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04.04.2022

07:34

B2B-Fintechs

20-Jähriger erhält 15 Millionen Euro für neues Fintech Lemon Markets

Von: Larissa Holzki, Dennis Schwarz

Im vergangenen Jahr waren junge Fintechs einer der größten Hypes im Wagniskapitalgeschäft. Der Boom setzt sich nun in einem speziellen Segment fort.

Florian Werner, Max Linden und Matias Bonet (v. l.): Schon vor der Finanzierungsrunde hatten namhafte Investoren zuletzt Geld in junge B2B-Fintechs aus dem deutschsprachigen Raum gesteckt. lemon.markets

Lemon Markets

Florian Werner, Max Linden und Matias Bonet (v. l.): Schon vor der Finanzierungsrunde hatten namhafte Investoren zuletzt Geld in junge B2B-Fintechs aus dem deutschsprachigen Raum gesteckt.

Düsseldorf, Frankfurt Max Linden ist 20 Jahre alt, hat gerade nach vier Semestern sein VWL-Studium abgebrochen und erhält jetzt 15 Millionen Euro. Investoren der Risikokapitalgeber Lakestar, Lightspeed und Creandum trauen ihm zu, ein neues Finanztechnologie-Unternehmen (Fintech) von enormer Größe zu erschaffen. „Wir wollen einen integralen Teil der Kapitalmarktinfrastruktur für Europa bauen“, sagt Linden über sein Start-up Lemon Markets.

Konkret will Lemon Markets anderen Unternehmen ermöglichen, Wertpapierhandel anzubieten und selbstständig durchzuführen. Die Berliner Firma könnte also die digitale Infrastruktur für andere Finanzdienstleister liefern, aber auch für große Unternehmen anderer Branchen, die ihre Cash-Reserven intelligent anlegen wollen. Dax-Konzerne etwa könnten dann auch selbst ihr Geld verwalten.

15 Millionen Euro sind viel für eine Firma im Frühstadium. Doch Geschäftsmodelle wie das von Lemon Markets sind genau das, was Wagniskapitalinvestoren derzeit suchen: Fintechs sind spätestens seit 2021 der absolute Boom-Markt. Allein in Deutschland wurden laut Comdirect und Barkow Consulting 4,6 Milliarden Euro in deutsche Finanztechnologie-Firmen investiert.

Viel spricht dafür, dass sich die Investments jetzt noch stärker auf die B2B-Anbieter in dem Segment konzentrieren – also Firmen mit einem Fokus auf Geschäftskunden (business-to-business).

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    Über die Tendenz wird zwar schon seit Jahren gesprochen. Doch dann hatte der Hype um Trading-Plattformen für Endkunden in der Pandemie alles überlagert. Jetzt aber könnte sich der Markt tatsächlich drehen.

    Namhafte Investoren setzen auf Firmen, die im Hintergrund operieren

    Schon vor der Finanzierungsrunde von Lemon Markets haben zuletzt namhafte Investoren Geld in junge B2B-Fintechs aus dem deutschsprachigen Raum gesteckt: So investiert etwa der bekannte US-Investor Andreessen Horowitz in Payrails, ein Betriebssystem für den internationalen Zahlungsverkehr bei E-Commerce-Anbietern. Dafür gab es knapp sechs Millionen Euro.

    Index Ventures mit Sitz in San Francisco und London hat vier Millionen Euro Startkapital in Topi investiert. Die Gründerinnen Estelle Merle und Charlotte Pallua wollen den Zahlungsverkehr zwischen Unternehmen vereinfachen. Und Top-Investor Sequoia setzt auf Yokoy: Die erst drei Jahre alte Schweizer Plattform für Ausgaben- und Spesenmanagement erhielt jüngst 72,5 Millionen Euro.

    Dagegen sind Runden zur Finanzierung konsumentenorientierter Fintechs (B2C) rarer geworden. Das gilt für junge wie reifere Firmen. Die Bewertungen für die Smartphonebank N26 (neun Milliarden Dollar) oder den Neobroker Trade Republic (fünf Milliarden Dollar) aus dem vergangenen Sommer stehen durch die aktuelle Marktentwicklung gar infrage.

    2022 startete mit anderen Vorzeichen: Anfang des Jahres stürzten weltweit wachstumsorientierte Technologie-Aktien ab: Die Aussicht auf höhere Zinsen in den USA veranlasste Investoren, Geld in andere, unterbewertete Segmente umzuschichten. Dann folgten der russische Angriff auf die Ukraine, die Sanktionen und damit viele Unwägbarkeiten.

