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23.05.2022

17:36

Britische Großbank

HSBC-Nachhaltigkeitsbanker lästert in Präsentation über Klima-„Spinner“ – und wird suspendiert

Von: Michael Maisch

Eine umstrittene Präsentation zum Thema verantwortungsvolles Investieren sorgt für Unmut. Nun muss das britische Geldhaus Schadensbegrenzung betreiben.

Die internationale Großbank hat Ärger mit einem Banker, der zwar für Nachhaltigkeit zuständig ist, in einer Präsentation aber Zweifel an den Folgen des Klimawandels thematisierte. Reuters

Das Logo von HSBC

Die internationale Großbank hat Ärger mit einem Banker, der zwar für Nachhaltigkeit zuständig ist, in einer Präsentation aber Zweifel an den Folgen des Klimawandels thematisierte.

Frankfurt Eigentlich müsste Stuart Kirk das Thema Nachhaltigkeit am Herzen liegen. Immerhin leitet der Manager die Abteilung für verantwortungsbewusstes Investieren beim Vermögensverwalter der größten europäischen Bank HSBC.

Doch auf einer Konferenz der britischen Zeitung „Financial Times“ hielt Kirk vor wenigen Tagen einen Vortrag unter dem Motto: „Warum sich Investoren keine Sorgen wegen des Klimawandels machen müssen“. Jetzt hat HSBC Kirk nach Informationen von Insidern suspendiert und eine interne Untersuchung angestoßen, die klären soll, wie es zu dem umstrittenen Vortrag kommen konnte. Über die Suspendierung hatte zuerst die „Financial Times“ berichtet.

Bei seiner Präsentation beschwerte sich Kirk, dass er in seiner 25-jährigen Karriere in der Finanzbranche immer wieder mit „Spinnern“ konfrontiert worden sei, die das „Ende der Welt“ vorausgesagt hätten. Seine erste Folie trug den Titel: „Unbegründete, schrille, parteiische, eigennützige, apokalyptische Warnungen sind immer falsch.“ Der Einbruch des Weltwirtschaftswachstums, den das Intergovernmental Panel on Climate Chance (IPCC) für die kommenden Jahrzehnte voraussagt, sei komplett irrelevant, argumentierte Kirk.

Außerdem präsentierte Kirk eine Grafik, die eine Korrelation zwischen der Erwähnung des Begriffs „Klima-Katastrophe“ in den Medien und den weltweiten Aktienkursen zeigt. Seine Schlussfolgerung: Je öfter vor den schädlichen Folgen des Klimawandels gewarnt wird, desto stärker steigen die Kurse.

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    Kirk, der bei HSBC Asset Management für die Integration von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen über alle Anlageklassen hinweg verantwortlich ist, nahm auch den ehemaligen Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, und andere Entscheidungsträger ins Visier, weil sie die Risiken des Klimawandels übertrieben hätten.

    Gleich drei HSBC-Manager versuchten in den Tagen nach Kirks Präsentation, den Schaden zu begrenzen: Nicolas Moreau, Chef der Vermögensverwaltungssparte von HSBC, betonte, dass die Äußerungen „in keiner Weise die Ansichten von HSBC Asset Management oder der HSBC-Gruppe widerspiegeln“. HSBC betrachte den Klimawandel als eine der „ernsthaftesten Bedrohungen, mit denen unser Planet konfrontiert ist“ und setze sich dafür ein, die Kunden beim Übergang zu einer nachhaltigen Zukunft zu unterstützen.

    Im Karriere-Netzwerk LinkedIn meldete sich Chief Sustainability Officer Celine Herweijer zu Wort: „Es ist wichtig, absolut klarzumachen, dass diese Ansichten absolut nicht von mir oder irgendjemand anderem im Führungsteam von HSBC geteilt werden. Ebenfalls auf LinkedIn betonte Vorstandschef Noel Quinn, dass HSBC bei der Finanzierung des Übergangs der Industrie zu einer CO2-armen Welt eine führende Rolle spielen wolle.

    Kirk arbeitet seit Anfang 2020 für HSBC und übernahm seine derzeitige Funktion im Juli 2021. Zuvor war er in der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank tätig.

    HSBC wolle beim Übergang in eine CO2-arme Welt eine führende Rolle spielen, sagt der Bankchef. Reuters

    Noel Quinn

    HSBC wolle beim Übergang in eine CO2-arme Welt eine führende Rolle spielen, sagt der Bankchef.

    HSBC hat sich verpflichtet, bis 2050 CO2-neutral zu werden. Nach Einschätzung der Umweltaktivisten von Urgewald sind die Richtlinien der Bank und ihrer Vermögensverwaltungssparte zu fossilen Energien „keineswegs vorbildlich und müssen dringend ambitionierter werden“.

    Im neuesten Banking-on-Climate-Chaos-Report verschiedener Umweltorganisationen kommt HSBC auf Platz sechs von 60 internationalen Banken bei der Finanzierung von 100 führenden Öl-, Gas- und Kohleunternehmen, die Expansionspläne haben – mit einer Gesamtsumme von knapp 55 Milliarden Dollar für die Jahre 2016 bis 2021.

    Am Dienstag dieser Woche wird die britische Notenbank das Ergebnis ihres Klimastresstests vorstellen. Nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch handelt es sich um die bislang härteste Prüfung der Klimarisiken in den Bilanzen der Geldhäuser. Die Fitch-Experten gehen davon aus, dass einige Institute im 30-jährigen Stressszenario die Mindestanforderungen nicht erfüllen werden.

    Immer wieder kontroverse Diskussionen

    Die Aktivisten von Urgewald begrüßen die Suspendierung des HSBC-Bankers und bezeichnen seine Aussagen als „peinlich“. „Eine solch renommierte internationale Kooperation wie das IPCC und zudem die im Klimaschutz engagierte Zivilgesellschaft mit platten Worten zu beleidigen, zeugt von einem unglaublichen Ausmaß an Unwissenheit“, kritisiert Urgewald-Campaignerin Katrin Ganswindt.

    HSBC ist nicht das einzige große Geldhaus, bei dem das Thema Nachhaltigkeit für interne Diskussionen sorgt. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sich die Investmentbanker der Deutschen Bank im vergangenen Jahr um ein Mandat für eine Anleihe des australischen Kohlekonzerns Whitehaven beworben haben, obwohl die internen Richtlinien des Instituts Finanzierungen für Unternehmen untersagen, die neue Kohleprojekte planen.

    Whitehaven will erklärterweise eine neue Mine erschließen und eine zweite deutlich ausbauen. Die Gremien der Bank haben die hauseigenen Investmentbanker im Herbst 2021 gebremst und die Beteiligung an der Whitehaven-Anleihe endgültig gestoppt.

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