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24.06.2022

04:02

Bitcoin und Sparkassen

Sparkassen ringen um eine Position zu Kryptowährungen – Entscheidung soll am Montag fallen

Von: Elisabeth Atzler

Vorgesehen ist, dass das DSGV-Spitzengremium Sparkassen von Angeboten zum Kryptohandel abrät. Ein Verbot ist das aber nicht. Einzelne Sparkasse sind vorgeprescht.

Soll es Kryptowährungen wie den Bitcoin künftig direkt bei der Sparkasse geben? Der DSGV sieht das kritisch. Der Bitcoin-Kurssturz dürfte die Skepsis verstärken. imago images/U. J. Alexander

Ein symbolischer Bitcoin

Soll es Kryptowährungen wie den Bitcoin künftig direkt bei der Sparkasse geben? Der DSGV sieht das kritisch. Der Bitcoin-Kurssturz dürfte die Skepsis verstärken.

Frankfurt Sparkassenpräsident Helmut Schleweis hat dem Handel mit Kryptowährungen bereits eine deutliche Absage erteilt und sie als eine Art „Schneeballsystem“ bezeichnet. Nun läuft es nach Informationen des Handelsblatts offenbar darauf hinaus, dass auch das Spitzengremium der Finanzgruppe einzelnen Sparkassen davon abraten will, den Handel mit Kryptowährungen anzubieten.

Aber noch ist das Ringen um den Umgang mit den Cyberwährungen in der größten deutschen Finanzgruppe nicht endgültig entschieden, zumal einige Spieler im Sparkassensektor bereits vorgeprescht sind und Tatsachen geschaffen haben.

Am kommenden Montag will die Sparkassenorganisation nach Handelsblatt-Informationen über das Thema entscheiden. Der Gesamtvorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) tagt dann in Berlin und will unter anderem Grundsätze zu Kryptoanlagen beschließen. Insidern zufolge wird vorgeschlagen, dass das Spitzengremium eine Empfehlung ausgibt, laut der Sparkassen den Handel mit Kryptowährungen nicht anbieten sollten.

Zugleich aber dürfte der DSGV-Gesamtvorstand bei seiner Entscheidung eine Hintertür offenlassen für all jene, die befürworten, dass Sparkassen sich dem Angebot von Kryptowährungen nicht verschließen. Ohnehin können weder der DSGV noch DSGV-Gremien einzelnen der gut 360 Sparkassen untersagen, Kryptowährungen beispielsweise über Partnerfirmen anzubieten – was auch bereits geschieht. Das Votum des Gesamtvorstands dürfte Sparkassen, die Angebote zum Beispiel über Partner erwägen, aber zumindest zögern lassen, in das höchst umstrittene Geschäft einzusteigen.

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    Seit Ende vergangenen Jahres ist bekannt, dass Sparkassen über den Einstieg in den Kryptohandel nachdenken. Wie die Sparkassen sich bei Kryptowährungen positionieren, hat Signalwirkung. Schließlich ist die Finanzgruppe Marktführer in der deutschen Bankenbranche.

    Grafik

    Allerdings befindet sich der Kryptomarkt gerade in heftigen Turbulenzen. Der Bitcoin, die älteste und wichtigste Digitalwährung, ist im Juni eingebrochen – nachdem er bereits Ende 2021 und im April 2022 massiv an Wert verloren hatte. Am Donnerstagmittag notierte der Bitcoin bei knapp 21.000 Dollar. Das ist 70 Prozent unter dem Hoch vom vergangenen November.

    Zudem kam es zuletzt bei mehreren Unternehmen aus der Kryptowelt zu Pannen. Der US-Krypto-Kreditgeber Celsius Network hatte vergangene Woche die Konten seiner 1,7 Millionen Kunden eingefroren.

    Die Digitalwährungen stehen aber nicht nur wegen der heftigen Kursschwankungen in der Kritik, sondern auch weil bei der Schaffung bestimmter Coins viel Energie verbraucht wird und sie dazu dienen können, kriminelle Geschäfte zu finanzieren oder zu verschleiern.

    Sparkassenpräsident warnt vor „Gang zum Spielcasino“

    Das Thema ist im Sparkassensektor daher ohnehin umstritten. Sparkassenpräsident und DSGV-Chef Helmut Schleweis hat sich bereits mehrfach skeptisch gegenüber Kryptoangeboten geäußert und Kryptohandel mit dem „Gang zum Spielcasino“ verglichen.

