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09.11.2022

12:37

Bilanzskandal

Ex-Wirecard-Chef Markus Braun muss sich schon ab 8. Dezember vor Gericht verantworten

Von: René Bender, Michael Verfürden

Das Landgericht München I hat den Termin für den Prozessauftakt festgelegt – und zunächst 100 Verhandlungstage bis Ende 2023 angesetzt.

Der frühere Wirecard-CEO Markus Braun führte den Wirecard-Konzern bis zu dessen Pleite fast zwei Jahrzehnte lang. Er weist alle Betrugsvorwürfe zurück. Reuters

Markus Braun

Der frühere Wirecard-CEO Markus Braun führte den Wirecard-Konzern bis zu dessen Pleite fast zwei Jahrzehnte lang. Er weist alle Betrugsvorwürfe zurück.

Düsseldorf, Frankfurt Der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun muss sich schon in wenigen Wochen vor Gericht verantworten. Das Landgericht München I teilte am Mittwoch mit, dass die Hauptverhandlung im Prozess um den milliardenschweren Betrugsskandal bei dem ehemaligen Dax-Konzern Wirecard am 8. Dezember beginnen wird.

Die 4. Große Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Markus Födisch hat bis Ende 2023 zunächst 100 Termine angesetzt. Verhandelt wird in einem Sitzungssaal in der Stettnerstraße in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Dort läuft seit gut zwei Jahren bereits der Prozess im Dieselskandal gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler.

Braun steht im Mittelpunkt des Prozesses um den größten Bilanzskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Aschheimer Zahlungsdienstleister Wirecard war im Sommer 2020 zusammengebrochen, nachdem der einst wertvollste Finanzkonzern Deutschlands zugeben musste, dass ein angebliches Treuhandvermögen in Milliardenhöhe nicht existierte.

Wirecard-Prozess: Mehr als 700 Aktenbände der Ermittler

Fast 20 Monate lang ermittelte die Staatsanwaltschaft München I anschließend. Die Ermittler führten 450 Vernehmungen durch und stellten 80 Rechtshilfeersuchen – unter anderem nach Singapur, Belarus und die Philippinen. Ihre Erkenntnisse fassten sie in mehr als 700 Aktenbänden zusammen. Im März 2022 erhoben sie schließlich eine 474 Seiten lange Anklage gegen Braun sowie zwei weitere ehemalige Wirecard-Manager.
Mit Braun auf der Anklagebank Platz nehmen müssen auch der einstige Chefbuchhalter und Vizefinanzvorstand des Konzerns, Stephan von Erffa, sowie der frühere Statthalter von Wirecard in Dubai, Oliver Bellenhaus.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio gewerbsmäßigen Bandenbetrug, die Veruntreuung von Konzernvermögen, Bilanzfälschung sowie Manipulation des Wirecard-Aktienkurses vor. Die Manager hätten über Jahre hinweg darauf hingearbeitet, das Unternehmen erfolgreicher aussehen zu lassen, als es tatsächlich war, so die Staatsanwaltschaft. Hierzu sollen sie angeblich äußerst ertragreiche Geschäfte, vor allem in Asien, erfunden haben. Entsprechend seien die Bilanzen der Jahre 2015 bis 2018 gefälscht.

Die Staatsanwaltschaft baut ihre Anklage dabei in wesentlichen Teilen auf der Aussage von Bellenhaus auf. Er fungiert in dem anstehenden Prozess als Kronzeuge.

Von Erffa und Braun weisen die Vorwürfe dagegen zurück. Braun sieht sich gar selbst als Opfer eines langjährigen Betrugs im Konzern und einer Bande, die Millionensummen hinter seinem Rücken veruntreut habe. Bellenhaus und Braun sitzen beide seit Juli 2020 in Untersuchungshaft – Bellenhaus in München-Stadelheim, Braun in Augsburg-Gablingen.

Erst im September dieses Jahres ließ das Landgericht München die Anklage nach rund sechsmonatiger Prüfung unverändert zu. Das anstehende Verfahren dürfte eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik werden. Von dem Prozess erhoffen sich auch die ehemaligen Wirecard-Aktionäre Aufklärung darüber, wie es zu der Insolvenz kommen konnte.

Einer derjenigen, die viel zur Aufklärung beitragen könnte, wird dazu allerdings nichts beisteuern. Denn Jan Marsalek, einer der mutmaßlichen Drahtzieher hinter dem Milliardenbetrug, wird nicht mit auf der Anklagebank sitzen. Der frühere Asienvorstand Wirecards ist seit Juni 2020 auf der Flucht und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Vieles sprach zuletzt dafür, dass er sich in Russland aufhält.

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