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08.06.2022

17:59

Bankfilialen

Ende des Filialabbaus? Studie weckt Zweifel an überraschenden EZB-Daten

Von: Yasmin Osman, Elisabeth Atzler

Banken in Deutschland sollen der EZB zufolge 2021 kaum Zweigstellen geschlossen haben. Eine Schätzung des Analysehauses Barkow kommt zu deutlich anderen Ergebnissen.

Ein Anblick, der im Stadtbild immer seltener wird: Zwei Bankfilialen, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegen. dpa

Filialen von Commerzbank und Deutscher Bank

Ein Anblick, der im Stadtbild immer seltener wird: Zwei Bankfilialen, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegen.

Frankfurt Läuft der massive Schwund an Bankfilialen in Deutschland allmählich aus? Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) haben diesen Schluss in der vergangenen Woche nahegelegt. Danach soll die Zahl der Zweigstellen 2021 um gerade mal 118 Standorte auf 23.982 gesunken sein. Eine Schätzung des Analysehauses Barkow Consulting, die dem Handelsblatt vorliegt, weckt nun Zweifel an diesen Daten.

Denn der Barkow-Untersuchung zufolge dürften im vergangenen Jahr beinahe 1400 Filialen geschlossen worden sein – mindestens: Bei den Genossenschaftsbanken haben demnach rund 490 Filialen dichtgemacht. Bei den Sparkassen dürften es knapp 420 Zweigstellen gewesen sein, leitet Barkow aus bestimmten Statistiken ab, die deren Verband veröffentlicht hat. Veröffentlichungen von Commerzbank und Deutscher Bank entnimmt er Schließungen von zusammen mehr als 370 Filialen.

Peter Barkow, der Geschäftsführer von Barkow Consulting, hatte sich bereits vergangene Woche davon überrascht gezeigt, dass die Zahl der Filialschließungen fast auf null zurückgegangen sein soll.

Grafik

Barkows Definition von Bankfilialen weicht von der der Notenbanken ab: Seine Definition ist strenger als die der Notenbanken. Partnerfilialen in Paketshops, wie sie bei der Postbank vorkommen, oder Kundenbüros von Bausparkassen lässt er anders als die Bundesbank, die solche Standorte aus regulatorischen Gründen mitzählt, nicht gelten. In der Vergangenheit kam er damit meist auf geringere Rückgänge, wenn es um den Filialschwund ging. Das legt nahe, dass seine Schätzungen zum Filialrückgang sogar noch eher konservativ sind.

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    Die EZB wies auf Anfrage darauf hin, dass es sich bei den von ihr veröffentlichten fraglichen Daten um vorläufige Zahlen handle. Das entspreche der üblichen Praxis. „Wir überprüfen mit den nationalen Notenbanken einige Zahlen, die bei Bedarf mit dem nächsten Update revidiert werden können“, teilte ein Sprecher mit. Eine Sprecherin der Bundesbank, die bei den Erhebungen der EZB die Daten für Deutschland zuliefert, betonte, bei den Daten handle es sich „um Schätzungen, die noch nicht belastbar sind“.

    Größere Diskrepanzen

    Dem Vernehmen nach haben diese Schätzungen in der Vergangenheit gut funktioniert. Dieses Mal scheint es allerdings größere Diskrepanzen zu geben. Ihren offiziellen Zweigstellenbericht für Deutschland, der auf belastbareren Daten beruht, hat die Bundesbank noch nicht veröffentlicht.

    Darauf, dass die Banken ihr Filialnetz auch in Zukunft weiter ausdünnen wollen, hatten auch Meldungen aus jüngerer Zeit hingewiesen: So deutete Commerzbank-Finanzchefin Bettina Orlopp vergangene Woche an, dass die Commerzbank die Zahl ihrer Standorte auch unter die für das Jahresende angepeilte Zahl von 450 Zweigstellen senken könnte. „Wir müssen uns unser gesamtes Filialnetzwerk genau anschauen, weil die Kunden sich in die Richtung von digitalen Kanälen bewegen“, sagte sie auf einer Veranstaltung vergangene Woche.

    Der für Deutschland zuständige Privatkundenchef der Deutschen Bank, Lars Stoy, hat angekündigt, dass er möglichst viele Filialen des Instituts bargeldlos gestalten will. „Ich will kein Bargeld in diesen Filialen haben, weil Bargeld leider teuer ist und wir es deshalb unseren Kunden nur in ein paar Zentren anbieten werden“, sagte er kürzlich auf einer Konferenz. Die Aufgabe dieser Filialen sei die Beratung von Kunden „bei Anlagen, Hypotheken, bis zu einem gewissen Grad bei Konsumkrediten und Versicherungen“.

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