    Ähnlich kritisch zeigte sich der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Reuter. Der Chef des baden-württembergischen Verbands, Peter Schneider, hatte den Einstieg in den Bitcoin-Handel abgelehnt. Die meisten der zwölf regionalen Sparkassenverbände wollten sich auf Handelsblatt-Anfrage jetzt nicht oder nicht noch einmal dazu äußern, wie sie ein mögliches Sparkassenangebot für Kryptohandel und der Verwahrung digitaler Währungen sehen.

    Aus einigen Regionalverbänden ist bereits die Haltung bekannt, Sparkassenkunden Kryptowährungen unter Umständen zugänglich zu machen. So betrachtet der Sparkassenverband Schleswig-Holstein Kryptowährungen zwar auch als spekulative Anlagen. „Gleichwohl bin ich persönlich davon überzeugt, dass wir uns einer Entwicklung nicht verschließen können“, sagte Verbandspräsident Oliver Stolz kürzlich.

    Die westfälische Sparkassenpräsidentin Liane Buchholz hatte sich vor drei Monaten ebenfalls offen dafür gezeigt, dass die Institute ihren Kundinnen und Kunden Anlagen in Kryptowährungen ermöglichen – vorausgesetzt der Kryptohandel wird reguliert.

    Das verdeutlicht, in welchem Zwiespalt die Sparkassen stecken. Einerseits sind die digitalen Währungen noch nicht reguliert und angesichts der starken Schwankungen extrem riskant. Sollten Sparkassenkunden hohe Verluste erleiden, könnte das der Reputation des gesamten Sektors großen Schaden zufügen. Als Konsens in der Sparkassengruppe gilt daher, dass die Kreditinstitute auf keinen Fall Beratung zu Kryptowährungen anbieten.

    Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass sich ein Teil der Kundinnen und Kunden für Cyberdevisen interessiert und teils auch schon investiert. Schaffen die Sparkassen kein eigenes Kryptoangebot, droht diese Klientel zu anderen Kryptoanbietern abzuwandern. Man sei über die Volumina überrascht gewesen, die in Richtung Kryptohandelsplätze abgeflossen seien, sagte ein Insider. Dabei entgehen den Sparkassen zum einen Erträge, zum anderen können sie Kunden durch einen Sparkassen-Kryptohandel enger an sich binden – und verlieren sie nicht zum Beispiel an Neobroker.

    Deka und S-Payment arbeiten an möglichen Angeboten

    Derzeit arbeiten zwei Sparkassenunternehmen, der Zahlungsdienstleister S-Payment und der Fondsanbieter Deka, an möglichen Lösungen für den Kryptohandel und andere Kryptoassets. Dabei geht es nach Handelsblatt-Informationen auch um Angebote für sogenannte tokenisierte Assets, also kleine digitale Anteile beispielsweise an Kunstwerken und Immobilien. Für diese spezielle Art des Kryptogeschäfts dürfte es in der Sparkassen-Finanzgruppe eine breite Zustimmung geben.

    Die Volks- und Raiffeisenbanken, die größten Wettbewerber der Sparkassen, haben bereits entschieden, ins Kryptogeschäft einzusteigen. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank baut gemeinsam mit der Wertpapierbank DWP einen Prototyp dafür. „Wir haben die Risiken im Blick, sehen aber ganz klar den Bedarf unserer Kunden“, teilte die Bank im Mai mit. Sie will in Kürze auch eine Verwahrlizenz für Kryptowerte beantragen.

    Ende April hatte die Commerzbank als erste klassische Bank bekannt gegeben, dass sie eine sogenannte Kryptoverwahrlizenz beantragt hat. Insgesamt waren zuletzt etwa zwei Dutzend solcher Anträge bei der Finanzaufsicht Bafin eingegangen.

    Zwei Sparkassen kooperieren beim Kryptohandel mit der Börse Stuttgart

    Einzelne Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben ihre Zurückhaltung bereits aufgegeben. Mittlerweile arbeiten drei Genossenschaftsbanken und zwei Sparkassen mit der Börse Stuttgart zusammen, um den eigenen Kundinnen und Kunden den Kauf von Kryptowährungen zu ermöglichen. Sie leiten ihre Kunden dabei per Link auf den Kryptohandelsplatz BSDEX der Börse Stuttgart weiter und bekommen eine Provision, wenn diese dort aktiv werden. Neben der Kreissparkasse Ostalb ist seit Ende Mai auch die Kreissparkasse Verden dabei. Beide betonen, dass sie Kryptowährungen nicht aktiv anbieten beziehungsweise weder dazu beraten noch sie empfehlen.

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