    Neue Start-ups haben bessere Aussichten

    „Der Ukrainekrieg sorgt für Unsicherheiten unter Kapitalgebern“, sagt Lars Hornuf, Professor für Finanzdienstleistungen an der Universität Bremen. Investoren seien derzeit deutlich selektiver.

    Die neuen B2B-Fintechs dürfte das aber kaum betreffen. Im Gegenteil: Erstens profitieren Start-ups mit ganz neuen Geschäftsmodellen gegenüber den reiferen und bereits hochbewerteten. Je näher eine Firma am möglichen Börsengang, desto schneller schlägt die Entwicklung an den öffentlichen Kapitalmärkten durch.

    Experten erwarten einen Schub im B2B-Bereich. Es gehe nun darum, „systemischere Probleme anzugehen und bestehende Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Finanzprozesse und den Wert für die Kunden zu verbessern“, prognostizierte KPMG-Partner Bernd Oppold bereits zu Jahresbeginn.

    Zweitens profitiert diese B2B-Fintech-Welle von der starken Entwicklung ihrer B2C-Vorgänger – und von dem Druck, den die Fintechs auf etablierte Finanzinstitute ausüben. Die bestehende Bankenlandschaft sei im Umbruch, sagt der Finanzprofessor Hornuf: „Dort liegt auch das größte Volumen an möglichen Erträgen.“

    Drittens sind B2B-Unternehmen für Wagniskapitalgeber in der Regel viel günstiger aufzubauen als B2C-Firmen: „Endkunden-Anbieter wie Neobanken leben vom Volumen und vom Branding, das ist teuer“, sagt der Fintech-Investor Christian Nagel von der Wagniskapitalfirma Earlybird. „Damit wird der Markteintritt für neue Anbieter immer schwieriger.“

    Wagniskapitalgeber machen mit B2B-Firmen oft mehr Profit

    Grund sind die hohen Marketingkosten. Firmen wie N26 müssen einen Großteil ihres Kapitals für Werbung ausgeben, vor allem auf den großen Internetplattformen. „Firmen wie Lemon Markets müssen kein Geld an Google und Facebook weitergeben“, sagt Creandum-Partner Simon Schmincke, einer der ersten Investoren des Berliner B2B-Fintechs. „Der Anfangsaufwand ist größer, die Geschäftspartner müssen überzeugt und integriert werden – aber wenn das mal läuft, ist das Wachstum viel günstiger.“

    Tatsächlich zeigte eine Auswertung von Handelsblatt und Earlybird im vergangenen Jahr eine enorme Bandbreite bei den Investorenrenditen. Im besten Fall hatte sich das Geld bei der Milliardenbewertung verfünfzigfacht, im schlechtesten nur verdoppelt. Ein wichtiger Faktor dabei: der Werbeaufwand.

    Max Linden hat Erfolgsstrategien und Fehler seiner Vorgänger genau analysiert. Nach dem Launch im zweiten Quartal sollen Entwickler sich unkompliziert anmelden und mit der neuen Lemon-Markets-Schnittstelle experimentieren können. Die 17-Mitarbeiter-Firma setzt darauf, dass die Entwicklergemeinde schließlich von selbst die Unternehmenskunden an Land zieht.

    Schon vor dem offiziellen Start hat Lemon Markets nach eigenen Angaben mit den Partnern Baader Bank und DonauCapital „mehrere Millionen Handelsvolumen“ über die Plattform gefahren. „Das Schlimmste wäre, wenn wir mal eine Stunde nicht erreichbar sind“, sagt der CEO. Für die Marke eines Fintechs sei Verlässlichkeit besonders wichtig. Bei anderen Fintechs habe man sehen können, wie schnell aufgebautes Vertrauen verloren gehen könne.

    Um Konkurrenz mache er sich derweil keine Sorgen, obwohl gerade eines von Deutschlands größten Fintechs einen ganz ähnlichen Service anbieten will. Die Solarisbank ermöglicht Unternehmenskunden bereits jetzt, Kredite und Ratenzahlungen anzubieten, künftig soll auch Wertpapiergeschäft möglich sein.

    Linden sieht die Fokussierung auf Wertpapierhandel als Chance, eine Sache „richtig, richtig gut zu machen“ und so zu überzeugen. Aber er scheut auch nicht davor zurück, irgendwann in weiteren Bereichen mit Solarisbank zu konkurrieren: „Die Kunden wollen einen Partner, der ihnen alles anbietet“, sagt er.

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