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11.04.2022

08:00

Bankgebühren

Girokonten werden teurer: Jede zweite Bank hebt die Preise an

Von: Elisabeth Atzler

Laut einer Umfrage unter Geldhäusern wird es branchenweit Gebührenerhöhungen geben – obwohl das viel komplizierter geworden ist.

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen damit rechnen, dass viele Geldhäuser in diesem Jahr Girokonten verteuern – oft zum wiederholten Mal binnen weniger Jahre. dpa

Kontogebühren

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen damit rechnen, dass viele Geldhäuser in diesem Jahr Girokonten verteuern – oft zum wiederholten Mal binnen weniger Jahre.

Frankfurt Bankkunden in Deutschland müssen sich darauf einstellen, dass viele Girokonten schon in diesem Jahr teurer werden. Etwa die Hälfte der Kreditinstitute peilt für 2022 Gebührenerhöhungen an oder hat die Preise für Girokonten bereits angehoben. Das hat eine Umfrage der Beratungsgesellschaft EY unter Banken und Sparkassen ergeben.

Konkret planen demnach 34 Prozent der Geldhäuser, die Gebühren für Girokonten zu erhöhen. 15 Prozent haben das dieses Jahr sogar schon getan.

Zudem steigen die Preise für Überweisungen sowie für Kreditkarten bei etwa 40 Prozent der Banken. EY hat im Januar und Februar 109 Kreditinstitute befragen lassen, wobei zu den Preisen für Konten und Karten nur die Anbieter mit Privatkunden geantwortet haben.

Eine Umfrage der Beratungsfirma Sopra Steria machte kürzlich eine ähnliche Entwicklung aus: Laut dieser Erhebung dreht jede zweite Bank an der Gebührenschraube – durch Preiserhöhungen oder Einführung neuer Gebühren.

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    Die Preise von Girokonten sind bereits deutlich gestiegen. So zogen die Gebühren laut Statistischem Bundesamt in den vier Jahren zwischen 2015 und 2019 um insgesamt 25 Prozent an. Es gibt immer weniger Gratiskonten ohne Bedingungen, beispielsweise eine Mindestsumme, die monatlich eingezahlt wird.

    EY-Finanzexperte Thomas Griess weist darauf hin, dass es für die Kreditinstitute schwieriger geworden sei, profitabel zu wirtschaften. „Also denken die Banken weiter intensiv über neue Ertragsquellen nach.“ Hintergrund ist Griess zufolge, dass die für die Branche so wichtigen Zinserträge durch die Minizinsen in der Euro-Zone abgeschmolzen sind und dass die Geldhäuser stärker reguliert werden, was Kosten nach sich zieht.

    BGH-Urteil klärt Bedingungen für Preiserhöhung

    Zuletzt aber haben viele Geldhäuser Gebührenerhöhungen ausgestellt oder sogar gestoppt. Der Grund ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von April 2021. Demnach müssen Geldhäuser bei Änderungen der allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), zum Beispiel bei Preiserhöhungen, die ausdrückliche Zustimmung ihrer Kunden einholen (Az. XI ZR 26/20). Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband gegen die Postbank, die die Preise in den vergangenen Jahren mehrfach angehoben hatte.

    Bis zum Urteil hatten Banken und Sparkassen die Gebühren üblicherweise über die bestehenden AGB-Klauseln erhöht. Sie gingen von einer stillschweigenden Zustimmung der Kunden aus, wenn diese einer Änderung nicht binnen zwei Monaten widersprachen. Da in der deutschen Kreditwirtschaft sehr ähnliche AGB verwendet werden, gilt die BGH-Entscheidung als maßgeblich für die gesamte Branche.

    Nach dem BGH-Urteil haben einige Kreditinstitute zuvor angekündigte oder sogar kurz zuvor umgesetzte Preisanhebungen zurückgezogen. Andere dürften ihre Vorhaben nach hinten geschoben haben, um erst einmal die genauen Folgen der BGH-Entscheidung zu durchleuchten. Naheliegend ist, dass etliche Geldhäuser nun solche bereits geplanten Gebührenerhöhungen nachholen.

