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07.09.2022

17:03

Banken-Gipfel 2022

Finanzaufsicht warnt vor Risiken im Immobiliengeschäft

Von: Andreas Kröner

Bafin-Präsident Mark Branson ist besorgt, weil viele Schuldner mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Tilgung von Immobilienkrediten aufbringen müssen.

Der seit August 2021 amtierende Bafin-Chef hat eine härtere Gangart bei der Beaufsichtigung von Geldhäusern angekündigt. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Mark Branson beim Handelsblatt Banken-Gipfel

Der seit August 2021 amtierende Bafin-Chef hat eine härtere Gangart bei der Beaufsichtigung von Geldhäusern angekündigt.

Frankfurt Die Finanzaufsicht Bafin warnt die deutschen Banken vor Rückschlägen im Immobiliengeschäft. „Hier erwarten wir ganz klar eine Verlangsamung“, sagte Bafin-Präsident Mark Branson am Mittwoch beim Handelsblatt-Banken-Gipfel. Die Frage sei nur, ob es zu einer sanften oder harten Landung komme.

Entscheidend dafür seien die Kreditvergabestandards der Banken. Über Jahre habe es den Trend gegeben, dass Kreditnehmer beim Kauf oder Bau von Immobilien immer höhere Schulden im Vergleich zu ihrem Einkommen aufgenommen hätten, sagte Branson.

Eine neue Analyse der Bafin zeige zwar, dass sich dieser Trend abflache. „Aber wir haben gesehen, dass noch immer 15 Prozent aller neuen Immobilienkreditnehmer mehr als die Hälfte ihrer Nettoeinkommen brauchen, um die Schulden zu bedienen.“

Wegen der hohen Inflation haben viele Menschen weniger Einkommen zur Tilgung von Krediten zur Verfügung. Zudem haben die Zinsen für Immobilienkredite deutlich angezogen. Bei vielen Banken trübt sich das wichtige Baufinanzierungsgeschäft deshalb ein.

Neben dem „Dauerbrenner Immobilienmarkt“ hält Branson Kreditausfälle von Unternehmen und die Zinswende für die größten Herausforderungen des deutschen Bankensektors. Der Zinsanstieg sei für die Geldhäuser mittelfristig zwar sehr positiv, setzte einige Häuser 2022 jedoch unter Druck.

Sie müssen wegen des Abschwungs an den Märkten Bewertungsverluste bei Wertpapieren hinnehmen und zudem mehr für ihre eigene Refinanzierung bezahlen. Die steigenden Erträge aus dem Kredit- und Einlagengeschäft kompensieren das bei vielen kurzfristig nicht.

Banken drohen „mindestens temporär gewisse Kapitalschwierigkeiten“

„Unsere Analysen zeigen, dass dieses Jahr für manche Banken ein hartes Jahr wird“, sagte Branson. Bei den kleineren Instituten, die direkt von der Bafin überwacht werden, drücke ein Anstieg der Marktzinsen um zwei Prozentpunkte die Profitabilität im Jahr 2022 durchschnittlich um rund 40 Prozent. „Ein paar Dutzend“ kleinerer Institute schaue sich die Bafin deshalb intensiv an. „Sie könnten mindestens temporär gewisse Kapitalschwierigkeiten haben.“

So berichtet das Handelsblatt vom Banken-Gipfel 2022:

Branson steht seit August 2021 an der Spitze der Bafin. Er löste Felix Hufeld ab, der nach dem Wirecard-Skandal vorzeitig abtrat. In den ersten 13 Monaten als Bafin-Chef hat Branson die Behörde bereits deutlich verändert. Er will, dass die Finanzaufsicht bei Missständen härter durchgreift und dabei auch mal Grenzen austestet.

„Die Grenzen, die wir überschritten haben, sind eher die internen Hemmungen, die man in jeder Behörde findet“, berichtet Branson. Er ermutige die Beschäftigten, Dinge anders zu machen als in der Vergangenheit – und schneller.

Bafin-Chef weist Kritik aus dem Fintech-Sektor zurück

Zudem macht die Bafin ihre Maßnahmen verstärkt öffentlich. Beinahe täglich informiert sie mittlerweile über höhere Kapitalzuschläge für Banken, Wachstumsbeschränkungen oder die Entsendung von Sonderbeauftragten – etwa bei der Smartphonebank N26.

Gerade im Fintech-Sektor werfen einige der Bafin vor, dass sie nach dem Wirecard-Skandal überreagiere und Innovationen und neue Geschäftsmodelle ausbremse. Branson weist diese Vorwürfe zurück. „Es gibt keinen Freipass für Geschäftsmodelle, die neuartiger sind“, sagt der Bafin-Chef. „Da kann man nicht ein bisschen lockerer sein bei der Geldwäscheprävention.“

Für traditionelle Banken und Fintechs müssten die gleichen regulatorischen Rahmenbedingungen gelten. „Wettbewerb durch die Nichteinhaltung von zentralen Standards im Bankwesen geht nicht.“

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