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07.09.2022

12:53

Banken-Gipfel 2022

Unicredit-CEO Orcel warnt vor hohen Zinsen: „Wenn die EZB viel weiter geht, könnte das der Wirtschaft schaden“

Von: Christian Wermke

Der Vorstandschef der italienischen Bank ist besorgt wegen der Notenbankpolitik. Auf die Italienwahl schaut er gelassen. Übernahmen schließt der Manager aus – zumindest derzeit.

Der Unicredit-Chef hat sich Finanzkreisen zufolge rund um den Jahreswechsel mit Commerzbank-Chef Manfred Knof ausgetauscht. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Andrea Orcel

Der Unicredit-Chef hat sich Finanzkreisen zufolge rund um den Jahreswechsel mit Commerzbank-Chef Manfred Knof ausgetauscht.

Frankfurt „Wir erwarten alle eine Rezession“, sagt Andrea Orcel auf dem Handelsblatt-Bankengipfel. Die Frage sei nur, wie stark sie sein wird. „Es hängt alles von einer Reihe politischer Entscheidungen und dem Krieg in der Ukraine ab“, meint der CEO der italienischen Großbank Unicredit. Ausgehend von den derzeitigen Indikatoren glaubt er an eine eher flache Rezession im kommenden Jahr und eine schnelle Erholung der Wirtschaft in 2024.

Sorge bereitet ihm die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. „Natürlich ist Inflationsbekämpfung absolut entscheidend“, meint der 59-Jährige. „Allerdings haben wir auch ein sehr fragiles wirtschaftliches Umfeld.“

Für ihn gehe die Debatte nicht darum, ob die Zentralbank die Zinsen um 50 oder 75 Basispunkte anhebt. „Die Frage ist, wie es danach weitergehen soll“, sagt Orcel. Er erwartet, dass sich der Zins bei etwa zwei Prozent einpendeln wird. „Wenn die EZB noch viel weiter geht, könnte das schädliche Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.“

Die Parlamentswahl in Italien Ende September sieht Orcel mit größerer Gelassenheit – obwohl sich in den Umfragen eine klare rechte Mehrheit abzeichnet. „Ich glaube nicht, dass wir eine extreme rechte Regierung haben werden, sondern eine Mitte-rechts-Regierung.“

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    Wer auch immer Italien nach dem 25. September regiere, werde die von Noch-Premier Mario Draghi begonnenen Reformen nicht anfassen. „Die Reformen und der Corona-Wiederaufbaufonds werden weiter umgesetzt werden“, ist Orcel überzeugt. Es hingen zu viele Investitionen daran, rund 200 Milliarden Euro. „Das wird keine Regierung entgleisen lassen.“

    Derzeit kein Umfeld für Übernahmen

    Eine neue Euro-Krise sieht der Chef der Hypovereinsbank-Mutter auch nicht aufziehen. „Wir glauben, dass das politische Risiko für Italien derzeit überbewertet ist.“ Die Staatsverschuldung sei zwar immer noch hoch, aber auch rückläufig – zuletzt fiel die Verschuldung in Relation zur Wirtschaftsleistung von 155 auf 151 Prozent.

    Am Ende dieses Jahres wird der Wert bei 148 Prozent liegen. „Dazu kommt das Vermögen der italienischen Familien, das mit gut zehn Billionen Euro der höchste Wert in Europa ist“, betont Orcel. Auch die Bareinlagen der Unternehmen seien in diesem Jahr gestiegen.

    Grafik

    Für die Entwicklung seiner Bankengruppe gibt er sich weiter optimistisch. „Wir sind immer noch im Einklang mit unserem Plan.“ Man habe sich darauf konzentriert, den Umsatz zu steigern, die Kosten zu senken und eine „sehr strenge Risikodisziplin“ aufrechtzuerhalten. Die harte Eigenkapitalquote liegt bei 15,73 Prozent. „Wir sind in einer starken Position, die Rezession zu bewältigen“, sagt Orcel.

    Angesprochen auf Übernahmen winkt Orcel ab. „Wir brauchen dafür stabile Märkte. Eine M&A-Transaktion im aktuellen Marktumfeld durchzuführen ist sehr kompliziert.“ Obendrein brauche es ein kohärentes regulatorisches und rechtliches Umfeld, das Synergieeffekte ermöglicht. „Ich glaube, dass es zu weiterer Konsolidierung in Europa kommen wird, aber nicht nur die Banken müssen es wollen, auch die Rahmenbedingungen müssen anders sein als heute.“

    Das komplizierte Russlandgeschäft der Unicredit

    Ein Dauergerücht in der Bankenszene ist die Übernahme der Commerzbank durch Unicredit. „Ich werde nicht über Konkurrenten oder Freunde sprechen“, sagt Orcel. Er sehe bei Unicredit aber wesentlich mehr Potenzial, um organisch zu wachsen.

    Zudem müsse jeder Deal der Gruppe einen Mehrwert bieten. „Schaut man sich Deals der Vergangenheit an, wurden sie meist zu Preisen getätigt, die Wert zerstörten“, gibt Orcel zu bedenken.

    In den meisten der Märkte, in denen Unicredits Marktanteil unter 20 oder sogar 15 Prozent liege, machten Übernahmen Sinn. „Aber nur unter den richtigen Bedingungen und zum richtigen Zeitpunkt.“

    So berichtet das Handelsblatt vom Banken-Gipfel 2022:

    Am Russlandgeschäft hält Unicredit im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Banken vorerst weiter fest. Das grenzüberschreitende Geschäft wurde bereits drastisch zurückgefahren. „Bei der lokalen Präsenz ist das viel komplizierter, weil sie Menschen berührt“, sagt Orcel.

    4000 Mitarbeiter hat Unicredit vor Ort. Hinzu kämen 1500 Firmenkunden in Russland, von denen rund 1250 Europäer seien. „Die Unternehmen versuchen ebenfalls, sich aus Russland zurückzuziehen, und wir haben uns verpflichtet, sie bei ihren Geschäften zu unterstützen.“

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