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19.09.2017

18:49

Bezahl-App „Tez“

Google startet Großoffensive im Mobile Payment in Indien

Von: Frederic Spohr

Nach der Bargeld-Reform boomt der Markt für Mobile Payment in Indien erst recht. Nun beginnt das Rennen der amerikanischen Tech-Konzerne um die lukrativen Zahlungsdaten. Google macht mit der Bezahl-App „Tez“ den Anfang.

Google will mit seiner Bezahl-App Pionierarbeit leisten. Reuters

Bargeldloses Bezahlen

Google will mit seiner Bezahl-App Pionierarbeit leisten.

Bangkok Eine Rikscha-Fahrt in Indien wird oft nicht mehr mit Cash bezahlt: Stattdessen scannen die Passagiere nach der Fahrt einfach einen am Fahrzeug angebrachten QR-Code ein – und bezahlen mit der in Indien mittlerweile allgegenwärtigen Bezahl-App PayTM.

Mit seiner radikalen Bargeld-Reform im vergangenen November hat Regierungschef Narendra Modi bei den digitalen Bezahlanbietern Euphorie verbreitet: Über Nacht erklärte er die meisten Scheine für ungültige Zahlungsmittel. Modi hatte im November 2016 kurzerhand Geldscheine im Wert von 500 und 1000 Rupien zu unzulässigen Zahlungsmitteln erklärt – und damit rund 86 Prozent des Bargeldes aus dem Verkehr gezogen. Mit dem Schritt sollte die grassierende Schattenwirtschaft in dem Land bekämpft und Transparenz geschaffen werden: Die Inder sollten ihr Geld auf Konten einzahlen und nachweisen, ob sie das Geld jemals versteuert hatten. Neben Kreditkarten waren Apps wie PayTM der Rettungsanker für Millionen verzweifelte Inder.

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

Mittlerweile sind zwar wieder ausreichend Bargeld-Scheine im Umlauf. Dennoch greifen die Inder nun immer häufiger zum Smartphone statt zum Portemonnaie. Von diesem Trend wollen künftig auch die großen US-Konzerne profitieren. Diese Woche ist Google mit seiner Bezahl-App Tez an den Start gegangen. In einem gemeinsamen Bericht mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group rechnet Google vor, dass sich digitale Bezahlvorgänge bis 2020 jährlich auf rund 500 Milliarden US-Dollar summieren werden.

Unterstützt werden die Konzerne dabei von der indischen Regierung. Sie versucht auch nach der radikalen Maßnahme Modis, den Gebrauch von Bargeld schrittweise zu reduzieren. Bei der Präsentation der neuen Google-App stand etwa Indiens Finanzminister Arun Jaitley auf der Bühne. „Mit so einer komfortablen Applikation wird das, was einst Zwang war, zu einer komfortablen Angelegenheit“, sagte er im Hinblick auf den brachialen Schritt seines Regierungschefs.

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    Wissenswertes über das kontaktlose Bezahlen

    Kleingeldsuche war gestern

    Um beim schnellen Einkauf und Bezahlen von Kleinbeträgen nicht mühsam in der Geldbörse suchen zu müssen, erhalten immer mehr Kunden von ihrer Bank die Möglichkeit zum kontaktlosen Bezahlen mit ihrer Giro- und Kreditkarte. Ein Hinweis ist das Funksymbol auf der Karte – ist die Funktion aktiviert, kann man Beträge von in der Regel höchstens 25 Euro durch bloßes Annähern der Karte an ein spezielles Gerät bezahlen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

    Quelle: Bundesverband deutscher Banken

    1. Wie funktioniert der kontaktlose Bezahlvorgang?

    Die Karte braucht nicht mehr aus der Hand gegeben zu werden. Der Karteninhaber hält seine kontaktlose Karte im Abstand von höchstens vier Zentimetern an ein Lesegerät am Bezahlterminal des Händlers. Die Zahlung wird anschließend über ein Signal bestätigt. Je nach Terminaltyp kann das ein optisches oder ein akustisches Signal sein. Es zeigt an, dass alle Daten vollständig erfasst sind und der Vorgang durch die Bank autorisiert wurde.

    Die kontaktlose Bankkarte ist neben dem Mikrochip (EMVChip) mit einer Antenne ausgerüstet und beides kommuniziert mit dem Händlerterminal. Das Gegenstück zur Karte ist ein spezielles Radio-Frequenz-Lesegerät (NFC-Händlerterminal). Daher wird diese Form des kontaktlosen Bezahlens oft „NFC-Technik“ (Near-Field-Communication-Technik) genannt.

    2. Welche Vorteile hat das kontaktlose Bezahlen?

    Die Bezahlvorgänge an den Kassen sind einfach und verkürzen sich enorm. Der Kunde muss nicht überlegen, wie er die Giro-Card beziehungsweise die Kreditkarte ins Lesegerät steckt. Zudem entfällt oft bei Beträgen unter 25 Euro auch die Eingabe der PIN, was den Bezahlvorgang zusätzlich verkürzt. Es genügt, die Karte nahe vor das Bezahlterminal zu halten. Bei Beträgen bis 25 Euro, die oft keine PIN-Eingabe erfordern, erfolgt der Bezahlvorgang damit in Sekundenschnelle.

    3. Muss die neue Bankkarte vorher aktiviert werden?

    Die kontaktlose Schnittstelle ist nicht aktiv, wenn die Karte an den Kunden versendet wird. Die Funktion wird aktiviert, wenn der Kunde die Bankkarte zum ersten Mal in ein Bezahlterminal oder einen Geldautomaten stecken. Erst danach kann auch kontaktlos bezahlt werden.

