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13.10.2022

15:01

Ausschuss für Finanzstabilität

Expertenrat warnt vor „Verwundbarkeiten“ im deutschen Finanzsystem

Von: Andreas Kröner

Die Finanzaufseher fordern die Banken auf, sich auf Rückschläge einzustellen. Höhere Kapitalanforderungen für Geldhäuser bleiben bis auf Weiteres bestehen.

Der Ausschuss für Finanzstabilität fordert Banken auf, Risiken konservativ zu bewerten und ausreichend Risikovorsorge zu bilden. Getty Images News/Getty Images

Frankfurter Bankenzentrum

Der Ausschuss für Finanzstabilität fordert Banken auf, Risiken konservativ zu bewerten und ausreichend Risikovorsorge zu bilden.

Frankfurt Die deutschen Finanzaufseher rufen die Geldhäuser wegen der hohen Inflation und einer drohenden Rezession zu erhöhter Vorsicht auf. „Das eingetrübte makroökonomische Umfeld trifft auch im deutschen Finanzsystem auf Verwundbarkeiten“, warnte der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) am Donnerstag.

„Angesichts der Gefahr weiterer Korrekturen von Vermögenspreisen, großer Unsicherheit und eines drohenden Anstiegs von Kreditausfällen ist es aus Sicht des AFS wichtig, dass alle Finanzmarktakteure eine hohe Resilienz gegenüber adversen Entwicklungen erhalten.“ Dem Expertengremium gehören Vertreter von Bundesfinanzministerium, Bundesbank und der Finanzaufsicht Bafin an.

Der AFS hatte Anfang des Jahres beschlossen, dass Banken in Deutschland bis Februar 2023 einen sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer aufbauen sollen. Das bedeutet, dass Geldhäuser über die normalen Anforderungen hinaus Eigenkapital für ihre Geschäfte zurücklegen müssen. Für ihre risikogewichteten Vermögenswerte sollen die Institute 0,75 Prozentpunkte zusätzlich vorhalten, für Baufinanzierungen sogar 2,75 Prozentpunkte.

Durch die neuen Vorgaben müssen die Banken insgesamt 22 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital beiseitelegen. Aus Sicht von Experten trägt dies dazu bei, dass Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger sind beziehungsweise höhere Zinsen verlangen – besonders bei Baufinanzierungen.

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    In der Bankenbranche wurden zuletzt die Forderungen lauter, auf die Einführung der zusätzlichen Kapitalpuffer angesichts der drohenden Rezession zu verzichten. Auch in der Bundesregierung haben manche die Befürchtung, dass die Aktivierung der Puffer im Februar 2023 prozyklisch und nicht wie eigentlich gedacht antizyklisch wirken würde.

    Allein die Kreditvergabemöglichen der Sparkassen würden durch die Maßnahmen um rund 200 Milliarden Euro eingeschränkt, sagte Sparkassenpräsident Helmut Schleweis Anfang der Woche im Handelsblatt-Interview. „Wenn man jetzt durch den antizyklischen Kapitalpuffer die Spielräume verengt, dann verschärft das die Krise.“

    „Erhöhte Bedrohungslage durch Cyberangriffe“

    Der Ausschuss für Finanzstabilität beurteilt die Lage anders. Das Anfang 2022 verkündete Maßnahmenpaket sei ein „wichtiger Beitrag, um die Widerstandsfähigkeit der deutschen Finanzinstitute zu bewahren und zu erhöhen“, erklärte er. Es trage dazu bei, „dass das Finanzsystem auch bei krisenhaften Entwicklungen seine Funktionen erfüllen kann“.

    Darüber hinaus weist der AFS darauf hin, dass die Kreditvergabe seit Jahresbeginn trotz der geplanten Einführung der Puffer gestiegen ist. Das Gremium lässt sich jedoch ein Hintertürchen offen, seine Entscheidung noch mal zu revidieren. „Bei Bedarf kann die Bafin Puffer kurzfristig anpassen“, betont der AFS. Aktuell sei dies aber nicht angezeigt.

    Ende September hatte bereits der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) vor einer „Reihe schwerwiegender Risiken für die Finanzstabilität“ gewarnt. Der AFS teilt diese Sorgen. „In Deutschland wird die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nach dem Coronaschock nun auch durch den Angriffskrieg gegen die Ukraine, Störungen in den globalen Lieferketten, Unsicherheiten in Bezug auf die Energieversorgung und geopolitische Entwicklungen belastet“, erklärte das Gremium.

    Die ökonomische Unsicherheit sei groß, die Aussichten für das Wirtschaftswachstum trübten sich ein. Gleichzeitig stiegen die Preise für Energie und viele andere Waren und Dienstleistungen so schnell wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. „Dies ist nicht nur für Unternehmen der energieintensiven Branchen, sondern zunehmend auch für den Unternehmenssektor in der Breite mit signifikanten wirtschaftlichen Abwärtsrisiken verbunden“, erklärte der AFS.

    Die Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds könne nicht nur zu mehr Kreditausfällen, sondern auch zu weiteren Preiskorrekturen von Vermögenswerten führen. Darüber hinaus bestehe „eine erhöhte Bedrohungslage durch Cyberangriffe“.

    Die deutschen Finanzinstitute seien insgesamt gut kapitalisiert, müssten sich aber „auf die signifikant veränderte Risikolage einstellen“, fordert das Gremium. Die Banken müssten Risiken konservativ bewerten und ausreichend Risikovorsorge bilden, „um mögliche Rückschläge in einem herausfordernden Umfeld besser verkraften zu können“.

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