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29.09.2022

14:09

Banken

Führungswechsel bei der HVB – Bankchef Michael Diederich geht als Finanzvorstand zum FC Bayern

Von: Yasmin Osman, Christian Schnell

Der Chef der Unicredit-Tochter wird 2023 neuer zweiter Mann bei Deutschlands erfolgreichstem Fußballklub hinter Oliver Kahn. Die Hypo-Vereinsbank wird in Zukunft von einer Frau geführt.

Das zukünftige Führungsduo des FC Bayern München, hier bei der Bekanntgabe des jüngsten Sponsoringdeals zwischen Klub und Hypovereinsbank im April 2022. Pressebild FC Bayern München

Michael Diederich (re.), Oliver Kahn

Das zukünftige Führungsduo des FC Bayern München, hier bei der Bekanntgabe des jüngsten Sponsoringdeals zwischen Klub und Hypovereinsbank im April 2022.

München Überraschender Führungswechsel an der Spitze der Hypo-Vereinsbank: Ihr Chef Michael Diederich wechselt im kommenden Jahr zum Fußballklub FC Bayern München und wird dort Finanzvorstand und Stellvertreter von Vorstandschef Oliver Kahn. Seinen Posten bei der Bank übernimmt die bisherige Privatkundenchefin Marion Höllinger. Das teilten das Kreditinstitut und der Fußballklub am Donnerstag mit.

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) ist damit die größte deutsche Bank, die von einer Frau geführt wird. Höllinger arbeitet seit 30 Jahren für die Tochter der italienischen Großbank Unicredit. Seit August 2021 ist sie Privatkundenvorständin, davor leitete sie das Filialnetz der Bank.

Diederich gilt als glühender Anhänger des FC Bayern. Seit 2018 sitzt er als HVB-Chef, wie schon sein Vorgänger Theo Weimer, im Aufsichtsrat des Fußballklubs. In den Vorstand des Rekordmeisters soll er Anfang April wechseln, damit ihn der bisherige Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen, der im Juli geht, einarbeiten kann. Dreesen hatte seinen dann auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollen. Wie Diederich ist auch Dreesen ein ehemaliger Banker. Vor seiner Zeit beim FC Bayern war er Finanzvorstand der BayernLB und sitzt noch immer im Aufsichtsrat der Landesbank.

Die Bande zwischen Hypo-Vereinsbank und FC Bayern sind traditionell eng. Das Geldhaus ist nicht nur langjährige Hausbank des Fußballvereins, sondern seit 2003 auch einer der Sponsoren. Die Partnerschaft wurde in diesem Jahr bis 2025 verlängert. Auf Produkt- und Vertriebsseite gibt es seit vielen Jahren eine enge Partnerschaft. FCB-Konten, FCB-Sparen und FCB-Karten sind im Angebot. Wer ein kostenloses Konto eröffnet, bekommt beispielsweise einen Gutschein im Fan-Shop über 89,95 Euro. Ähnliche Produkte gibt es bei anderen Vereinen auch, beispielsweise bei Borussia Dortmund in Zusammenarbeit mit dem Versicherungspartner Signal Iduna.

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    Für Unternehmenskunden arbeiten HVB und FCB seit geraumer Zeit über das HVB Business Forum zusammen. Geschäftskunden aus China und anderen Ländern werden unter anderem zu Informationsveranstaltungen in den Logen der Allianz-Arena geladen. „Business-Entscheidungen, die zum Erfolg führen - auf und neben dem Spielfeld", lautet der Slogan. Mit Michael Diederich an der Spitze intensivierte die HVB das Engagement mit dem Verein. Sooft es geht, war der Bank-Chef in den vergangenen Jahren selbst im Stadion. Schwenken die TV-Kameras auf die Vereinsbosse, dann war bisher schon Michael Diederich oft gut erkennbar.

    Den Hypo-Vereinsbank-Vorstand verlässt Diederich Ende Februar. Er soll nach dem Willen der Bank dann in den Aufsichtsrat des Instituts wechseln. Höllingers Ernennung soll dann zum 1. März erfolgen.

