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28.09.2022

17:40

Banken-Stresstest

Bankenaufseher befürchten trotz Energiekrise keine Kreditklemme

Von: Yasmin Osman

Ein Stresstest von Bundesbank und Bafin legt nahe: Die meisten deutschen Kreditinstitute sind für die Krisen gut gewappnet. Es gibt aber Ausnahmen.

Die meisten Banken und Sparkassen in Deutschland sind nach Einschätzung der Aufsicht gut finanziell aufgestellt. dpa

Skyline der Bankentürme in Frankfurt

Die meisten Banken und Sparkassen in Deutschland sind nach Einschätzung der Aufsicht gut finanziell aufgestellt.

Frankfurt Deutschlands Banken und Sparkassen sind nach Einschätzung der Aufsicht weitgehend krisenfest. „Das Bankensystem zeigt eine zufriedenstellende Resilienz“, sagte der für Bankenaufsicht zuständige Vorstand der Deutschen Bundesbank, Joachim Wuermeling, am Mittwoch in Frankfurt.

Aus seiner Sicht erfreulich: Die Institute seien insgesamt auch weiterhin bereit, „in begrenztem Umfang zusätzliche Risiken einzugehen, um ihre Erträge zu steigern“. Damit ist gemeint: Die Geldhäuser sind trotz der unsicheren Lage weiterhin bereit, neue Darlehen zu vergeben. 

Aus Sicht von Wuermeling ist das eine gute Nachricht: „Das ist auch wichtig im Hinblick auf die Kreditvergabefähigkeit der Banken in einer möglicherweise sich verschärfenden wirtschaftlichen Situation. Wir erwarten nach dem aktuellen Stand keine Kreditklemme“, erklärte der Bundesbank-Vorstand.

Bei dem Stresstest hatten die Bankenaufseher von Bundesbank und Bafin überprüft, welche Auswirkungen Krisenszenarien wie eine tiefe Rezession und steigende Arbeitslosigkeit sowie ein massiver Kursverfall an den Finanzmärkten haben würden. Außerdem überprüften die Aufseher, welche Auswirkungen ein massiver Zinsanstieg, wie er mittlerweile aufgrund der geänderten Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stattgefunden hat, für die Geldhäuser haben würde.

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    Auch unter widrigen Bedingungen, so das Resümee der Bankenaufseher, verfügt das deutsche Bankensystem inklusive der Großbanken über überschüssiges Eigenkapital im Umfang von 151 Milliarden Euro. Das sei zwar ein Durchschnittswert und treffe nicht auf jede einzelne Bank zu. Insgesamt besteht aus Wuermelings Sicht aber keine Gefahr, dass Banken ihr Kreditgeschäft breitflächig einschränken.

    Zweistellige Anzahl an Geldhäusern gefährdet

    Aus diesem Grund wendet er sich auch gegen Forderungen aus der Kreditwirtschaft, die Kapitalvorschriften für Banken zu lockern. Hintergrund dieser Forderung aus der Finanzbranche sind Extra-Kapitalpuffer, die die Finanzaufsicht Bafin zu Jahresbeginn für Darlehen angeordnet hatte, weil sie im Kreditgeschäft eine Überhitzung befürchtete.

    „Vor dem Hintergrund der hohen Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Energiekrise sowie gedämpfter Wachstumsaussichten ist es sogar wichtiger geworden, ausreichend Kapital im Bankensystem zu konservieren und die Resilienz gegenüber zukünftigen Verlusten zu stärken“, betonte Wuermeling. Dennoch prüfe die Aufsicht fortlaufend, wie sich diese Maßnahmen auf die Kreditvergabe auswirkten. Bislang gebe es aber keinerlei Hinweise darauf, dass diese in Deutschland „signifikant beeinträchtigt ist“.

    An dem Stresstest hatten knapp 1300 kleinere Banken und Sparkassen sowie 17 Bausparkassen in Deutschland teilgenommen, die von Bafin und Bundesbank direkt überwacht werden. Die großen deutschen Geldhäuser stehen unter der Aufsicht der EZB. In Summe zeigten sich die Geldhäuser im Stresstest robust.

