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19.04.2022

11:14

Bilanzskandal

Staatsanwaltschaft München verlangt von Russland Auslieferung von Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek

Von: Volker Votsmeier

Wirecards Ex-Asienchef ist auf der Flucht. Münchener Ermittler vermuten ihn in Moskau und richten dorthin ein Rechtshilfeersuchen. Offen bleibt, warum das Bundeskanzleramt die Informationen nicht weitergab.

Jan Marsalek ist seit dem Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters auf der Flucht. Er gilt als zentrale Figur des Milliardenbetrugs. dpa

Fahndung nach dem Ex-Wirecard-Vorstand

Jan Marsalek ist seit dem Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters auf der Flucht. Er gilt als zentrale Figur des Milliardenbetrugs.

Düsseldorf Die deutsche Justiz hat im Fall des flüchtigen früheren Wirecard-Vorstands Jan Marsalek ein Rechtshilfeersuchen an die russische Regierung gestellt. Die Staatsanwaltschaft München I will damit die Auslieferung Marsaleks erwirken. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise über den Vorgang berichtet.

Mit der Sache vertraute Personen bestätigten gegenüber dem Handelsblatt, dass der Bericht stimmt. Weder die Staatsanwaltschaft noch der Verteidiger von Jan Marsalek wollten sich auf Nachfrage äußern.

Noch vor den Osterfeiertagen soll die Staatsanwaltschaft München das Inhaftnahmeersuchen an die russischen Behörden geschickt haben. Darin verlangten die Ermittler von der russischen Justiz, den weltweit gesuchten Marsalek aus einem Versteck in Moskau zu holen, in Haft zu nehmen und an Deutschland auszuliefern. Das Ersuchen enthalte den genauen Fluchtort des 42-Jährigen im Januar 2021.

Das Versteck Marsaleks soll sich in der Nähe von Moskau befinden, bereitgestellt vom russischen Geheimdienst. Laut „Bild“ soll der Aufenthaltsort des früheren Wirecard-Vorstands dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundeskanzleramt bereits seit vergangenem Jahr bekannt gewesen sein.

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    Fragwürdige Rolle des Bundeskanzleramts

    Dem Blatt zufolge sollen die Münchener Ermittler aber nicht eingeweiht gewesen sein, sondern erst durch die Enthüllungen der Zeitung von Marsaleks Aufenthaltsort erfahren haben.

    Auf die Frage, warum das Bundeskanzleramt diese Informationen nicht an die Ermittler weitergegeben hat, wollte sich eine Behördensprecherin nicht äußern. Das Bundeskanzleramt ließ eine Anfrage dazu bisher unbeantwortet.

    Die Staatsanwaltschaft München I sieht in Marsalek einen der Hauptverantwortlichen für den Bilanzskandal. Der für das Asiengeschäft verantwortliche Manager soll mittels eines unübersichtlichen Firmengeflechts riesige Beträge aus dem Unternehmen geschleust haben. Die Vorwürfe lauten unter anderem auf gewerbsmäßigen Bandenbetrug, einen besonders schweren Fall der Untreue und Bilanzfälschung.

    Marsalek soll gewusst haben, dass ein angeblich auf einem Treuhandkonto bei philippinischen Banken geführtes Guthaben von 1,9 Milliarden Euro in Wahrheit nicht existierte. Außerdem steckte der Österreicher zusammen mit seinem Partner Henry O'Sullivan mutmaßlich hinter dem Kauf einer indischen Firmengruppe durch Wirecard, mit dem er sich selbst bereicherte.

    Wegen seiner Flucht hat die Behörde allerdings davon abgesehen, Marsalek anzuklagen. Mitte März haben die Ermittler im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Zahlungsabwicklers vor knapp zwei Jahren eine erste Anklage erhoben. Sie richtet sich gegen den langjährigen Vorstandschef Markus Braun. Mit ihm angeklagt sind Oliver Bellenhaus, einstiger Statthalter Wirecards in Dubai, sowie Stephan von Erffa, der ehemalige Chefbuchhalter und Vizefinanzvorstand.

    Braun sitzt seit Juli 2020 in Untersuchungshaft, er weist die Vorwürfe zurück. Er stellt sich als Opfer seines Vorstandskollegen und Vertrauten Marsalek dar. Das damals im Dax 30 gelistete Unternehmen Wirecard musste wegen eines Bilanzlochs von 1,9 Milliarden Euro im Juni 2020 Insolvenz anmelden.

    Mit Agenturmaterial.

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