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15.04.2021

10:26

Brian Armstrong

Wie der Coinbase-Chef Bitcoin massentauglich gemacht hat

Von: Astrid Dörner

PremiumDer Börsenstart von Coinbase war ein Meilenstein. Nun muss der Chef der Kryptobörse beweisen, dass das Unternehmen langfristig erfolgreich sein kann.

Der Gründer und CEO von Coinbase hat sein Unternehmen an die Börse erfolgreich gebracht. Getty Images

Brian Armstrong

Der Gründer und CEO von Coinbase hat sein Unternehmen an die Börse erfolgreich gebracht.

New York Eigentlich war er spät dran. Erst 2010 fiel Brian Armstrong das Bitcoin-Whitepaper in die Hände, das ein gewisser Satoshi Nakamoto bereits zwei Jahre zuvor verfasst hatte. Doch das Konzeptpapier über eine neue, digitale Währung ließ ihn nicht mehr los. „Ich habe es immer wieder gelesen und bin dann zu Bitcoin-Meet-ups in San Francisco gegangen, weil ich mehr wissen wollte“, erinnert sich der Coinbase-Chef in einer Diskussion auf Clubhouse.

Im Nachhinein stellt sich heraus, dass Armstrongs Timing genau richtig war. 2012 gründete er die Krypto-Handelsplattform Coinbase, die er am Mittwoch an die Börse gebracht hat. Es ist ein Meilenstein für Coinbase, aber auch für die gesamte Kryptowelt. Armstrong hat sein Start-up zur größten amerikanischen Handelsplattform für Bitcoin, Ether und Co. gemacht.

Nun ist sein Unternehmen wie Facebook, Apple und andere Techkonzerne an der Nasdaq gelistet und war gleich am ersten Tag mehr wert als der größte traditionelle Börsenbetreiber ICE, der Mutterkonzern der New York Stock Exchange.

Die beiden größten digitalen Währungen, Bitcoin und Ethereum, erreichten kurz vor dem Handelsstart noch frische Allzeithochs. Das ist gut fürs Geschäft. Denn je höher die Preise, desto intensiver ist das Interesse der Nutzer und desto größer sind die Gebühren, die Coinbase für die Transaktionen kassieren kann.

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    Armstrongs Ziel: Handel mit Kryptowährungen vereinfachen

    Von Anfang an war Armstrongs Ziel, den Handel mit Kryptowährungen so einfach zu machen wie die Bedienung von Gmail. „Wir verkaufen die Schaufeln und Spaten, die den Leuten dabei helfen, diese Technologie zu nutzen“, sagte Armstrong gern über sein Unternehmen, das Nutzern den Zugang zum digitalen Goldrausch ermöglichen soll.

    Lange Zeit waren digitale Währungen eine Randerscheinungen und wegen ihrer Komplexität vor allem bei Programmierern beliebt. In den vergangenen Jahren näherte sich die Kryptowelt jedoch immer mehr der klassischen Finanzbranche an.

    Mit seiner Vision lockte Armstrong renommierte Risikokapitalgeber wie Andreessen Horowitz an. Heute zählt Coinbase 56 Millionen Kunden weltweit, darunter auch Tesla-Chef Elon Musk und der Hedgefondsmanager Dan Loeb. Coinbase hat sich anders als einige andere Börsen schon früh um Lizenzen bemüht und den Kontakt zu Regulierungsbehörden gesucht.

    Es war ein Auslandssemester in Argentinien, das Armstrong für die Folgen von Hyperinflation und schlecht funktionierende Finanzsysteme sensibilisierte, erinnert er sich. Auch bei seinem ersten Job bei Airbnb habe es immer wieder Probleme gegeben, Geld sicher und zu vorhersehbaren Gebühren in andere Länder zu überweisen. Krypto sei für ihn die Lösung.

    Wie jedes große Start-up in Silicon Valley hat auch Coinbase eine hochtrabende Mission: Die „wirtschaftlichen Freiheiten in der Welt zu verbessern“ hat Armstrong als Ziel ausgegeben. „Jeder verdient Zugang zu Finanzdienstleistungen, die einem helfen, ein besseres Leben für sich und die Familie zu ermöglichen“, schrieb der Coinbase-Chef in einem Blogeintrag zum Börsengang.

    Er selbst ist mit seinem Start-up zum Multimilliardär geworden. Seine Anteile sind rund 14 Milliarden Dollar wert. Dank großzügiger Aktienoptionen gehörte Armstrong im vergangenen Jahr zu den Großverdienern des Landes.

    Erster Streit kurz nach der Gründung

    Auf dem Weg nach oben ist Armstrong immer wieder angeeckt. Schon kurz nach der Gründung kam es zum Streit mit Mitgründer Ben Reeves. Am Abend, bevor Coinbase in das renommierte Gründerzentrum Y-Combinator aufgenommen wurde, soll Armstrong die Passwörter geändert und Reeves somit den Zugang zu den Programmiercodes verweigert haben, wie es Autor Jeff John Roberts in seinem Buch „Kings of Crypto“ beschreibt.

    Später lernte Armstrong (38) den ehemaligen Goldman-Sachs-Trader Fred Ehrsam kennen und machte ihn zum Mitgründer. Ehrsam verließ Coinbase 2017, sitzt jedoch noch im Verwaltungsrat.

    Im vergangenen Jahr sorgte er mit seiner Haltung zu den Black-Lives-Matter-Protesten für einen Exodus an Mitarbeitern. Er erklärte Coinbase zu einem Unternehmen mit „apolitischer Kultur“, das sich nicht in gesellschaftliche Themen einmische, die nichts mit der eigentlichen Unternehmensmission zu tun haben. „Das klarzustellen war das Wichtigste, was ich im vergangenen Jahr getan habe“, sagt er rückblickend.

    Auch an anderer Stelle gab es Ärger. Ähnlich wie bei der Online-Trading-App Robinhood verweisen Nutzer auf fehlende Hotlines, gerade wenn ihre Konten gehackt wurden und sie schnell Hilfe brauchen.

    Ein ehemaliger Coinbase-Mitarbeiter wurde im vergangenen Jahr Opfer eines Hackerangriffs. Er reichte eine Klage gegen die Börse ein, weil sie keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen gehabt hätten und nicht in der Lage waren, sein 100.000 Dollar schweres Portfolio zu schützen.

    Im März verhängte die US-Derivateaufsicht CFTC eine 6,5 Millionen Dollar schwere Strafe wegen sogenannter Wash-Trades. Dabei wird Handelsaktivität lediglich vorgetäuscht, was zu „falschen, irreführenden oder inkorrekten Handelsdaten“ führte, so die CFTC.

    Armstrong widmet sich unterdessen einem neuen Trend in der Kryptowelt. In der Pandemie hat er begonnen, elektronische Musik zu programmieren. Drei Songs will er nun gemeinsam mit einem DJ versteigern. Vorher hat er sie jedoch zuerst in sogenannte Non-Fungible-Tokens (NFTs) umgewandelt, um sie zu einer Art digitalem Sammlerstück zu machen. NTFs haben in den vergangenen Monaten einen regelrechten Boom erlebt und könnten ein Bereich sein, in den Coinbase expandieren will.

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