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21.04.2022

12:16

Auslandsbanken

Die alte Gefahr kehrt zurück: Griechischen Banken drohen neue Kreditausfälle

Von: Gerd Höhler

Noch kämpfen die Hellas-Banken mit den Folgen der Schuldenkrise, da drohen schon neue Risiken. Dabei sind Kreditausfälle das Letzte, was die Geldhäuser jetzt brauchen.

Die griechischen Geldhäuser haben die NPE-Quote zuletzt auf beachtliche Art und Weise gesenkt. Doch die Energiekrise ruft neue Sorgen hervor. Bloomberg

Platon-Statue und eine griechische Flagge über Athen

Die griechischen Geldhäuser haben die NPE-Quote zuletzt auf beachtliche Art und Weise gesenkt. Doch die Energiekrise ruft neue Sorgen hervor.

Athen Griechenlands Banken haben eine lange Durststrecke hinter sich. Nach der Staatsschuldenkrise saßen die vier systemischen Institute – Alpha Bank, Eurobank, National Bank of Greece und Piraeusbank – auf einem Berg fauler Kredite.

Jetzt kommen neue Turbulenzen auf die Branche zu. Der Krieg in der Ukraine und die stark steigenden Energiekosten könnten dazu führen, dass erneut viele Darlehen nicht mehr bedient werden. Neue Kreditausfälle würden die schon jetzt strukturell problematische Kapitalisierung der Banken weiter schwächen.

Die achtjährige Rezession, die Griechenland zwischen 2008 und 2015 mehr als ein Viertel seiner Wirtschaftskraft kostete, trieb viele Schuldner in die Zahlungsunfähigkeit. Auf dem Höhepunkt der Krise erreichte die Quote der notleidenden oder akut ausfallgefährdeten Forderungen (NPE) mehr als 50 Prozent.

Mit Abschreibungen, Restrukturierungen und dem Verkauf notleidender Darlehen haben die Banken die NPE im vergangenen Jahr von 47,2 auf 18,4 Milliarden Euro heruntergefahren. Das ist zwar ein beachtlicher Erfolg. Aber mit 12,8 Prozent lag der Anteil der notleidenden Forderungen Ende 2021 immer noch beim Sechsfachen des europäischen Durchschnitts von 2,1 Prozent.

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    Die griechischen Banken wollen die Quote bis spätestens Ende 2024 unter fünf Prozent drücken. Das versprechen die Institute in ihren jüngsten Dreijahres-Geschäftsplänen, die sie kürzlich der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgelegt haben. Allerdings ist fraglich geworden, ob sie das einhalten können.

    Denn nach der Pandemie, die Griechenlands Wirtschaft 2020 um neun Prozent schrumpfen ließ, wirft nun die Energiekrise die Banken bei der Sanierung ihrer Bilanzen erneut zurück. Zentralbankgouverneur Yannis Stournaras warnte jetzt anlässlich der Vorlage seines jüngsten Jahresberichts eindringlich vor „erheblichen Herausforderungen“, die auf die Banken zukommen. „Ständige Wachsamkeit und entschlosseneres Handeln“ seien geboten, um neuen Kreditrisiken zu begegnen und die Kapitalisierung der Banken zu stärken, mahnt Stournaras in seinem Bericht.

    Beeindruckende Fortschritte – und neue Probleme

    Besondere Sorge bereiten dem Zentralbankchef Darlehen im Umfang von 15,3 Milliarden Euro, die in den vergangenen Jahren restrukturiert wurden. „Ein erheblicher Anteil dieser Kredite könnte im Verlauf des Jahres 2022 notleidend werden“, heißt es im Bericht der Notenbank.

    Schon vor dem Beginn des Ukrainekriegs seien viele Schuldner bei der Bedienung ihrer Darlehen wieder in Verzug geraten, stellt die Zentralbank fest. Jetzt könnten die enorm steigenden Energiekosten und das abgeschwächte Wirtschaftswachstum zu weiteren Zahlungsausfällen führen.

    Der Zentralbankgouverneur warnt vor „erheblichen Herausforderungen“ für den griechischen Bankensektor. Reuters

    Yannis Stournaras

    Der Zentralbankgouverneur warnt vor „erheblichen Herausforderungen“ für den griechischen Bankensektor.

    Dabei haben die griechischen Banken beim Abbau der Problemkredite besonders im vergangenen Jahr beeindruckende Fortschritte erzielt. Alpha Bank und Piraeusbank konnten die NPE-Quote seit 2020 von rund 45 auf 13 Prozent senken. Eurobank und National Bank liegen bei weniger als sieben Prozent.

    Die Konsolidierungserfolge sind auch dem Umstand zu verdanken, dass die Banken die Covid-Rezession besser als erwartet überstanden haben. Die anfangs befürchtete große Welle neuer Kreditausfälle blieb aus. Nach jüngsten Schätzungen sind infolge der Pandemie Forderungen von rund fünf Milliarden Euro notleidend geworden, gegenüber anfangs erwarteten acht bis zehn Milliarden.

    Das war vor allem staatlichen Hilfen zu verdanken. Mit dem Programm „Gefyra“ (Brücke) subventionierte der Finanzminister private Schuldner, Selbstständige, Unternehmen und Landwirte, die infolge der Pandemie ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten. Auch die Banken kamen vielen klammen Kreditkunden mit Ratenpausen und gestreckten Tilgungen entgegen.

    Doch diese Subventionen und Moratorien laufen jetzt aus. In Bankkreisen rechnet man damit, dass etwa zehn bis 20 Prozent der betroffenen Darlehen notleidend werden. Wenn es bei den exorbitanten Energiekosten bleibt, könnten weitere Unternehmen, aber auch private Haushalte Schwierigkeiten bekommen, ihre Darlehen zu bedienen.

    Das strukturelle Problem im Bankensektor

    Eine neue Welle von Kreditausfällen ist das Letzte, was die griechischen Banken jetzt brauchen. Die vier systemischen Institute mussten im Verlauf der Schuldenkrise bereits dreimal rekapitalisiert werden, auch mit öffentlichen Geldern. Seitdem hat die Konsolidierung der Kreditbücher durch Rückstellungen und Abschreibungen wieder viel Kapital gekostet.

    Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Banken Nettoverluste von kumulativ 4,7 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote (CET1) der vier systemischen Banken ging im Branchendurchschnitt 2021 gegenüber dem Vorjahr von 15 auf 12,6 Prozent zurück.

    Damit erfüllen sie zwar die Mindestanforderungen. Aber es gibt ein strukturelles Problem: 64 Prozent des Eigenkapitals entfallen auf latente Steuergutschriften aus Verlustvorträgen. Sollten neue Abschreibungen fauler Kredite fällig werden, würde der Anteil dieser „weichen“ Komponente am Eigenkapital der Banken weiter steigen.

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