    4. Was ist ein EMV-Chip?

    Wenn man sich die Bankkarte genau anschaut, dann sieht man, dass darin ein Mikrochip integriert ist. Dieser EMV-Chip regelt die Kommunikation zwischen Karte und Terminal – beim Bezahlen an der Kasse und beim Geldabheben am Automaten. Er schützt die Daten auf dem Chip gegen Verfälschung, Ausspähen beziehungsweise Kopieren. Der EMV-Chip ist von Kartenorganisationen für das sichere Bezahlen entwickelt worden. „EMV“ bezeichnet einen Standard.

    5. Was bedeutet NFC-Technik?

    „NFC-Technik“ steht für Near-Field-Communication-Technik und wird meist synonym für „kontaktloses Bezahlen“ verwendet. Im Gegensatz zum Einstecken der Karte in das Terminal werden bei der NFC-Technik die Bezahldaten mittels Funk ausgetauscht. Die Karte wird durch ein elektromagnetisches Feld aktiviert. Dieses Feld wird vom Händlerterminal erzeugt. Es ist nur dann aktiv, wenn die Bezahlung vom Händler angestoßen wird und führt zu einer einzigen Transaktion über die Karte. Dieser Bezahlvorgang kann dann „kontaktlos“ ohne PIN oder mit PIN erfolgen. Kontaktlose Kartentransaktionen ohne Eingabe der PIN sind in der Regel auf maximal 25 Euro beziehungsweise bis zu dem mit der Bank vereinbarten Betrag begrenzt. Auch unter 25 Euro kann aus Sicherheitsgründen zusätzlich eine PIN-Eingabe von Kunden gefordert werden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Zahlung ist auch, dass die Karte nah genug an das Terminal herangeführt wird, da die Funktechnik auf den Nahbereich ausgelegt ist.

    6. Ist kontaktloses Bezahlen genauso sicher wie das herkömmliche Zahlen mit Karte?

    Beim kontaktlosen Bezahlen kommen Experten zufolge die gleichen bewährten und hohen Sicherheitsmechanismen zum Einsatz wie bei einem kontaktbehafteten Einsatz der Girocard oder Kreditkarte. Diese Sicherheitsmechanismen sowie die notwendige Nähe zu einem Lesegerät sollen die Risiken eines unautorisierten Abfangens von Daten auf der Karte verhindern. Haben Kunden dennoch Sicherheitsbedenken, können sie die Verwendung einer NFC-Schutzhülle erwägen, die zur Abschirmung der in der Karte eingebauten NFC-Antenne dient, solange sich die Karte in der Hülle befindet.

    7. Wie oft kann man kontaktlos bezahlen?

    Anzahl und Höhe der möglichen kontaktlosen Bezahlvorgänge ohne Eingabe einer PIN hängen von der Ausstattung der Karte durch die kartenausgebende Bank ab. Aus Sicherheitsgründen kann in der Regel nur eine beschränkte Anzahl von Bezahlvorgängen von jeweils höchstens 25 Euro nacheinander ohne PIN-Eingabe erfolgen. Als weitere Schutzmaßnahme besteht ein Höchstbetrag für nacheinander durchgeführte kontaktlose Bezahlvorgänge ohne PIN. Ist dieser erreicht, müssen Kunden bei der nächsten kontaktlosen Zahlung, egal ob unter oder über 25 Euro, die PIN am Terminal eingeben.

    8. Wie wird die kontaktlose Zahlung abgerechnet?

    Die Abrechnung der kontaktlosen Transaktion erfolgt für Kunden wie gewohnt: über das eigene Girokonto (Debit-Funktion) oder über die Kreditkartenabrechnung.

    9. Gibt es an der Kasse ein „Bezahlen aus Versehen“?

    Ein „Bezahlen aus Versehen“ wird dadurch unterbunden, dass nur spezielle Lesegeräte beim Händler über die notwendige Berechtigung (EMV-Standard) verfügen, um eine solche Zahlung auszulösen. Darüber hinaus muss jeder einzelne kontaktlose Bezahlvorgang aktiv vom Händler ausgelöst werden. Der Kunde wird unmittelbar danach über die Zahlung am Display des Händlerterminals informiert. Generell gilt wie für alle anderen Bezahlvorgänge auch: Kunden sollten regelmäßig ihre Kontoauszüge und ihre Kreditkartenabrechnung überprüfen.

    Was den digitalen Zahlungsverkehr betrifft, ist der indische Staat eine enge Allianz mit der Wirtschaft eingegangen: Die drastische Reduktion von Bargeld und der damit verbundene Kampf gegen Steuerhinterziehung kommt den großen Technologie-Konzernen sehr gelegen: Anhand der Zahlungsströme lassen sich Kundenpräferenzen noch einfacher erkennen.

    Angesichts des eigenen Interesses an einer weiter fortschreitenden Digitalisierung von Bezahlprozessen macht es der Staat den Unternehmen einfach. Caesar Sengupta, Chef von Googles Schwellenländer-Programm „The next Billion“-Initiative, geht davon aus, dass Indien im digitaler Zahlungsverkehr „den Westen bald überholen wird“. Google-Chef Sundar Pinchai twitterte, die neue App sei Googles Beitrag zur Digitalisierungsinitiative des Regierungschefs.

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