    Allerdings ist es aus Sicht der Banken schwierig zu erreichen, dass alle Kundinnen und Kunden neue Preise akzeptieren. Zahlreiche Geldhäuser haben auch nach Monaten der mehrfachen Ansprache – per Post, per Onlinebanking oder in der Filiale – nur von 70 bis 90 Prozent der Kunden eine Zustimmung für zuvor erfolgte Gebührenerhöhungen bekommen. Die große Frage ist, wie sie mit den restlichen Kunden umgehen: ob die Geldhäuser ihnen kündigen oder hinnehmen, dass ein Teil weniger Gebühren zahlt.

    Während die meisten Kreditinstitute Kündigungen zumindest derzeit noch scheuen, hat die Postbank, die zur Deutschen Bank gehört, vor Kurzem damit begonnen, Kundinnen und Kunden, die den aktuellen AGB und Preisen nicht zustimmen, per 30. April zu kündigen. Auch Kunden der Deutschen Bank und der Norisbank müssen sich auf diesen Schritt einstellen.

    AGB-Zustimmung durch Weiternutzung des Kontos

    Gleichwohl gibt die Postbank betroffenen Kunden etwas mehr Zeit – und setzt dabei erneut auf eine Art schweigende Zustimmung: Wenn Kunden ihr Konto ab dem 1. Mai weiternutzen, nehmen sie damit die aktuellen AGB automatisch an, erklärt die Postbank in einem Kunden-Schreiben. Das passiert schon durch eine einzige Überweisung, eine Kartenzahlung oder Geldabheben am Automaten. Auch EY geht davon aus, dass manche Banken das sogenannte konkludente Handeln bei weiterer Nutzung des Kontos unterstellen, wie Studien-Co-Betreuer Robert Melnyk sagt.

    Zu den großen Geldhäusern, die Gebührenerhöhungen angekündigt haben, zählt die Berliner Sparkasse. Sie verteuert die Girokonten per Juli um 1,95 Euro. Das Konto „Giro Pauschal“ kostet dann 8,95 Euro im Monat. Zuvor hatte die Sparkasse 2016 die Preise angehoben.

    Auch bei der Stadtsparkasse Düsseldorf, der Volksbank Köln Bonn und der Sparkasse Köln-Bonn gibt es dieses Jahr Preisanpassungen. Die Sparkasse Köln-Bonn beispielsweise hatte das neue Kontomodell für Neukunden bereits im Mai 2021 eingeführt, für Bestandskunden ist die Umstellung für den 1. Juli 2022 vorgesehen. Seit Ende 2021 bittet das Geldhaus um Zustimmung zu den neu geltenden AGB sowie Preisen.

    Der starke Wettbewerb auf dem deutschen Bankenmarkt sorgt dafür, dass die Kontopreise bisher nicht stärker gestiegen sind. Laut einer Studie der Beratungsfirma McKinsey zahlen Bankkunden in Deutschland im Schnitt lediglich 135 Euro pro Jahr für alltägliche Bankdienstleistungen. Der europäische Durchschnitt liegt dagegen bei 256 Euro.

    Zugleich wird es künftig noch einmal deutlich weniger Bankfilialen in Deutschland geben. Rund 60 Prozent der von EY befragten Bankmanager erwarten, dass die Zahl der Geschäftsstellen bis 2025 um weitere 20 Prozent sinkt. Je 20 Prozent rechnen damit, dass der Rückgang stärker oder auch schwächer ausfällt.

    Ein Minus von 20 Prozent binnen drei Jahren hieße allerdings, dass sich der Trend zu Filialschließungen nicht beschleunigt. Die Bundesbank zählte per Ende 2020 rund 24.000 Filialen, zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor. 2005 hatte es mit gut 44.000 fast doppelt so viele Filialen gegeben.

    Mit der Aufgabe von Geschäftsstellen können Geldhäuser Kosten sparen. Vor allem aber erledigen immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Bankgeschäfte weitgehend digital und kommen gar nicht mehr in die Filialen.

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