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11.10.2022

14:00

Banken

Smartphonebank N26 wächst trotz harter Auflagen der Finanzaufsicht

Von: Andreas Kröner

Das Institut schreibt nach wie vor rote Zahlen, steuert aber 2022 auf ein Umsatzplus von 30 Prozent zu. Bald will die Bank ins Kryptogeschäft einsteigen.

Der N26-Gründer stellte auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatt Zukäufe anderer Fintechs in Aussicht. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Valentin Stalf

Der N26-Gründer stellte auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatt Zukäufe anderer Fintechs in Aussicht.

Frankfurt Die Berliner Smartphonebank N26 bleibt trotz harter Auflagen der Finanzaufsicht Bafin auf Wachstumskurs. „Wir gehen 2022 davon aus, dass wir die Umsätze trotz eingeschränktem Kundenwachstum noch mal um circa 30 Prozent steigern“, sagte Mitgründer und Co-Chef Valentin Stalf am Dienstag bei einem Pressegespräch.

Im vergangenen Jahr waren die Bruttoerträge um 50 Prozent auf 182 Millionen Euro nach oben geschnellt. Der Zins- und Provisionsüberschuss kletterte sogar um zwei Drittel. Da der Verwaltungsaufwand und die Risikovorsorge ebenfalls deutlich anstiegen, fiel unter dem Strich jedoch ein etwas höherer Jahresverlust von 172 Millionen Euro an. N26-Finanzchef Jan Kemper deutete an, dass die Bank wohl auch 2022 Verluste schreiben wird, die jedoch geringer ausfallen dürften als 2021.

Ende vergangenen Jahres hatte N26 bei einer Finanzierungsrunde 700 Millionen Euro eingesammelt. Diese Mittel wolle die Bank nutzen, um profitabel zu werden und damit nicht mehr abhängig von weiteren Finanzierungen zu sein, betonte Kemper. Auf ein konkretes Jahr, ab dem N26 schwarze Zahlen schreibt, möchte er sich jedoch nicht festlegen, um weiter flexibel auf Marktgegebenheiten reagieren zu können.

Pläne für einen Börsengang gebe es aktuell nicht, betonte der Finanzchef. „Wenn man sich den Markt da draußen anschaut, ist das kein Zeitpunkt, um über Börsengänge zu reden.“ Falls sich die Lage an den Märkten bessere und die N26-Eigner diesen „logischen nächsten Schritt“ anstrebten, werde die Bank dafür aber vorbereitet sein.

N26 war im vergangenen Jahr mit 7,7 Milliarden Euro bewertet worden und zählt damit zu den wertvollsten Fintechs in Deutschland. Bis Ende 2021 stieg die Zahl der Kunden in Europa um mehr als eine Million auf acht Millionen. Davon waren allerdings nur 3,7 Millionen Kunden ertragsrelevant. Sie bezahlten also entweder für ihr Konto oder tätigten Transaktionen, an denen N26 verdiente.

Finanzaufsicht bremst Kundenwachstum aus

Die Finanzaufsicht ist der Ansicht, dass N26 viele Jahre lang zu schnell gewachsen und seine Prozesse und Kontrollen nicht entsprechend weiterentwickelt hat. Im November 2021 entsandte die Bafin deshalb einen Sonderbeauftragten in die Bank und ordnete an, dass N26 pro Monat maximal 50.000 Neukunden aufnehmen darf.

Da die Smartphonebank auch Nutzer verliert, habe das Institut 2022 folglich ein „sehr, sehr eingeschränktes Kundenwachstum“, sagte Co-Chef Stalf. Der Fokus liege aktuell darauf, mit den existierenden Kunden mehr zu verdienen.

Die italienische Notenbank hatte wegen erheblicher Mängel beim Kampf gegen Geldwäsche sogar einen Neukundenstopp bei N26 verhängt. Stalf geht davon aus, dass die Probleme in Italien im nächsten halben Jahr gelöst werden. In Deutschland könne es schneller gehen, aber auch länger dauern, sagte er. Die Entscheidung liege bei den Regulatoren und sei schwer vorherzusehen.

Stalf findet, „dass wir insgesamt gute Fortschritte gemacht haben und heute den Großteil der regulatorischen Anforderungen auch sehr, sehr gut erfüllen“. In den vergangenen 18 Monaten habe N26 ein „sehr gutes und sehr, sehr enges Verhältnis“ mit der Finanzaufsicht aufgebaut und das Ziel, künftig ein „Aushängeschild der Regulatorik“ zu sein.

Warten auf grünes Licht fürs Kryptogeschäft

Um die Firma weiterzuentwickeln, setzt N26 auch auf die Unterstützung von Holger Friedrich von der Digitalberatung Core. Er habe bei N26 große Projekte geleitet und deshalb auch Prokura bekommen, sagte Stalf. Friedrich, der öffentlich vor allem als Verleger der „Berliner Zeitung“ bekannt ist, sei jedoch nicht Teil des N26-Managements.

Insgesamt sei es das Ziel von N26, von einem Nischenanbieter zu einer Vollbank zu werden, erklärte Stalf. Als nächster Schritt ist dabei der Einstieg ins Kryptogeschäft geplant. „Wir haben ein Produkt im Kryptobereich, das von der programmierten Seite fertig ist“, sagte der Österreicher. Bevor es eingeführt werde, brauche die Bank aber grünes Licht von verschiedenen Regulatoren in Europa.

Darüber hinaus will N26 seinen Kunden den Handel mit Aktien anbieten. „Unser Ziel ist es schon, in den nächsten zwei Jahren auch dort ein starkes Standbein aufzubauen“, sagte Stalf.

Auf der Darlehensseite, wo N26 bisher nur Überbrückungskredite anbietet, ist er zurückhaltender. N26 wolle keine langfristigen Kredite vergeben und auf die eigenen Bücher nehmen, weil das Geschäft kompliziert und die Margen gering seien, erklärte Stalf. Gut vorstellen könne er sich in den nächsten zwei Jahren aber engere Kooperationen mit Immobilienkreditplattformen.

Aktuell generiert N26 rund 40 Prozent seiner Erträge mit Kontoführungsgebühren, 30 Prozent durch Händlergebühren im Kartengeschäft sowie 30 Prozent durch banknahe Produkte sowie die Anlage von Kundeneinlagen am Geldmarkt.

Künftig dürften die Erträge im Einlagengeschäft anziehen, da Banken dort dank der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr verdienen können. Mehrere Banken bieten ihren Kunden deshalb auch wieder positive Zinsen auf Tagesgeld an.

Auch N26 hat das Thema laut Stalf im Blick. Die Bank werde ihren Kunden künftig wahrscheinlich „in dem ein oder anderen Produkt“ positive Zinsen zahlen.

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