    In der Hypo-Vereinsbank hatte Diederich in den vergangenen Jahren bereits große Veränderungen angestoßen. Bei der italienischen Großbank Unicredit gilt der deutsche Markt als der attraktivste außerhalb des Heimatmarkts. Mit dem Antritt des neuen Unicredit-Chefs Andrea Orcel im vergangenen Jahr erhielt die Bank mehr Freiheiten, aber auch mehr Verantwortung. Die Einnahmen sollen pro Jahr um zwei Prozent steigen, der Nettoprofit soll bis 2024 rund eine Milliarde Euro erreichen, so das ambitionierte Ziel.

    Damit waren auch unangenehme Aufgaben verbunden. Rund 1100 Stellen sollten wegfallen, hieß es zum Jahreswechsel. „Vom Gesamtprogramm haben wir etwa die Hälfte erreicht", sagte Diederich im Handelsblatt-Interview im Mai. Damit sei man mehr als im Plan. Hohes Ansehen genoss Diederich in der Mailänder Unicredit-Zentrale, weil er die Kosten der Münchener Tochter im Griff hatte. Zum Jahresauftakt musste er nur 47 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen. Ein Spitzenwert in der Branche.


    Übernimmt die Führung der Hypovereinsbank. Hypovereinsbank

    Marion Höllinger

    Übernimmt die Führung der Hypovereinsbank.

    Diesen Prozess fortzusetzen ist nun die Aufgabe von Marion Höllinger. „Auch wenn die Zeiten, durch die wir die Bank steuern, nicht einfach sind, sind wir gut aufgestellt, um als Unicredit ein neues Kapitel aufzuschlagen – und zwar mit einer Entschlossenheit und Leidenschaft, die ich mit allen Kolleg:innen teile“, lässt Höllinger sich zitieren. Überraschungen in der Strategie werde es nicht geben, schrieb sie in einem Post auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn.

    Die 50-Jährige hat eine erstaunliche Karriere in der Bank gemacht. Begonnen hatte sie dort vor rund 30 Jahren als Azubi zum Bankkaufmann in einer kleinen Filiale der Hypo-Vereinsbank im niederbayerischen Eggenfelden. Mehr als ein Dutzend Stationen im Haus folgten auf dem Weg nach ganz oben in die Top-Etage des Münchener HVB-Towers. Mal war sie Filialleiterin in Landshut und Rosenheim, dann in Berlin und Hamburg. Immer stand dabei aber der Kontakt zu Privatkunden im Mittelpunkt. Insofern überraschte es nicht, als sie Unicredit-Chef Andrea Orcel, der auch Aufsichtsratschef der HVB ist, im vergangenen Jahr in den Vorstand der Bank hievte und zur Privatkundenchefin machte.

    Dort setzte sie nach wenigen Wochen das neue Smart-Banking-Konzept der Bank um. Für mehr als 1,5 Millionen Privatkunden der HVB bedeutet das eine sogenannte Multi-Channel-Strategie, bei der der gleiche Service zur Verfügung steht, egal, ob ein Kunde in der Filiale, online, über die App oder einen Voice- oder Chat-Bot eine Beratung sucht. „Es ist einer der größten Change-Prozesse, die es in den vergangenen Jahren bei der HVB gegeben hat", sagte Höllinger damals im Handelsblatt-Gespräch.

    In ihrem LinkedIn-Post schreibt sie am Donnerstag weiter, sowohl Diederich als auch Unicredit-Chef Andrea Orcel hätten sie wegen des Chefpostens angesprochen. 

    Orcel zeigte sich überzeugt von der Nachfolgeregelung: „Sie kennt die Bank und den Konzern seit vielen Jahren und hat in dieser Zeit nicht nur fachliche Exzellenz, sondern auch große Führungs- und Umsetzungskompetenzen bewiesen“, sagt er. „Mit Marion Höllinger haben wir eine neue CEO, die über ein tiefes Verständnis des Marktes sowie der Bedürfnisse unserer Kunden und Kundinnen verfügt.“


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