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12.01.2023

10:25

Bilanzskandal

Aussage von Ex-Wirecard-Chef verzögert sich – Streit über Kronzeugen

Die Zeugenaussage von Markus Braun wird nächste Woche nicht stattfinden. Die Befragung des Kronzeugen dürfte länger dauern – obwohl dieser keine Fragen der Mitangeklagten beantworten will.

Der ehemalige Wirecard-Chef wird diese Woche nicht vor Gericht aussagen. dpa

Markus Braun

Der ehemalige Wirecard-Chef wird diese Woche nicht vor Gericht aussagen.

München Im Prozess um die milliardenschwere Pleite des Finanzkonzerns Wirecard verzögert sich die Aussage des angeklagten Ex-Chefs Markus Braun möglicherweise bis Februar. „Ich gehe davon aus, dass wir nächste Woche in keinem Fall zu einer Vernehmung von Herrn Dr. Braun kommen werden“, sagte der Vorsitzende Richter Markus Födisch am Donnerstag in der Verhandlung am Landgericht München.

Die Befragung des mitangeklagten Kronzeugen Oliver Bellenhaus dauert absehbar noch mehrere Tage, weil die Verteidiger von Braun und dem Mitangeklagten Chefbuchhalter Stephan von Erffa dessen Glaubwürdigkeit anzweifeln. Darüber gab es auch am Donnerstag Streit.

Födisch sagte, er plane nun vier Tage für Bellenhaus' weitere Befragung und einen Tag für Stellungnahmen der Verteidiger der Mitangeklagten zu Bellenhaus' Antworten. Auf dem Gerichtskalender stehen noch vier Verhandlungstermine im Januar und dann weitere Termine im Februar. Zuletzt hatte das Gericht vom kommenden Donnerstag (19. Januar) an fünf Tage für Brauns Aussage und Befragung zu den Anklagevorwürfen eingeplant.

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten Bilanzfälschung, Marktmanipulation, Untreue und gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Die Verteidiger von Braun und von Erffa haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Braun und Bellenhaus sitzen seit dem Zusammenbruch des Dax-Konzerns vor rund zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft.

Während Bellenhaus die Vorgänge bei Wirecard wie die Staatsanwaltschaft als gemeinsame Bilanzmanipulation in großem Stil beschreibt, spricht Brauns Anwalt Alfred Dierlamm von Veruntreuung vorhandener Milliardenbeträge hinter Brauns Rücken. Auch am Donnerstag kam es zu Wortgefechten zwischen Dierlamm und Bellenhaus' Verteidiger Florian Eder, der Dierlamms Einwürfe als unzulässig zurückwies.

Wortgefechte bringen Richter in Rage

Schließlich verlor Richter Födisch seine Geduld: „Was ich überhaupt nicht brauche, ist, dass zwei Anwälte laut diskutieren mit null Mehrwert.“ Die Verteidiger von Braun und Erffa wollen nun ausführliche Fragenkataloge einreichen, auf deren Basis der Richter Bellenhaus' Vernehmung fortsetzen soll.

Bellenhaus will nach Angaben seines Verteidigers Eder nur Fragen des Gerichts beantworten, aber nicht der Verteidiger der Mitangeklagten. Eder berief sich auf das Schweigerecht seines Mandanten und wies auch den Vorschlag des Richters zurück, Fragen der Verteidiger als eigene Fragen zu stellen.

Bellenhaus belastete seine Mitangeklagten und weitere von der Staatsanwaltschaft beschuldigte Manager erneut schwer. Gemeinsam habe man die Milliardenbeträge in den Büchern gefälscht. „Das Kernteam waren Dr. Markus Braun, Jan Marsalek, Burkhard Ley, Stephan von Erffa und ich“, sagte der frühere Statthalter von Wirecard in Dubai. Vorstandschef Braun sei „Inspirator“ und „Spiritus Rector“ gewesen.

Die Vorstände Marsalek, der untergetaucht ist, und Ley, der die Vorwürfe in einem noch laufenden Ermittlungsverfahren zurückgewiesen hat, hätten ebenfalls entscheidende Rollen gespielt. „Die operativen Säulen dieses Betrugs waren Stephan von Erffa und ich“, sagte Bellenhaus. Zu zweit hätten sie die Zahlen gefälscht, um die vom Vorstand gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Von

rtr

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