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01.12.2022

12:39

Bezahldienste

Deutsche Verbraucher zahlen lieber nicht per Smartphone – das sind die Gründe

Von: Elisabeth Atzler

Bezahlen per Apple Pay oder Google Pay an der Ladenkasse ist kein großer Trend. Kunden in Deutschland und in Frankreich sind besonders zurückhaltend.

Verbraucher in Deutschland bevorzugen mehrheitlich noch immer die Barzahlung. E+/Getty Images

Bezahlen per Smartphone

Verbraucher in Deutschland bevorzugen mehrheitlich noch immer die Barzahlung.

Frankfurt Auch vier Jahre nach dem Start von Apple Pay in Deutschland nutzt nur ein Bruchteil der Verbraucherinnen und Verbraucher das Smartphone zum Bezahlen an der Ladenkasse. Lediglich acht Prozent der Deutschen zahlen Einkäufe per Smartphone, also beispielsweise über die Bezahldienste von Apple und Google, Apple Pay und Google Pay. Das hat eine Umfrage im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma PwC ergeben.

Das ist sogar ein kleiner Rückgang gegenüber 2020. Damals gaben neun Prozent der Befragten an, per Smartphone zu zahlen. 2018 waren es fünf Prozent.

Die Nutzung von Handyzahlungen kommt damit in Deutschland überraschend langsam voran und liegt deutlich unter dem Schnitt – 15 Prozent – in Westeuropa. In den Niederlanden gaben sogar 22 Prozent der Verbraucher an, per Smartphone zu zahlen, in der Schweiz 29 Prozent. In Frankreich waren es dagegen nur sechs Prozent. PwC hat knapp 5800 Menschen in 15 Ländern online befragt.

Die PwC-Experten führen den geringen Anteil der deutschen Konsumentinnen und Konsumenten, die mit Smartphone bezahlen, vor allem auf drei Faktoren zurück:

  • Erstens sei die Bargeldpräferenz hierzulande vergleichsweise hoch.

Mehr als die Hälfte der Befragten zahlt am liebsten mit Scheinen und Münzen. Im Durchschnitt über die 15 Länder sind es 37 Prozent.

  • Zweitens verweist PwC darauf, dass die beliebte Girocard (früher „EC-Karte“) nur eingeschränkt bei Apple Pay oder Google Pay funktioniert.

So bieten die Sparkassen seit Sommer 2020 an, dass Kunden bei Apple Pay die Girocard hinterlegen können. Die private National-Bank plant diesen Schritt.

Neue Girocards sind leichter bei Apple Pay einsetzbar

Debit- und Kreditkarten von Mastercard und Visa lassen sich für Apple Pay und Google Pay meist nutzen, und in einigen Ländern geben Banken vor allem diese Kartentypen aus. Doch in Deutschland wird die Girocard, von der 100 Millionen in Umlauf sind, sehr viel mehr genutzt. Viele Menschen haben nur eine Girocard. Zuletzt hatte das kontaktlose Bezahlen per Girocard stark genommen. Dabei muss man die Karte dicht an das Kartenlesegerät an der Ladenkasse halten, nicht aber mehr einstecken.

  • Und drittens gebe es in Deutschland keine etablierte Bezahllösung für das Handy, wie es zum Beispiel in Schweden mit „Swish“ und in der Schweiz mit „Twint“ der Fall sei, so PwC.

Ein Großteil der deutschen Geldhäuser hat sich zwar auf eine App für Handy-zu-Handy-Zahlungen, „Kwitt“, verständigt, nicht aber für das Bezahlen an der Ladenkasse. Eine solche App könnte, damit sie über alle Karten und Handytypen anwendbar ist wie die Pendants in Schweden und der Schweiz, auf QR-Codes basieren.

Apple Pay und Google Pay funktioniert per NFC-Technologie, kurz für Near Field Communication. Zum Bezahlen hält der Nutzer sein Smartphone nahe an das Kassenterminal, also wie beim kontaktlosen Zahlen mit der Girocard oder anderen Bankkarten.

Gleichwohl geht PwC davon aus, dass Handyzahlungen auch in Deutschland zunehmen:

„Natürlich steht es am Ende den einzelnen Banken frei, ob sie die Funktionen für mobile Zahlverfahren freischalten und ihren Kundinnen und Kunden zur Verfügung stellen“, sagt Johannes Gärtner, Director bei Strategy& bei PwC. Allerdings sei mit dem Ersatz der Maestro-Girocards durch Debit-Mastercard- und Visa-Debit-Girocards durchaus eine deutliche Verbreiterung der Nutzerbasis in Deutschland zu erwarten.

An anderer Stelle zeigt sich größere Skepsis gegenüber Tech-Konzernen. Etwa drei Viertel der Befragten in Deutschland können sich nicht vorstellen, ein Konto bei Tech-Unternehmen zu eröffnen. Für Apple liegt der Wert nur bei zwei Prozent, Google kommt auf sechs Prozent. Ein Konto beim US-Onlinebezahldienst Paypal wäre immerhin für 17 Prozent denkbar. In den meisten anderen Ländern ist die Zurückhaltung gerade mit Blick auf Apple und Google etwas geringer.

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