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21.01.2022

17:01

BdB

Christian Sewing greift durch: Bankenverband löst Doppelspitze auf

Von: Andreas Kröner, Michael Maisch, Yasmin Osman

Der Präsident will die Bankenlobby auf Effizienz trimmen. Auch die neue Bundesregierung spielt beim Abgang von Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid eine Rolle.

Als Co-Hauptgeschäftsführer führten die beiden Manager seit 2018 gemeinsam den Bundesverband deutscher Banken. dpa

Andreas Krautscheid (links), Christian Ossig

Als Co-Hauptgeschäftsführer führten die beiden Manager seit 2018 gemeinsam den Bundesverband deutscher Banken.

Frankfurt Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) trennt sich überraschend von Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. Der 60-Jährige werde im Rahmen einer Neuaufstellung des BdB im Februar ausscheiden, teilte die Lobbyorganisation der deutschen Privatbanken mit. Künftig soll der BdB allein von Christian Ossig geführt werden, der seit 2018 eine Doppelspitze mit Krautscheid bildet.

Ausschlaggebend für Krautscheids Abgang war Finanzkreisen zufolge Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, der seit Juli 2021 BdB-Präsident ist. Sewing wolle den Verband effizienter aufstellen und dort nur noch einen Ansprechpartner haben, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Durch die Doppelspitze beim BdB habe es Reibungsverluste gegeben. Deshalb habe man sich mit Krautscheid auf eine Auflösung seines Vertrags verständigt.

Grundsätzlich ist eine Doppelspitze beim BdB ohnehin die Ausnahme und nicht die Regel. Innerhalb des Verbandes sahen viele die Nominierung des Duos Ossig und Krautscheid als Notlösung an, nachdem sich Ex-Präsident Hans-Walter Peters 2017 Knall auf Fall von Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer getrennt hatte.

Dass sein Nachfolger Sewing den BdB nun neu aufstellt, führen manche auch auf den Ausgang der Bundestagswahl zurück. Nach der Übernahme der Regierung durch SPD, Grüne und FDP sortieren sich in Berlin gerade viele Lobbyverbände neu, zumal auch viele neue Abgeordnete in den Bundestag eingezogen sind.

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    Krautscheid hat zwar auch gute Kontakte zu FDP und Grünen. Als ehemaliger CDU-Minister und Generalsekretär in Nordrhein-Westfalen steht er aber naturgemäß der Union am nächsten. Bei einem Wahlsieg von Armin Laschet hätte der BdB vermutlich noch länger an Krautscheid festgehalten, sagten mit dem Thema vertraute Personen.

    Sewing: „Mit einem Geschäftsführer können wir den Verband schlanker führen“

    Krautscheid wollte sich zu den Gründen für sein Ausscheiden nicht äußern. In einer Mitteilung des Verbandes sprach er von elf herausfordernden und spannenden Jahren beim BdB. „Die mehr als ein Jahrzehnt währende Tätigkeit im Bankenverband war immer ein Spiegel der Entwicklung der gesamten Branche, von den Auswirkungen der Finanzkrise mit umfangreicher nationaler und europäischer Regulierung über die Digitalisierung, mit der Aufnahme von Fintechs in den Verband bis zur jetzigen Aufgabe der Banken bei der Finanzierung einer nachhaltigen Wirtschaft.“

    Sewing verabschiedete Krautscheid mit warmen Worten. Er sei ein hochangesehener Vertreter der privaten Banken und habe die Organisation gemeinsam mit Ossig neu ausgerichtet und durch die Zeit der Pandemie geführt. Nun werde man den erfolgreichen Weg mit Ossig fortsetzen. „Mit einem Geschäftsführer können wir den Verband schlanker führen.“

    Der BdB vertritt die Interessen von über 170 privaten Banken sowie rund 30 außerordentlichen Mitgliedern wie Fintechs. Zu den Mitgliedern zählen große Institute wie Deutsche Bank und Commerzbank, aber auch viele kleine Privat- und Regionalbanken.

    Für Schlagzeilen sorgte der BdB zuletzt vor allem wegen seines Einlagensicherungsfonds, der nach der Pleite der Bremer Greensill Bank Anleger im großen Stil entschädigen musste. Die Privatbanken beschlossen daraufhin einen grundlegenden Umbau ihrer Einlagensicherung und senkten den Schutzumfang dabei drastisch.

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