen. Das entspricht laut S3-Partners rund neun Prozent aller Tesla-Papiere im Streubesitz.

Bereits in der Vergangenheit haben Hedgefonds mit Wetten auf fallende Kurse offenbar viel Geld verloren. So shortete Whitney Tilson mit seinem Hedgefonds Kase Capital die Tesla-Aktie 2014 genau zur falschen Zeit – das Papier des Autobauers schoss kurz darauf 40 Prozent in die Höhe. Im Herbst 2017 wurde der Hedgefonds nach weiteren Misserfolgen liquidiert.

Der Börsenexperte lag mit seinen Wetten auf fallende Tesla-Kurse daneben. Reuters

David Einhorn

Der Börsenexperte lag mit seinen Wetten auf fallende Tesla-Kurse daneben.

Und der Hedgefonds Greenlight Capital meldete im ersten Halbjahr 2018 aufgrund riskanter Wetten auf einen Kursverfall des Elektroauto-Herstellers einen Verlust von 18,3 Prozent. Das musste Fondsmanager David Einhorn in einem Brief an seine Anleger eingestehen.

Der Börsenexperte ist einer der Großen in der Branche. An der Wall Street nannte man es „Einhorn-Effekt“, wenn Einhorn öffentlich machte, dass er gegen eine Aktie wettete, und daraufhin deren Kurs einbrach. Doch im Fall Tesla lag er falsch und blieb auch uneinsichtig. An seinem pessimistischen Ausblick für Tesla hielt der Milliardär zum damaligen Zeitpunkt fest, bei einem Kurs von rund 300 Dollar.

Elon Musk nahm das zum Anlass, Einhorn „Short Shorts“ von Tesla zu schicken. An die ist es mittlerweile nicht mehr so leicht ranzukommen: Die erste Kollektion war binnen weniger Tage ausverkauft.

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