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15.08.2022

12:59

Bargeld

Sparkassen und Volksbanken teilen sich zunehmend Geldautomaten-Standorte

Von: Elisabeth Atzler

Genossenschaftsbanken und Sparkassen versorgen die Kunden an den Standorten mit Bargeld. Immer öfter kooperieren sie deshalb – was viele Vorteile hat.

Immer öfter teilen sich die Geldhäuser ihre Filialen und Geldautomaten-Standorte. IMAGO/Michael Gstettenbauer

SB-Kombifiliale in Dormagen

Immer öfter teilen sich die Geldhäuser ihre Filialen und Geldautomaten-Standorte.

Frankfurt Sparkassen und Volksbanken betreiben immer mehr gemeinsame Geldautomaten-Standorte. Die Sparkassen in einigen Regionen kooperieren bereits bei zehn bis fast 20 Prozent der Standorte mit Volks- und Raiffeisenbanken, wie eine Umfrage des Handelsblatts ergab.

Die Sparkassen in Westfalen-Lippe zählten zuletzt 472 SB-Geschäftsstellen. Dies sind Standorte mit Selbstbedienung, also Geldautomaten und teils Kontoauszugsdruckern. 92 davon, also knapp 20 Prozent, betrieben sie gemeinsam mit den Genossenschaftsbanken. Das wären 24 mehr als ein Jahr zuvor.

Im Regionalverband Hessen-Thüringen gab es Ende 2021 insgesamt 460 SB-Standorte, bei 18 Prozent davon kooperieren die Banken. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 13 Prozent. In Baden-Württemberg betreiben die Sparkassen 15 Prozent ihrer SB-Filialen gemeinsam mit Volks- und Raiffeisenbanken, in Bayern liegt der Anteil bei rund zehn Prozent.

Zahlen für das gesamte Bundesgebiet gibt es nicht. Weder der Deutsche Sparkassen- und Giroverband noch der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken verfügen über entsprechende Daten.

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Standort erkennen

    Die Banken werden aber zunehmend kooperieren. Der Sparkassenverband Hessen-Thüringen schreibt: „Die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturangeboten durch Sparkassen und Volksbanken ist nichts grundsätzlich Neues. In den letzten Jahren haben solche Kooperationen im SB-Bereich angesichts des zunehmenden Kostendrucks aber spürbar zugenommen.“ Diese Tendenz werde sich sicher so fortsetzen.

    Sparkassen & Volksbank: Rivalen trotz Kooperation

    Auch Joachim Herrmann, Geschäftsführer des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, rechnet damit, dass sie mit den Volksbanken mehr Standorte betreiben werden. „Da kommen immer mehr“, sagte er kürzlich. Meistens finden sich in SB-Standorten jeweils Geldautomaten von Sparkasse und Genossenschaftsbank, teils teilen sie sich aber auch ein Gerät.

    Für Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind die gemeinsamen Standorte ambivalent. Sie machen es einerseits möglich, noch sichtbar in der Fläche präsent zu bleiben. Andererseits sind die gut 360 Sparkassen sowie zuletzt rund 770 Volks- und Raiffeisenbanken die schärfsten Konkurrenten, gerade im ländlichen Raum.

    Laut Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing, geht es häufig um Standorte in Gemeinden mit 2000 bis 3000 Einwohnern. „Dort lohnt es sich oft nicht mehr, eine personenbesetzte Filiale zu betreiben. Mit einem gemeinsamen Standort für Geldautomaten lassen sich die Kosten bei Befüllung der Automaten, der Sicherheit und den Stromleitungen teilen“, sagt er. „Und die Kreditinstitute können mit ihrer Marke präsent bleiben.“

    Mihm erwartet, dass es künftig noch mehr gemeinsame Geldautomatenstandorte geben wird. „Zugleich wird ein Teil davon geschlossen werden, weil die Kosten hoch bleiben.“ Tatsächlich sei ein Service, bei dem Banken oder Sparkassen das Geld auf Anforderung nach Hause brächten, günstiger.

    Zahl der Geldautomaten und der Filialen wird weiter sinken

    Insgesamt dürfte die Zahl der Geldautomaten in Deutschland weiter sinken. Zum einen nutzen weniger Menschen Bargeld, auch wenn es bisher noch vergleichsweise beliebt ist. 2021 beglichen Verbraucherinnen und Verbraucher 61 Prozent der Einkäufe an der Ladenkasse in bar, ein Jahr zuvor waren es noch 66 Prozent. Das hat das EHI Retail Institute, ein Forschungsinstitut des Handels, ermittelt. 2018 hatte der Anteil bei 76 Prozent gelegen. Mit Blick auf den Umsatzanteil überwiegen bereits Kartenzahlungen mit fast 60 Prozent.

    Zum anderen ist es öfter möglich, beim Einkauf an der Ladenkasse im Einzelhandel Bargeld abzuheben. Im vergangenen Jahr wurden immerhin gut vier Prozent des Gesamtumsatzes großer Einzelhändler wieder durch Barabhebungen an der Ladenkasse ausgezahlt, so das EHI Institute. Ein Jahr zuvor waren es drei Prozent.

    Auch der Filialabbau insgesamt wird weitergehen, weil der Großteil der Menschen inzwischen Onlinebanking nutzt. Investors Marketing prognostiziert, dass die Zahl der mitarbeiterbesetzten Filialen von zuletzt rund 21.700 auf noch 12.700 im Jahr 2027 fällt.

    Wenig hat sich zuletzt bei mit Mitarbeitern besetzten Gemeinschaftsfilialen bewegt. Dabei wird eine Geschäftsstelle in der Regel je zwei Tage zur Sparkassenfiliale und zwei Tage zur Filiale der Volksbank. In Westfalen etwa gibt es nur eine gemeinsam betriebene Filiale, in Niedersachsen gar keine, in Hessen-Thüringen immerhin 24 und in Bayern 14.

    Immer mehr Sparkassen und Genossenschaftsbanken betreiben Geldautomaten unter einem Dach. Sie bleiben so zu geringeren Kosten in der Fläche präsent. IMAGO/Michael Gstettenbauer

    Gemeinsamer Standort von Sparkasse und VR Bank in Dormagen

    Immer mehr Sparkassen und Genossenschaftsbanken betreiben Geldautomaten unter einem Dach. Sie bleiben so zu geringeren Kosten in der Fläche präsent.

    Auch das Konzept „Finanzpunkt“, mit dem Frankfurter Volksbank und Taunus Sparkasse vor drei Jahren für Furore gesorgt hatten, findet wenig Nachahmer. Bisher haben nur drei weitere Paare aus Sparkasse und Genossenschaftsbank insgesamt vier Finanzpunkte gestartet.

    Frankfurter Volksbank und Taunus Sparkasse betreiben unter dem Label „Finanzpunkt“ 26 Filialen und SB-Standorte gemeinsam, die erste Filiale davon seit Ende 2019. Eine solch flächendeckende Kooperation zwischen einem öffentlich-rechtlichen und einem genossenschaftlichen Institut, eine Art „Volks-Sparkasse“, war neu.

    Zwar gibt es bereits länger Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die sich Filialen teilen, aber nicht in so großem Stil wie in der Rhein-Main-Region. Dort wurde sogar ein eigenes Design für die Standorte entwickelt. Immer wenn Volksbank-Mitarbeiter in einem Finanzpunkt vor Ort sind, leuchtet der von außen sichtbare Beratungstresen in der Filiale in Blau. An den Sparkassen-Tagen leuchtet er rot.

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