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23.11.2022

13:43

Britische Großbank

Tauziehen zwischen Bank und Großaktionär – HSBC wird seinen Spaltpilz nicht los

Von: Torsten Riecke, Sabine Gusbeth

Der chinesische Großaktionär Ping An erhöht den Druck, das lukrative Asiengeschäft auf eigene Beine zu stellen. Die Botschaft ist in London angekommen.

Logo der britischen Großbank HSBC in Hongkong. Reuters

Globale Bank im Visier seines Großaktionärs

Logo der britischen Großbank HSBC in Hongkong.

London/Peking Ihr Sitz ist in London, ihr Chairman lebt jedoch in New York. Ihre Profite kommen größtenteils aus Asien, beaufsichtigt wird das Finanzinstitut jedoch von der Bank of England. Ihr größter Aktionär kommt aus China, ihre Aktien sind primär an der London Stock Exchange notiert.

HSBC ist die am meisten globalisierte Bank der Welt – und das wird ihr in Zeiten geopolitischer Spannungen zwischen Ost und West zum Verhängnis.

Seit mehr als sechs Monaten wehren sich HSBC-Chairman Mark Tucker und sein Managementteam gegen Forderungen, die Bank möge sich entlang der geopolitischen Frontlinie aufspalten und ihr Asiengeschäft auf eigene Beine stellen.

„Unsere Stärke als gut vernetztes, globales Institut ist der Hauptgrund, warum sich unsere Großkunden für uns entscheiden“, wirbt Vorstandschef Noel Quinn unablässig für die globale Struktur der Großbank. Eine Abspaltung oder Ausgliederung des Asiengeschäfts würde dagegen enorme einmalige Abwicklungskosten, höhere Steuern, höhere laufende Kosten für die Bank und mögliche regulatorische Rückschläge mit sich bringen.

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    Ignorieren können Tucker und Quinn die Umbauwünsche dennoch nicht, kommen sie doch von HSBCs größtem Anteilseigner, der chinesischen Versicherungsgruppe Ping An, die rund acht Prozent der Aktien besitzt. Die Chinesen sehen sich zwar selbst nicht als ein „aktivistischer Investor“, haben jedoch hohe Erwartungen und einen langen Atem. Seit sie Ende April erstmals die Idee einer Aufspaltung ins Spiel brachten, hat die von Peter Ma geführte Gruppe mit engen Verbindungen zur Regierung in Peking den Druck auf HSBC sukzessive erhöht.

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    Anfang November hat Ping An nun auch erstmals öffentlich eine Abspaltung des Asiengeschäfts thematisiert. Man werde „alle Initiativen unterstützen, einschließlich einer Abspaltung, die dazu beitragen, die Leistung und den Wert von HSBC zu verbessern“, sagte Michael Huang, Vorsitzender von Ping An Asset Management, gegenüber verschiedenen Analysten und Medien. Huang verwies darauf, dass die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren „ziemlich enttäuscht über die schwache Leistung der HSBC sowie Dividende und Marktkapitalisierung“ gewesen seien.

    So erziele die HSBC eine geringere Eigenkapitalrendite als ihre Wettbewerber. In wichtigen Rankings bleibe die Bank ebenfalls hinter der Konkurrenz zurück, insbesondere in Asien. Da die Region den größten Beitrag zum Geschäft und Gewinn leiste, mache er sich „Sorgen um die langfristige und dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit“ des Instituts auf diesen Märkten. Huang kritisierte auch die unterdurchschnittliche operative Performance. Es sei „dringend“, dass HSBC ihre Kosten senke, die weit über der Konkurrenz lägen.

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    Die Botschaft ist in der HSBC-Zentrale an der Londoner Canary Wharf angekommen. Die Großbank stellte kürzlich ihr Kanadageschäft zum Verkauf, das nach Schätzung des Finanzinformationsdienstes Bloomberg bis zu zehn Milliarden Dollar einbringen könnte.

    Im vergangenen Jahr hatte sich HSBC bereits vom Privatkundengeschäft in Frankreich und den USA getrennt. Mitte November fusionierten die Londoner ihr Geschäft in Oman mit dem lokalen Anbieter Sohar Bank. „Es gibt ein paar Märkte, die ich für nicht ganz strategisch halte und die keine akzeptablen Renditen abwerfen“, begründete Quinn die Transaktionen.

    An den Märkten sieht man darin aber auch das Eingeständnis, dass es mit der globalen Strategie doch nicht so weit her ist: „Wenn sie jetzt erfolgreiche Teile, wie Kanada, verkaufen, dann deutet das darauf hin, dass der ganze Wert des globalen Franchise mehr Theorie als Realität ist“, mutmaßt Edward Firth, Bankenanalyst beim Investmenthaus Keefe Bruyette & Woods. „Ich vermute, dass Ping An Fortschritte macht und dass jeder Teil des Geschäftsbereichs außerhalb Asiens jetzt für den richtigen Preis zu haben ist.“

    Unruhe im Management

    Den Chinesen reichen die bisherigen Deinvestitionen jedoch nicht. „Die Veräußerung einiger kleiner Märkte oder Unternehmen wird diese Probleme nicht grundlegend lösen“, heißt es vonseiten des Großaktionärs.

    Dass es knirscht in den Vorstandsetagen der HSBC, darauf deuten auch die jüngsten Wechsel im Management hin. Im Oktober wechselte Chairman Tucker überraschend den Finanzchef Ewen Stephenson aus und machte Georges Elhedery zu seinem Nachfolger – und damit zum Favoriten, um CEO Quinn zu beerben. Kürzlich wechselte Chirantan Barua, bis dahin für die globale Strategie bei HSBC verantwortlich, zum Konkurrenten Lloyds Bank.

    Bankautomaten der HSBC in London. Reuters

    Auf dem Prüfstein: Auslandsgeschäfte der HSBC

    Bankautomaten der HSBC in London.

    Im Tauziehen zwischen Management und Großaktionär geht es jedoch nicht nur um Renditen und Aktienkurs, es geht auch um Machtpolitik. Schwer im Magen liegt den Chinesen immer noch, dass HSBC im Coronajahr 2020 auf Druck der Bank of England ihre Dividende streichen musste. Ping An fehlten daraufhin plötzlich rund 900 Millionen Dollar in der Kasse. Seitdem hat man in Hongkong den Eindruck, die Bankenaufseher in London würden die Interessen HSBC-Aktionäre in Asien nicht ausreichend im Blick haben.

    HSBC-Chairman Tucker hat nun versprochen, die Dividende im kommenden Jahr anzuheben. Seine chinesischen Investoren wird er damit vermutlich nicht beruhigen können: „Ich bin mir nicht sicher, ob ein bisschen mehr Dividende einen Aktivisten besänftigen wird, der sich auf strukturelle Veränderungen beruft“, warnte Joseph Dickerson, Bankenanalyst bei Jefferies International in London, bereits im Spätsommer.

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