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27.12.2017

15:10

Anlegen 2018 - Teil 7 Aktien Skandinavien

Nordische Aktienmärkte leuchten

Von: Helmut Steuer

Den europäischen Märkten droht ein Kurswechsel. In Skandinavien scheint das anders: Analysten sind nach Zuwächsen auch für 2018 optimistisch. Im Fokus: Die Baubranche – und ein Unternehmen, das mit Leergut Geld verdient.

Anlegen 2018: Nordische Aktienmärkte leuchten dpa

Der Hauptindex an der Osloer Börse legte in diesem Jahr um 18 Prozent zu.

StockholmDas nahezu abgelaufene Jahr hat sich für Anleger in nordeuropäische Aktien gelohnt. Während die Hauptindizes in Helsinki um sieben Prozent und in Stockholm um acht Prozent zulegten, verzeichnete Kopenhagen ein Plus von 16 Prozent, Oslo sogar von 18 Prozent. Doch es gab auch schlechte Nachrichten: In Finnland war es vor allem der Kurssturz des einstigen Handy-Weltmarktführers und heutigen Netzausrüsters Nokia, der den Anlegern zu schaffen machte, in Schweden waren es der Telekomkonzern Ericsson und die Modekette H&M, die den Index deutlich nach unten zogen.

Interessanter als der Blick zurück sind die Aussichten für 2018. Welche Branchen, welche Aktien werden im kommenden Jahr zu den Gewinnern gehören? Die Analysten der großen nordeuropäischen Banken glauben generell an ein weiteres gutes Jahr an der Börse. „Insgesamt haben wir eine positive Sicht auf den Aktienmarkt 2018“, sagt Mikael Wik, Aktienanalyst bei der schwedischen Bank Swedbank. Er hebt aber auch einen warnenden Zeigefinger. „Uns ist gleichzeitig bewusst, dass die Börse nach einem langen Aufwärtstrend vermutlich in der letzten Phase ist und sich das Szenario schnell verändern kann“.

Als Investor sollte man die unsichere politische und geopolitische Lage im Auge behalten, mahnt er. Swedbank hat für das kommende Jahr europäische Aktien auf „neutral“ heruntergestuft. Amerikanische und schwedische Aktien werden dagegen übergewichtet.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Die schwedische Bank SEB geht davon aus, dass trotz guter wirtschaftlicher Eckdaten im Norden Europas das Potenzial für größere Kursanstiege erschöpft sein kann, da die Kurse vieler Unternehmen bereits Höchststände in diesem Jahr erreicht haben. SEB-Analyst Roger Törnkvist sieht dennoch Chancen für Anleger. „Bei der Suche nach Rendite sehen wir ein gestiegenes Interesse nach Aktien von Unternehmen, die eine gute Dividende zahlen“, sagt der Experte. „Und hier ist die Stockholmer Börse besonders interessant“.

Bei den Großbanken Nordea, Handelsbanken, Swedbank und auch bei seinem Arbeitgeber SEB erwartet Törnkvist für 2018 in etwa doppelt so hohe Ausschüttungen wie im Börsendurchschnitt. Die Bewertung der Banken sei ungewöhnlich niedrig, gleichzeitig ist der Dividendenanteil am Gewinn hoch.

Zu den Branchen, denen auch 2018 gute Wachstumschancen eingeräumt werden, zählt seiner Ansicht nach auch die Bauindustrie, die von den Wohnungsbauprogrammen der Regierung profitiert. Und das trotz jüngster Meldungen auf dem Wohnungsmarkt: Erstmals seit vielen Jahren sind die Preise für Wohnungen und Häuser in den Großstadtregionen leicht gefallen. Auch die SEB geht von fallenden Immobilienpreisen im ersten Halbjahr 2018 aus. Allerdings rechnet die Bank 2019 wieder mit steigenden Preisen. „Wir gehen nicht von einem kräftigen Preisfall aus und sehen mehrere Bauunternehmen als interessant an“, so Törnkvist.

Das gilt insbesondere für die an der Stockholmer Börse notierten Konzerne Bravida und Skanska, teilweise auch für NCC. Eine dritte Branche, in der es Unternehmen mit hohen Dividendenausschüttungen gibt, ist die Telekombranche. Hier gelten die schwedisch-finnische Telia und die norwegische Telenor als interessante Anlagen. „Telias Ambition, sich aus dem eurasischen Raum mit Ländern wie Usbekistan, Kasachstan und anderen zurückzuziehen und den Fokus auf Übernahmen im Norden zu legen, hat das Risiko in dem Unternehmen verringert. Das kann den Aktienkurs beflügeln“, sagt Törnkvist.

Anlegen 2018 - Teil 6 Anleihen: Schwellenländer: In der Ferne locken noch Zinsen

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In der Ferne locken noch Zinsen

Anleiheanleger müssen risikofreudiger werden, wenn sie noch Geld verdienen wollen. Wo lauert noch Renditepotenzial? Chancen sehen Experten bei Bonds aus den Emerging Markets, vor allem in lokalen Währungen.

In Dänemark gilt unter Analysten der Insulinhersteller Novo Nordisk als weiterhin interessante Anlage. Zwar ist der Kurs seit Jahresanfang um über 40 Prozent gestiegen, doch Analysten sehen weiteres Aufwärtspotenzial. Denn der weltgrößte Insulinhersteller forscht an einem oral einzunehmenden Insulinmedikament. Erste Studien sehen erfolgsversprechend aus. Diabetiker könnten bei einem endgültigen Erfolg auf das umständliche Spritzen von flüssigem Insulin verzichten. Die Schweizer UBS hat deshalb eine Kaufempfehlung für die Novo-Nordisk-Aktie ausgesprochen. So ganz einig sind sich die Experten allerdings nicht. So rät die deutsche DZ Bank zum „Verkaufen“, da sie den Insulinmarkt vor allem in den USA unter Preisdruck sieht.

In Norwegen sehen Analysten noch Potenzial bei Tomra. Das Unternehmen ist weltweit führend bei Leergut-Rücknahme-Systemen. Allein in Deutschland hat der Hersteller mehr als 30.000 Automaten für Mehrwegflaschen, Dosen und Kunststoffflaschen aufgestellt. Was das vor über 40 Jahren gegründete Unternehmen von seinen Konkurrenten unterscheidet, ist das komplette Produktsortiment. Der unabhängige Aktienanalyst Marcus Hernhag sieht Aufwärtspotenzial in der Tomra-Aktie. Auch, weil die Rücknahmeautomaten alle acht bis zehn Jahre ausgetauscht werden müssen und außerdem immer mehr Länder ein Pfandsystem einführen.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

28.12.2017, 14:10 Uhr

In meinem Kommentar zu http://www.handelsblatt.com/politik/international/brexit-niederlage-im-parlament-aufstand-gegen-theresa-may/20711232.html (und auch im Gästebuch der letzten „hart aber fair“-Sendung, https://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/gaestebuch/index.html) schrieb ich, dass im Leben - und folglich auch in einer echten Demokratie - nichts einfach sei.

Dies gilt im Zeitalter der Globalisierung naturgemäß mehr denn je - vom "hohen Norden" bis in den "tiefen Süden" und in alle Richtungen.

Bestes Beispiel: http://www.handelsblatt.com/my/meinung/kommentare/kommentar-zu-palmoel-das-fluessige-gold/20792710.html

Hoffentlich wird dieser Kommentar gerade von den bei der EU hierfür „Verantwortlichen“ genauestens gelesen - und vor allem aufs Eingehendste bedacht.

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