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20.01.2022

16:29

Basel-III-Folgen

Strengere Kapitalvorschriften: Bundesbank gibt Entwarnung für den Mittelstand

Von: Yasmin Osman

Banken müssen künftig bestimmte Darlehen mit mehr Eigenkapital unterlegen. Das dürfte die Kreditkonditionen für Mittelständler kaum verteuern, sagt die Bundesbank.

Die meist kleineren deutschen Geldhäuser sind von strengeren Kapitalvorschriften für Mittelstandskredite kaum betroffen, schreibt die Bundesbank. dpa

Blick auf das Frankfurter Bankenviertel

Die meist kleineren deutschen Geldhäuser sind von strengeren Kapitalvorschriften für Mittelstandskredite kaum betroffen, schreibt die Bundesbank.

Frankfurt Kleine und mittelgroße Unternehmen müssen sich nach Einschätzung der Bundesbank nicht vor den Folgen der geplanten Bankenreform der Europäischen Union fürchten. Das im Oktober vorgelegte Gesetzespaket, mit dem die sogenannten Basel-III-Reformen umgesetzt werden, dürfte Mittelstandskredite nach Kalkulationen der Notenbank bestenfalls geringfügig verteuern.

Das Gesetzespaket zwingt vor allem größere Kreditinstitute dazu, in bestimmten Fällen mehr Eigenkapital für Darlehen vorzuhalten. Ein höherer Eigenkapitaleinsatz macht Kredite für Banken weniger rentabel und führt deshalb häufig zu schlechteren Kreditkonditionen für Kunden.

Dennoch gibt die Bundesbank Entwarnung: Zum einen liegt das daran, dass sich die Eigenkapitalvorschriften nur für größere Banken verschärfen, die bei der Berechnung ihrer Risiken auf eigene Kalkulationsmodelle zurückgreifen. Zum anderen dürften sich die Darlehen selbst in diesem ungünstigen Fall nach Einschätzung der Notenbank nur geringfügig verteuern.

Das Gros der deutschen Institute nutzt aber keine eigenen Modelle, sondern einen Standardansatz, schreibt die Bundesbank in einem Themenbeitrag, der dem Handelsblatt vorliegt.

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    „Die rund 1.300 deutschen Institute, die vorrangig kleine und mittelgroße Unternehmen finanzieren und den Standardansatz verwenden, werden kaum von steigenden Kapitalanforderungen betroffen sein“, sagt Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. Der Marktanteil dieser meist kleineren Banken liegt laut Bundesbank bei 70 Prozent.

    Der für Bankenaufsicht zuständige Notenbank-Vorstand geht davon aus, dass sich die Kreditkonditionen von Mittelständlern nicht wesentlich verschlechtern. Bloomberg

    Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling

    Der für Bankenaufsicht zuständige Notenbank-Vorstand geht davon aus, dass sich die Kreditkonditionen von Mittelständlern nicht wesentlich verschlechtern.

    Auch die möglichen Effekte der neuen Vorschriften auf die Mittelstandskredite größerer Banken hält die Bundesbank für begrenzt. Sollten diese Institute, die von den neuen Vorschriften betroffen sind, ihren gestiegenen Kapitalbedarf vollständig an ihre Firmenkunden weiterreichen, würden sich die Zinskonditionen von deren Krediten ab 2033 um 0,25 Prozentpunkte verteuern. 

    Die Bundesbank betont, dass sie für ihre Berechnungen konservative Annahmen getroffen hat und auch berücksichtigt, dass die meisten deutschen Mittelständler kein externes Rating besitzen, also die Kreditwürdigkeitsnote einer Ratingagentur. Ihre Kalkulationen beziehen sich explizit auf Firmen ohne Rating. Gerade für solche Unternehmen werden die Kapitalvorschriften für Banken mit eigenen Risikomodellen verschärft. 

    Die Kalkulation der Bundesbank-Experten dürfte unter anderem eine Reaktion auf die Kritik der Bankenverbände an den strengeren Kapitalvorschriften sein. Sie hatten vor den Folgen der Reform insbesondere für Mittelständler ohne Rating gewarnt.

    Diese Sorgen will die Bundesbank mit ihrem Beitrag zerstreuen. Daraus geht allerdings auch hervor, dass sich ein gutes externes Rating für einen Mittelständler lohnen kann: In solchen Fällen sinkt der nötige Kapitaleinsatz für Banken mit Standardmodellen um ein Viertel.

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