    Die harte Kernkapitalquote würde sich in den härtesten Stressszenarien um 3,2 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent verringern. Die Kernkapitalquote beschreibt die Eigenkapitalausstattung von Banken in Relation zu den von ihnen eingegangenen Risiken und gilt als wichtiger Gradmesser für ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krisen. Mit einer Quote von 14,5 Prozent wären die Banken im Durchschnitt aber immer noch ausreichend gut mit eigenem Kapital ausgestattet.

    Der für Bankenaufsicht zuständige Exekutivdirektor der Bafin, Raimund Röseler, betonte aber, dass es sich dabei nur um Durchschnittswerte handle: „Wir gehen davon aus, dass eine kleine oder mittlere zweistellige Zahl von Banken das Stressszenario nicht überstehen würde ohne zusätzliche Kapitalzufuhr.“

    Haupttreiber der errechneten Kapitalverluste waren dem Stresstest zufolge Ausfälle bei unbesicherten Krediten sowohl im Privatkunden- wie auch im Firmenkundengeschäft. Auch bei Gewerbeimmobilien sind die potenziellen Verluste hoch. Eine geringe Rolle spielten dagegen potenzielle Verluste aus privaten Baufinanzierungen, die einen hohen Anteil am Kreditvolumen haben, dafür aber über die Grundschuld abgesichert sind. 

    Szenario eines abrupten Zinsanstiegs

    Ähnliches gilt für die Szenariorechnungen eines abrupten Zinsanstiegs um zwei Prozentpunkte, die die Aufseher ebenfalls hatten durchrechnen lassen. Auch der abrupte Zinsanstieg bringe eine mittlere zweistellige Zahl von Banken in Schwierigkeiten, so Röseler. Mittelfristig wirken sich die gestiegenen Zinsen zwar positiv auf die Ertragslage der Banken aus, in diesem Jahr führt das aber erst einmal zu Belastungen, unter anderem weil steigende Zinsen zu Kursverlusten bei Anleihen führen, in die viele Banken investiert haben.

    Das Szenario eines starken Zinsanstiegs hatten Bafin und Bundesbank im Rahmen des Stresstests separat durchrechnen lassen, weil diese Entwicklung, wie sie durch die Wende in der Geldpolitik auch eintrat, noch nicht im eigentlichen Stresstest berücksichtigt wurde. Trotz der insgesamt positiven Resultate des Stresstests mahnte Bundesbank-Vorstand Wuermeling aber zur Vorsicht. Es gebe große Unsicherheiten, was die Entwicklung von Konjunktur, Inflation und Zinsen angehe. „Die Banken sollten sich nicht zurücklehnen“, mahnte Wuermeling.

    Das Szenario eines starken Zinsanstiegs hatten Bafin und Bundesbank im Rahmen des Stresstests separat durchrechnen lassen. IMAGO/Hannelore Förster

    Verwaltungsgebäude der Bafin

    Das Szenario eines starken Zinsanstiegs hatten Bafin und Bundesbank im Rahmen des Stresstests separat durchrechnen lassen.

    Wie unsicher die Prognosen derzeit sind, zeigt auch die Vorsicht, mit der die Bankenaufseher über die Lage am Immobilienmarkt sprechen. Immobiliendarlehen waren bislang ein wichtiger Ertragstreiber für deutsche Banken und Sparkassen. Die gestiegenen Bauzinsen machen solche Darlehen für die Institute nun eigentlich rentabler, sie schrecken aber womöglich zugleich auch potenzielle Kunden ab.

    So hat vor Kurzem der Finanzvermittler Hypoport seine Jahresprognose ausgesetzt – weil die kräftig gestiegenen Bauzinsen wohl viele Kunden vom Kauf einer Immobilie abschrecken und dadurch die Nachfrage nach Baufinanzierungen gesunken ist. „Wir gehen schon davon aus, dass die Bedeutung dieser Ertragsquelle sinken kann, weil die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen sinkt“, räumte Bafin-Exekutivdirektor Röseler ein. 

    Aus seiner Sicht handelt es sich dabei aber um eine Normalisierung des Marktes. Mit einem regelrechten Crash am Immobilienmarkt und in der Baufinanzierung rechnet er nicht. Auch mit Blick auf die auf Immobilienfinanzierung spezialisierten Bausparkassen sieht er keine generellen Probleme. Sie würden davon profitieren, dass die Nachfrage nach Bausparverträgen nun wieder steige.

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